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Fortbildungen und Coachings gegen psychische Belastungen

10.12.2019 
Redaktion
 
Das Justizministerium will Beschäftige im Vollzug und an Gerichten auf Belastungen vorbereiten und ihnen nach Angriffen helfen. Foto: dpa

Foto: dpa

STUTTGART. Der Ton vor Gericht und im Gefängnis wird rauer. Justizmitarbeiter werden vermehrt angefeindet. Im Justizministerium will man die Beschäftigten auf Belastungen vorbereiten und ihnen nach Angriffen helfen – mit Kriseninterventionsdienst, zentralen wie dezentralen Fortbildungen und Schulungen.

Eine Bedienstete des mittleren Vollzugsdiensts wurde mit einem heißen Öl-Wasser-Gemisch überschüttet, als sie die Tür zu einem Haftraum öffnete. In einer Verhandlung vor dem Familiengericht wiederum wurde eine Verfahrenspflegerin tätlich angegriffen. Zwei Fälle, die Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf (CDU) in einer Landtagsanfrage aufzählt. Darin wollten Mitglieder der FDP-Fraktion wissen, wie es um die psychologischen Betreuungsangebote für Justizmitarbeiter im Land bestellt ist.

Ist doch auch in der Justiz zu spüren, was in der Gesellschaft zu bemerken ist: dass Bürger staatlichen Einrichtungen mit steigendem Misstrauen begegnen. „Die Verfahrensbeteiligten treten zunehmend bedrohlicher und fordernder auf“, heißt es in der Antwort des Ministeriums. „Justizmitarbeiter sehen sich deshalb vermehrt Anfeindungen ausgesetzt. Eine besondere Ausprägung davon sind die ‚Reichsbürger‘ oder ‚Selbstverwalter‘.“

Fortbildungen zum Umgang mit psychisch belastenden Tätigkeiten

Physische und psychische Risiken für die Justizmitarbeiter ergäben sich aber auch aufgrund der Verfahrensinhalte. Als typische Beispiele werden Sorgerechtsstreitigkeiten aufgeführt sowie die Belastungen, die mit Sexual- und sonstigen Gewaltdelikten verbunden seien. Dazu gehört das Sichten von entsprechendem Bild- und Videomaterial, oder auch der Umgang mit Inhaftierten, die sich ihrerseits in psychischen Ausnahmesituationen befinden. „Weiterhin kommt es vor, dass Justizmitarbeiter im Dienst Personen nach deren Suizid aufgefunden haben.“

Außerdem existierten „nicht justizspezifische“ Gesundheitsgefahren. Hoher Arbeitsanfall und Zeitdruck, etwa aufgrund von sich häufenden Haftsachen oder längerfristigen Vertretungen, könnten psychisch und letztlich physisch bedrücken. Daher gebe es für Beschäftigte in Gerichten, Staatsanwaltschaften und im Justizvollzug aller Laufbahnen ein breites Angebot an speziellen Schulungen zum Umgang mit psychisch besonders belastenden Tätigkeiten. Einige dieser Fortbildungen werden zentral im Ministerium der Justiz und für Europa organisiert, das Gros indes erfolgt dezentral.

„Dies bietet den Vorteil, dass zielgerichteter und schneller auf die jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse der Beschäftigten vor Ort eingegangen werden kann“, erläutert Wolf. Um auf psychisch besonders belastende Situationen vorzubereiten, würden etwa spezielle Schulungen angeboten zu „querulatorischen oder aggressiven Telefonanrufern“, „querulatorisch oder aggressiv auftretendes Publikum, insbesondere im Vollstreckungsbereich“, „Deeskalationstraining und deeskalierende Gesprächsführung für Mitarbeiter im Kundenkontakt“, „Konfliktmanagement und Selbstbehauptung beim Umgang mit Verfahrensbeteiligten“ und „Präventive Schulungen zum Umgang mit Gefahrensituationen“.

Aber auch „Burnout erkennen und verstehen“, „Stressmanagement“, „Resilienz“, „Work-Life-Balance“ und „Gesundes Führen“ tauchen in der langen Liste auf. Hinzu kämen noch Veranstaltungen der Deutschen Richterakademie sowie – zentral durch das Bildungszentrum Justizvollzug oder dezentral von einzelnen Vollzugseinrichtungen veranstaltete – Angebote.

„Um Betroffenen bei traumatischen Erlebnissen schnelle und professionelle Hilfe zukommen zu lassen, besteht in der Justiz ein Kriseninterventionsprogramm“, heißt es. Für alle Bedienstete des baden-württembergischen Justizvollzugs stehe im Fall psychischer Belastungen der Kriseninterventionsdienst (KID) bereit.

Coaching wird laut Ministerium gut nachgefragt

Und: Seit Mai würden anlassunabhängige Einzelcoachings für Richter des Landgerichts und des Oberlandesgerichts Stuttgart durchgeführt. Das Pilotprojekt wird vom Justizministerium gefördert. Diese seien nachgefragt, heißt es. Indes könnten keine belastbaren Aussagen getroffen werden, wie hoch der tatsächliche Bedarf an speziellen psychologischen Betreuungsangeboten und Seelsorge ist. Dokumentiert ist, wie oft der KID abgerufen wurde: 2015 in 25 Fällen, 2016 in 26 Fällen, 2017 in 26 Fällen, 2018 in neun Fällen und 2019 bislang in 17 Fällen.

Pilotprojekt zum Einzelcoaching von Richtern
Im Finanzressort sind just sieben Psychologinnen und Psychologen angestellt, im Justizressort keine. Derlei scheine aktuell nicht angezeigt, heißt es im Justizministerium, weil vergleichbare, dezentrale Angebote nur in wenigen Einzelfällen beansprucht worden seien. Die psychologische Betreuung für Justizmitarbeiter sei – wegen der Bereichsgröße – vorrangig dezentral organisiert und stelle die psychologische Betreuung sicher. Man will prüfen, ob das Pilotprojekt zum Einzelcoaching von Richtern, das beste Resonanz hat, ausgeweitet wird.

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