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Klimawende: Stadt Karlsruhe setzt auf ein ambitioniertes Gesamtpaket

27.07.2020 
Redaktion
 
Foto: dpa

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KARLSRUHE. Lange führte der Klimaschutz ein politisches Nischendasein. Doch in den vergangenen Jahren hat sich das radikal geändert, und spätestens seit den weltweiten Freitagsdemonstrationen steht das Thema oben auf den Agenden der Vereinten Nationen, der Europäischer Union und der nationalen Regierungen.

Auf dem Weg zum Ziel der Klimaneutralität leisten Kommunen einen erheblichen Beitrag. Der Karlsruher Gemeinderat zum Beispiel hat im April ein ambitioniertes „Klimaschutzkonzept 2030“ verabschiedet, das das eigene Konzept aus dem Jahr 2009 fortschreibt und verschärft.     

So will die Stadt bis zum Jahr 2030 die CO2-Emissionen stark senken, nämlich im Vergleich zum Jahr 2010 um mindestens 58 Prozent. Damit würde der Ausstoß im Vergleich zum Jahr 2017 von 7,9 Tonnen pro Kopf und Jahr auf höchstens 3,3 Tonnen pro Kopf und Jahr gesenkt werden.

Verwaltung von Karlsruhe soll 2040 komplett klimaneutral sein

Bis 2050 – also dem Jahr, in dem Europa klimaneutral sein will – strebt Karlsruhe einen Zielwert von unter 0,5 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr an. Die Stadtverwaltung selbst will bereits zehn Jahre vorher, nämlich 2040, komplett klimaneutral sein.     

Ihre Ziele leitet die Verwaltung aus den Vorgaben der richtungsweisenden UN-Klimakonferenz von Paris aus dem Jahr 2015 und dem Sonderbericht des Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC) aus dem Jahr 2018 ab.

„Das Konzept ist sehr ambitioniert und mit zahlreichen Maßnahmen unterlegt“, sagte die Karlsruher Bürgermeisterin für Umwelt und Gesundheit, Bettina Lisbach, am Dienstag in einem Gespräch mit dem Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg, Volker Kienzlen. So beziehe man unter anderem die Bereiche Strom- und Wärmeversorgung, Planen und Bauen und Mobilität in das Konzept mit ein und begleite den Wandel mit verschiedenen Beratungsangeboten und Instrumenten der Öffentlichkeitsarbeit. Voraussetzung für eine gelingende Umsetzung sei, dass alle Beteiligten mitzögen, soLisbach.

Damit ist nicht zuletzt der Gemeinderat gemeint. Denn so ehrgeizig sich das Konzept auch ausnimmt, steht seine Finanzierung unter Haushaltsvorbehalt und damit alle zwei Jahre auf dem Prüfstand des Stadtparlaments. Dazu kommt, dass die Kämmerer wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie ohnehin über Löcher in den Kassen klagen.

Große Bedenken hat Lisbach trotzdem nicht, was die Gelder angeht. „Das Thema wird ernst genommen, hat Rückenwind durch die Klimabewegung.“ 40 Millionen Euro pro Jahr müsste der Rat bereitstellen, um die Maßnahmen so durchzusetzen, wie man sie sich vorgenommen hat.

Umwelt-Bürgermeisterin hält Nahverkehrsabgabe für sinnvoll

Konkret plant die Stadt, den Verkehr weiter zu reduzieren. Unter anderem denke man über die klimaneutrale Gestaltung von Dienstwegen und Dienstreisen nach. Lisbach geht außerdem von einem weiteren Wachstum des Carsharing-Marktes aus, obwohl dieser derzeit, bedingt durch die Corona-Krise, leidet. Zusätzlich wolle man weitere öffentliche Fläche für E-Ladestationen umwidmen. Das gut ausgebaute Radwegenetz wolle man weiter optimieren, sagte Lisbach.         

Das ist ein Balanceakt, denn gleichzeitig gelte es, Flächenversiegelungen zu vermeiden. Eine Nahverkehrsabgabe sieht die Bürgermeisterin als sinnvolles Instrument, um die Verkehrswende zu stemmen. „Wir müssen wegkommen von der Konzentration auf den Individualverkehr. Das geht leider nur zögerlich voran, dabei haben wir wenig Zeit“, so Lisbach.     

Große Hoffnung setzt die Verwaltung in das Thema Bauen: So habe man klare Standards für die Bauleitpläne definiert, beschleunige die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden und forciere die Installation von Photovoltaikanlagen auf eigenen Liegenschaften.

Gerade in Sachen Photovoltaikanlagen gebe es noch Luft nach oben, gestand Lisbach: Bislang seien nur zwei Prozent der Gebäude damit bestückt. Privatbesitzern und Gewerbetreibenden will die Stadt zusätzliche Anreize für solche Anlagen bieten. Hier soll es niederschwellige Beratungsangebote geben sowie Hilfen bei der Installation der Anlagen selbst.     

Beim mittelfristigen Umstieg von fossilen auf nachhaltige Energieträger setzt Lisbach auf den Oberrheingraben und dessen immenses Potenzial für Tiefen-Geothermie. „Auf Erdwärme können wir mittelfristig nicht verzichten, wenn wir bei der Klimawende vorankommen wollen“, sagte Lisbach.

Kernbestandteil des Karlsruher Klimaschutzkonzepts ist ein umfangreicher Maßnahmenkatalog. Die Stadt hat diesen nicht im Alleingang festgelegt, sondern die Bürger daran beteiligt.

Vorausgegangen waren themenbezogene Arbeitskreise, an denen sich Einwohner der Stadt beteiligen konnten. Außerdem konnten sich die Karlsruherinnen und Karlsruher auch online zu Wort melden und so Kommentare und Anregungen zum Konzept abgeben. Die Stadt wertete die Impulse der Bürgerschaft anschließend aus und berücksichtigte diese in der abschließenden Fassung des Schriftstücks.

 

 

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