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Mitarbeiter des Bauhofs Herrenberg führen sich selbst

13.05.2019 
 
Redaktion
 

Foto: Haussmann

HERRENBERG. New Work ist ein modernes Arbeitskonzept, das Beschäftigten mehr Verantwortung überträgt. In Herrenberg wird dieses Modell erfolgreich auf dem Bauhof der Stadt praktiziert.

„New Work? Noch nie gehört.“ Eine Reaktion, die nicht selten ist und die zeigt, dass sich bislang kaum jemand mit dem neuartigen Arbeitskonzept auseinandergesetzt hat, das hinter den zwei Worten steckt. New Work wird häufig als Oberbegriff für moderne Veränderungen an Arbeitsplätzen, aber auch für eine neue Einstellung in der Arbeitswelt genutzt, die sich mehr auf Mitarbeiter konzentriert und auf deren Bedürfnisse eingeht.

Im Mittelpunkt der ursprünglichen New-Work-Idee des Sozialphilosophen Frithjof Bergman standen nämlich nicht allein Globalisierung und Digitalisierung, sondern vor allem die Potenzialentfaltung eines jeden Menschen.

Es ist laut Claudia Schneider von der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg vor allem die Privatwirtschaft, die das Konzept zunehmend aufgreift und ihre Unternehmenskultur darauf ausrichtet. Im öffentlichen Dienst ist New Work der Personalexpertin zufolge nahezu unbekannt. Nicht so bei der Stadt Herrenberg, die das moderne Arbeitsmodell in einem bundesweit einzigartigen Modellprojekt seit über einem Jahr beim Bauhof umsetzt.

Fünf Beschäftigte wollen keine Führungsaufgaben übernehmen

Anstoß gab eine Mitarbeiterbefragung, die die Stadtverwaltung im Rahmen des Konzepts „Zukunftsfähiges Herrenberg“ durchführte. Die lieferte für den Bauhof und das Amt für Technik, Umwelt und Grün ein eindeutiges Ergebnis: „Ein größerer Teil der Beschäftigten war mit der aktuellen Situation unzufrieden“, berichtet Stefan Kraus, „sie erhofften sich mehr Entwicklungsmöglichkeiten, sowohl in monetärer als auch in persönlicher und fachlicher Hinsicht.“ Die Kritik und die dahinterstehenden Wünsche der Mitarbeiter wurden dem Amtsleiter zufolge aufgegriffen.

Etwa zum selben Zeitpunkt wurde beim Bauhof eine Meisterstelle frei. Für die Chance zur Veränderung wurde auf eine Neubesetzung der Position verzichtet. „Stattdessen sollte die Arbeit in Selbstorganisation, also eigenverantwortlich von den Beschäftigten, koordiniert und erledigt werden“, so Kraus.

Hierarchische Strukturen sind damit passé. „Ich entscheide jetzt selbst, was zu tun ist“, sagt Michele Caggiano vom Führungsteam der zwölfköpfigen Bauhofmannschaft. Durch den Wegfall der Meisterstelle gibt es auf dem Bauhof nicht mehr nur einen Chef, sondern sieben. Die übrigen fünf Beschäftigten wollten keine Führungsaufgabe übernehmen, weil ihnen das nicht liegt. Sie mussten vertraglich zusichern, dass sie den Anweisungen ihrer sieben Vorgesetzten Folge leisten. Die besprechen täglich das Tagesprogramm und schreiben die Wochenplanung fort.

Flache Hierarchien und mehr Eigenverantwortung für Mitarbeiter

Dank flacher Hierarchien und Eigenverantwortung geht die Arbeit schneller, flexibler und effizienter von der Hand, findet Caggiano. Zusammen mit einem Kollegen ist er für die Stadtreinigung und die Leerung von Müllbehältern zuständig. Vor einiger Zeit kamen sie auf die Idee, Abfalleimer mit unterirdischen Containern mit Sensoren auszustatten.

„Per Mail erfahren wir jetzt, wann und wo demnächst eine Leerung einzuplanen ist. Das erhöht unsere Schlagkraft“, so Caggiano. „Und Ideen können wir zügiger in die Tat umsetzen, weil die Entscheidung nicht von einer Person abhängt, die täglich eine Fülle von Entscheidungen treffen muss.“

Diese Aufgabe verteilt sich auf sieben Schultern und die Selbstorganisation in jedem Arbeitsbereich auf ein Kollegenpaar. Darüber hinaus übernimmt alle vier Wochen ein anderer aus der Führungsriege die Rolle des zentralen Ansprechpartners für die interne und externe Kommunikation. Der Erfolg kam nicht über Nacht. Es brauchte auch Schulungen, um in die Führungs- und Verwaltungsaufgaben hineinzuwachsen.

Jahresentgelt wird auf Mitarbeiter verteilt

Ob Personalauswahl, Leistungsbewertung oder Konfliktbearbeitung – mit den Aufgaben wuchs das Know-how. Die rund 50 000 Euro Jahresentgelt für die Meisterstelle wurden daher proportional zum Verantwortungszuwachs auf die Mitarbeiter verteilt.

In Herrenberg ist man überzeugt, dass so die Attraktivität der Verwaltung als Arbeitgeber gesteigert wird. Die Zahlen können sich jedenfalls sehen lassen: 2018 wickelte der Bauhof 100 Aufträge mehr ab als 2017. Das entspricht einer Umsatzsteigerung von 35 000 Euro.

Umsatz und Mitarbeiterzufriedenheit werden gesteigert

Nach Angaben des Forschungsinstituts HR Impulsgeber und der Management- und Technologie-Beratungsfirma Detecon International steigert New Work den Umsatz, die Mitarbeiterzufriedenheit und die Arbeitgeberattraktivität, während die Fluktuationsrate gesenkt wird. Haupthindernis für die Realisierung des modernen Arbeitskonzepts sind den Experten zufolge Geschäftsleitung, Führungskräfte und finanzielle Ressourcen.
Arbeitgeber, die New-Work-Tools verwenden, haben den Fachleuten zufolge eine dreimal höhere Chance, von Arbeitskräften als attraktiv wahrgenommen zu werden.

 

 

 

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