− Anzeige −
− Anzeige −

Oberbürgermeisterwahl: Die zweite Runde ist fast immer spannend

13.11.2020 
Redaktion
 
Wahlhelfer zählen Stimmen aus.

Foto: Lichtgut Bildfunk

STUTTGART. Bei den Neuwahlen werden die Karten oft neu gemischt. Manche Kandidaten springen ab, weil sie keine Chancen auf einen Wahlsieg sehen. Davon profitieren können Bewerber, die einem ähnlichen politischen Lager angehören: Sie setzen auf Wähler, die zuvor abgesprungenen Kandidaten ihre Stimme gegeben haben. 

Eine Neuwahl ist auch in Stuttgart nötig: Am Sonntag haben vier der 14 Kandidaten besonders gut abgeschnitten, aber keiner bekam mehr als 50 Prozent. CDU-Kandidat Frank Nopper holte mit Abstand die meisten Stimmen: 31,8 Prozent.

Alle anderen aussichtsreichen Kandidaten werden dem öko-sozialen Lager zugerechnet. Fraglich war, wer zurückzieht und so die Chancen für die anderen erhöht. Seit Mittwoch ist klar, dass dies Grünen-Bewerberin Veronika Kienzle (17,2 Prozent) tut.

Sowohl Marian Schreier, parteiunabhängig angetretener Sozialdemokrat (15 Prozent) und Hannes Rockenbauch, Chef des Linksbündnisses im Gemeinderat (14 Prozent), treten wieder an. Sie hoffen nun auf Grünen-Wähler und Wähler des nicht mehr kandidierenden SPD-Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat Stuttgarts, Martin Körner (9,8 Prozent). 

Größter aufgeholter Rückstand betrug 20,5 Prozent

Eine Wahlempfehlung für Nopper hat der unabhängige Kandidat Sebastian Reutter ausgesprochen, der ebenfalls ausscheidet und am Sonntag 4,4 Prozent erhielt. Auch die FDP in Stuttgart sprach sich für den Oberbürgermeister von Backnang (Rems-Murr-Kreis) aus.

Der Blick in die Statistik von Bürgermeisterwahlen zeigt, dass ein im ersten Wahlgang unterlegener Kandidat das Rennen durchaus drehen kann – auch wenn das selten der Fall ist. Bei den insgesamt 1645 Wahlen zwischen 2008 und 2019 gelang dies 36 Mal. Zu diesem Ergebnis kommen Studierende der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg im Rahmen eines Fachprojekts (siehe Grafik).

Der größte aufgeholte Rückstand betrug 20,5 Prozent. Dies gelang dem Bürgermeister von Riedlingen (Kreis Biberach). 39 Prozent der erfolgreichen Bewerber konnten einen Rückstand von mehr als zehn Prozent noch wettmachen.

In 58 Prozent der Fällen lag die Wahlbeteiligung bei der Neuwahl niedriger als im ersten Wahlgang. Grund dafür könnte sein, dass sich in drei Viertel der Fälle das Kandidatenfeld verkleinert hat, schreiben die Studierenden. 

Gelungene Aufholjagden gab es in den vergangenen Wochen gleich bei zwei Wahlen in größeren Städten: In Konstanz machte Amtsinhaber Uli Burchardt (CDU) den Rückstand von 2,5 Prozent zu seinem Herausforderer Luigi Pantisano (parteilos) wieder wett und gewann die Neuwahlen mit 4,4 Prozent Vorsprung. Auch in Konstanz hatte sich das Kandidatenfeld verkleinert: Der SPD-Kandidat Andreas Hennemann trat nicht mehr zur zweiten Runde an; er hatte zuvor 14,6 Prozent geholt.

Offenbar gelang es, viele Wähler für die Neuwahlen zu mobilisieren. Die Wahlbeteiligung in Konstanz stieg von 55,7 Prozent im ersten auf 61,4 Prozent im zweiten Wahlgang. Auch in Stuttgart war die Beteiligung am Sonntag mit 49 Prozent hoch – wie seit 24 Jahren nicht. 

Fritz Kuhn konnte sich bei beiden Wahlgängen durchsetzen

Jüngstes Beispiel ist die Oberbürgermeisterwahl in Göppingen am Sonntag. Dort hat sich der Landtagsabgeordnete Alexander Maier (Grüne) hauchdünn vor dem Amtsinhaber Guido Till (CDU) durchgesetzt. Till hatte vor rund drei Wochen mit 36,3 Prozent das Kandidatenfeld angeführt. Maier landete damals auf dem zweiten Platz mit 30,3 Prozent. In Göppingen waren zwei Kandidaten der ursprünglich fünf nicht mehr angetreten.

In der Landeshauptstadt konnten sich seit 1948 alle Sieger der ersten Runde auch bei den fünf nötig gewordenen Neuwahlen durchsetzen. Zuletzt war Noch-Amtsinhaber Fritz Kuhn (Grüne) in zwei Runden erfolgreich. Er lag 2012 nach dem ersten Wahlgang mit 36,5 Prozent knapp vor dem CDU-Bewerber Sebastian Turner mit 34,5.

Die SPD-Bewerberin Bettina Wilhelm kam auf 15,1 Prozent, Hannes Rockenbauch auf 10,4 Prozent. Kuhn profitierte vom Rückzug der beiden, wie eine Analyse der Wählerwanderungen zeigte. 

− Anzeige −

Kontakt

Ihre Ansprechpartnerin in der Redaktion

Redaktionsassistentin Staatsanzeiger
Doris Kugel
Telefon: 07 11.6 66 01-290
E-Mail senden

Unser Team

Ihr Kontakt zu unseren Redakteurinnen und Redakteuren

Zum Team

Umfrage

Soll es eine Impfpflicht für Pflegekräfte geben?

Umfrage ist nicht repräsentativ.

Jetzt kostenfrei herunterladen!

Titel Praxis+Vergabe 02/2020

In Praxis+Vergabe lesen Sie alles Wichtige, was Sie als Praktiker wissen müssen. Jetzt die neue Ausgabe kostenfrei herunterladen und alles über die 11 Schritte zur erfolgreichen Auftragsvergabe erfahren! 

Zum Download

Praktikums-Tagebuch

Studierende der Hochschulen für öffentliche Verwaltung Kehl und Ludwigsburg berichten über ihr Praktikum im Rahmen des Praxisjahrs im Vertiefungsschwerpunkt Kommunalpolitik/ Führung im öffentlichen Sektor beim Staatsanzeiger. 

Zum aktuellen Tagebuch

Der Kommunal-Newsletter

Wissenswertes zu kommunalpolitischen Themen für Sie als Gemeinderat/Gemeinderätin mit einem wöchentlichen Newsletter direkt in Ihr E-Mail-Postfach. Abonnieren Sie jetzt den 
Kommunal-Newsletter.

Newsletter abonnieren

− Anzeige −