− Anzeige −
− Anzeige −

Der Weg zur klimaneutralen Stadt ist noch weit

13.05.2019 
 
Redaktion
 

Foto: dpa/Thomas Warnack

KONSTANZ/STUTTGART. London, Los Angeles, Konstanz. Die Stadt am Bodensee hat als erste in Deutschland den Klimanotstand ausgerufen. Sie reiht sich damit in die Riege internationaler Metropolen ein. Doch auch andere Kommunen sind längst im Klimaschutz aktiv. Damit sie ihre Ziele erreichen, fordern sie Hilfe vom Bund.

Derzeit kommt auf jeden Bürger in Konstanz ein CO2-Ausstoß von 4,2 Tonnen pro Jahr. Bis 2050 soll dieser Wert auf 0,7 Tonnen gesenkt, die Stadt also fast klimaneutral werden. Erreichen will die Verwaltung dies mit Maßnahmen, die es im kommunalen Klimaschutz schon gibt (siehe Kasten). Neu ist aber, dass alle Entscheidungen der Verwaltung auf Klimaverträglichkeit überprüft werden sollen. Rechtlich hat der „Notstand“ aber keine Wirkung.

Starkes Wachstum bedeutet auch höhere Werte

Klimaschutzkonzepte sind eigentlich nichts Neues: Viele Städte haben sie bereits seit den 1990er-Jahren. Doch der Weg zur Klimaneutralität ist lang. Manche damit verbundenen Ziele könnten nicht eingehalten werden, erklärt Björn Weber vom Deutschen Institut für Urbanistik. „Kommunen sind hier schon sehr aktiv und haben zum Beispiel ihre Liegenschaften modernisiert. Dennoch haben Städte und Gemeinden viele Faktoren, die den CO2-Ausstoß beeinflussen, nicht in der Hand: Pendlerströme, Abgase durch Fabriken“, so Weber.

Hinzu komme, dass viele Städte in den vergangenen Jahren stark gewachsen seien, das bedeute mehr Bewohner und mehr Pendler, erklärt Weber. Von daher stünden viele vor weiteren Herausforderungen, um ihre selbstgesteckten Ziele zu erreichen.

Freiburg legt Klimaschutzpläne fest

Beispiele dafür finden sich auch im Land: Freiburg hat Anfang des Jahres neue Pläne im Klimaschutz mit insgesamt 160 Maßnahmen vorgelegt. Vor fünf Jahren beschloss der Gemeinderat, den Emissionswert aus dem Jahr 1992 (11,7 Tonnen CO2 pro Einwohner) bis zum Jahr 2030 zu halbieren und bis 2050 klimaneutral zu werden. Allerdings konnte der Wert bis zum Jahr 2016 erst auf 7,3 Tonnen gesenkt werden, also um rund 37 Prozent.

Damit die Stadt die ambitionierten Vorgaben bis 2050 erreicht, müsste sie jetzt nachlegen: Als Ziel für 2030 will sie deshalb eine CO2-Reduktion von 60 Prozent vorschlagen – sofern der Bund die Bedingungen dafür verbessert.

Heidelberg konnte nach Angaben eines Sprechers den Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 von 4,7 Tonnen im Jahr 1995 auf 2,7 Tonnen 2016 senken und will bis 2050 den Energiebedarf um die Hälfte reduzieren.

Städtetag hält Zwang für nicht zielführend

Der Städtetag fordert von Land und Bund für seine Mitgliedsstädte mehr Hilfe beim Klimaschutz. „Ein Klimaschutzgesetz auf Bundesebene ist unerlässlich“, erklärt Gudrun Heute-Bluhm, geschäftsführendes Vorstandsmitglied.

Sie betont die unterschiedlichen Ebenen, auf denen sich das Thema abspielt. Ein entscheidender Baustein sei die Verkehrswende hin zu mehr öffentlichem und weniger Individualverkehr, so Heute-Bluhm. Rund ein Drittel des CO2-Einsparpotenzials liege zudem im Umstieg auf erneuerbare Energien für private und öffentliche Gebäude. Das Land solle dabei keinen Zwang auf die Kommunen ausüben.

Das grüne Umweltministerium hatte kürzlich vorgeschlagen, dass die Regierungspräsidien mehr Mitsprache bei Standorten für erneuerbare Energien wie Windenergie und Freiflächen-Photovoltaik erhalten. Pläne, die die Kommunalverbände und der Koalitionspartner CDU ablehnten.

Der Gemeindetag unterstützt die Forderung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, der sich für einen deutschlandweiten Masterplan einsetzt. „Klimaschutz ist ganz klar eine gemeinschaftliche Aufgabe von Bund, Ländern, Kommunen und Bürgern“, so die Sprecherin.

Stadt reagiert auf Schülerproteste für mehr Klimaschutz

Die Stadt Konstanz reagiert mit dem Klimanotstand nach eigener Aussage auf die Proteste „Fridays for Future“, bei denen Schüler die Politik zu mehr Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel auffordern.
Zuvor hatten bereits Städte wie Los Angeles und London einen Klimanotstand ausgerufen. In der Stadt am Bodensee sollen nun klimaneutrale Energien für Neubauten verwendet werden, Bürger sollen zum Umstieg auf Bus und Bahn sowie das Fahrrad bewegt und Hauseigentümer dazu angehalten werden, ihre Gebäude energetisch zu sanieren. Inwieweit die Klimabilanz der städtischen Gebäude verbessert werden kann, soll ebenfalls geprüft werden.

 

 

 

− Anzeige −

Kontakt

Ihre Ansprechpartnerin in der Redaktion

Redaktionsassistentin Staatsanzeiger
Doris Kugel
Telefon: 07 11.6 66 01-290
E-Mail senden

Unser Team

Ihr Kontakt zu unseren Redakteurinnen und Redakteuren

Zum Team

Umfrage

Soll es eine Grundsicherung für Kinder geben?

Umfrage ist nicht repräsentativ.

Praktikums-Tagebuch

Studierende der Hochschulen für öffentliche Verwaltung Kehl und Ludwigsburg berichten über ihr Praktikum im Rahmen des Praxisjahrs im Vertiefungsschwerpunkt Kommunalpolitik/ Führung im öffentlichen Sektor beim Staatsanzeiger. 

Zum aktuellen Tagebuch

Der Kommunal-Newsletter

Wissenswertes zu kommunalpolitischen Themen für Sie als Gemeinderat/Gemeinderätin mit einem wöchentlichen Newsletter direkt in Ihr E-Mail-Postfach. Abonnieren Sie jetzt den neuen 
Kommunal-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Titelbild Staatsanzeiger

− Anzeige −