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Neue Arbeitsformen und technische Helfer bringen die Verwaltung voran

15.04.2019 
Von: Daniel Völpel
 
Redaktion
 

Foto: Wirth

STUTTGART. Der digitale Wandel verändert auch die Verwaltung. Gleichzeitig ermöglicht er neue Arbeitsmodelle. Wie Behörden sich zu ihrem Vorteil entwickeln können, war Thema beim Kongress „Arbeits- und Führungswelten der Zukunft“.

In 30 Jahren tragen die Menschen in ihrem Mobilgerät nicht nur ihren intelligenten Geldbeutel mit sich, der über Blockchain-Technologie alle Werte verwaltet. Sie besitzen gleich einen digitalen Zwilling. Der erfasst alle eigenen Daten mit künstlicher Intelligenz, analysiert sie und nimmt einem so Tätigkeiten ab. Mit dieser Zukunftsvision von Carsten Stauch, IT-Innovationsmanager der EnBW AG, starteten die Teilnehmer am Mittwoch an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen (HVF) Ludwigsburg in den zweiten Kongress der Reihe „Arbeits- und Führungswelten der Zukunft“.

Gemeinsam mit dem Staatsanzeiger hatte die Hochschule als Co-Veranstalterin zwei Themenbereiche verbunden: „Technologische Trends und New Work – Potenziale für die öffentliche Verwaltung“, so der Titel.

Der Bösewicht der Arbeitswelt trennt Denken und Handeln

Einen kompletten Bruch mit Hierarchien empfahl Thomas Hohe von der Robert Bosch GmbH im Hauptvortrag zu den neuen Arbeitsformen: Sein Team im indirekten Einkauf hat sich selbst neu organisiert – ohne Chef. Das Management als Prinzip zu führen bezeichnete Hohe gar als den „Bösewicht der Arbeitswelt“. Manager sähen sich fürs Denken zuständig, die Mitarbeiter sollten ausführen. Damit verwandle man Menschen, die gerne produktiv und kreativ wären, in solche, die stupide das Nötigste tun. Sein Team dachte die Aufgaben entlang einer Prozesskette neu und verteilte Tätigkeiten nach Neigungen. „Wir haben Unglaubliches erreicht“, sagt Hohe: 80 Prozent der Bestellungen laufen jetzt voll automatisiert. Einen Verhandlungsroboter programmierte ein Kollege mit Video-Anleitungen aus dem Internet. Der schlägt durchschnittlich drei Prozent Rabatt bei Bestellungen raus.

Nachfragen aus dem Publikum zeigten: Flache Hierarchien und selbstorganisierte Teams können sich viele in der Verwaltung schwer vorstellen. Dass es geht, betonte Claudia Schneider, die das wissenschaftliche Programm des Kongresses zusammenstellt: Sie selbst habe den Bauhof der Stadt Herrenberg dabei begleitet. Das selbst organisierte Team arbeite nun mehr Aufträge ab. „Sie sind im Web aktiv und bekommen Bewerbungen ohne Ende“, so die HVF-Professorin. 

Freiwillige Bürger machen die Stadt Ulm smart

Es gehe nicht mehr nur darum, neue Anwendungen zu installieren, so der Rektor der HVF, Wolfgang Ernst, in seine Begrüßung: „Die Arbeit am Schreibtisch wird weniger, sie wird mobiler, verlagert sich nach Hause. Dies führt zu ganz anderen Arbeitssituationen. Das Hierarische löst sich auf, es geht mehr und mehr in Richtung der mobilgestützten Zusammenarbeit.“ Was dabei zu beachten wäre, erarbeiteten die Teilnehmer nachmittags in Workshops zum ortsflexiblen und mobilen Arbeiten und zu Stress und Erholung im Kontext von New Work.

Stefan Kaufmann von der Stadt Ulm zeigte, wie dort mit dem Verschwörhaus ein Bürgertreff entstand, in dem Freiwillige intelligente Lösungen für die Stadt entwickeln – mit offenen Daten, offenen Quellcodes und ohne teure Berater.

Auch die Führungswelten seien einer der raren wissenschaftlich ausgerichteten und unabhängigen Digitalisierungskongresse, betonte Breda Nußbaum, Chefredakteurin des Staatsanzeigers. „Unser Programm richtet sich nicht nach den Wünschen etwaiger Sponsoren und auch nicht nach den Vorgaben einer höheren politischen Ebene.“

Direkte Tests der Chatbots

Bei den technologischen Trends am Vormittag hatten die Führungskräfte und Digitalisierungsexperten der Verwaltung in einem Workshop mit Professoren der HVF und der Wirtschaftsuniversität Wien ausgelotet, welche IT-Voraussetzungen eine Stadt braucht, um smart zu werden. Wie sich Visualisierungstechniken einsetzen lassen, um über Bauprojekte zu informieren, stellte Günter Wenzel vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) vor.

Direkt testen sollten Kleingruppen die Chatbots verschiedener Verwaltungen im Workshop von Birte Lönneker-Rodman von der ISB AG – unter anderem den WienBot, der auch Fragen von Touristen beantwortet.

Von der Studie „Homo Digitalis“ berichtete Kathrin Pollmann vom Fraunhofer-IAO zum Abschluss des Kongresses. Deren Fazit: Viele Menschen würden Robotern selbst Entscheidungen, Kreativität und Problemlösen überlassen. Nur kommunizieren und im Team arbeiten möchten sie mit Menschen. Deshalb sei bewusst zu entscheiden, was weiterhin analog bleiben soll.

Mehr zum Thema:

Einen Rückblick mit Bildergalerie sowie einen Film mit Teilnehmerstimmen zum Kongress finden Sie unter: www.staatsanzeiger.de/fuehrungswelten

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