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Ohne Meisterpflicht steigt Zahl der Betriebe - Zahl der Lehrlinge sinkt

04.03.2019 
Von: Felix Liegat
 
Redaktion
 
Foto: dpa Themendienst

Stuttgart. Die Zahl der zulassungsfreien Wirtschaftsbetriebe hat sich seit Abschaffung der Meisterpflicht für ausgewählte Gewerke um 250 Prozent erhöht. Dies gab das Wirtschaftsministerium  auf Anfrage des FDP-Abgeordneten Erik Schweickert bekannt.

Im Jahr 2004 waren 53 von zuvor 94 Gewerken von der Zulassungspflicht befreit worden. Die Handwerksverbände kritisieren, dass die Abschaffung nicht die gewünschten Effekte mit sich brachte. Statt mehr und qualifiziertere Fachkräfte heranzubilden, sei die Qualität in einzelnen Branchen erheblich gesunken. Daraus resultierte bei den Branchenverbänden der betroffenen Handwerksberufe der Wunsch, die Wiedereinführung der Meisterpflicht in ausgewählten Berufen zu prüfen.

Zahl der Betriebe hat sich mehr als verdoppelt

Mit der Neuregelung war eine steigende Beschäftigung und Intensivierung des Wettbewerbs angestrebt worden. Die Zahl der Betriebe in den seit 2004 zulassungsfreien Handwerken hat sich nach Angabe des Ministeriums im Zeitraum von 2002 bis 2017 von 11.616 auf 28.938 erhöht. Demgegenüber ist die Zahl der Ausbildungsverträge von 1.144 auf 927 gesunken.

Die wachsende Menge an Betrieben betreffe jedoch nur einige wenige Berufe, in denen schnell und ohne Kapitalaufwand gegründet werden kann. Die Zahl der Beschäftigten sei insbesondere bei den Gebäudereinigern und den Fliesen- und Plattenlegern gestiegen. Die Zahl der Meisterprüfungen sei seit der Änderung 2004 hingegen rückläufig. Sie sank von 329 auf 256 im Jahr 2017.

Sachverständige äußern sich kritisch

Insbesondere Vertreter des Fliesen- und Plattenlegerhandwerks hatten über einen Qualitätsverfall in den eigenen Reihen geklagt. Dieser wurde durch eine vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene und vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes durchgeführte Befragung bestätigt. Demnach schätzten 77 Prozent der Befragten Sachverständigen die Zahl der Schadensfälle bei Fliesen- und Plattenlegern ohne ausgewiesene Qualifikation als hoch ein.

Aus der Stellungnahme geht auch hervor, dass sich aus den vielen Neugründungen nicht direkt ein Anstieg der Beschäftigungszahlen ableiten lässt: Laut einer Studie der Universität Göttingen wurde im Jahr 2015 mehr als 63 Prozent der zulassungsfreien Handwerksbetriebe von Soloselbständigen („Ich-AGs“) betrieben. Diese bestehen in der Regel aus Einzelpersonen und bilden keine neuen Fachkräfte aus.

Seit Oktober 2018 besteht im Deutschen Bundestag eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern beider Regierungsfraktionen, die sich mit einer Wiedereinführung der Meisterpflicht in einigen Handwerkszweigen beschäftigt.

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