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Probleme von Mitarbeitern frühzeitig angehen

09.12.2020 
Redaktion
 
Ein Mann und eine Frau sitzen an einem Computer in einem Beratungsgespräch.

Foto: dpa Themendienst/Christin Klose

STUTTGART. Stress, Konflikte, starke Belastung bei der Arbeit oder zuhause: All das wirkt sich negativ auf das Wohlbefinden und die Gesundheit von Arbeitnehmern aus. Um diese in solchen Situationen zu unterstützen, setzen immer mehr Unternehmen, aber auch zunehmend Behörden, auf externe Mitarbeiterberatung (englisch auch Employee Assistance Program).

Das Prinzip: Der Arbeitgeber engagiert ein externes Unternehmen für eine Sozialberatung. Beschäftigte können sich dann bei Bedarf mit ihren Problemen direkt an die externen Berater wenden. Dabei kann es zum Beispiel um die Work-Life-Balance gehen, um Konflikte mit Kollegen, um die Belastung mit Kindern oder zu pflegenden Angehörigen, um Sucht oder um Schulden. Die Beratung wird dann über den Arbeitgeber abgerechnet ­­– der Ratsuchende bleibt dabei anonym.

Im Gegensatz zu innerbetrieblichen Ansprechpartnern wie Abteilungsleitern, Betriebsräten und Gleichstellungsbeauftragten ist die Beratung nicht auf spezielle Bereiche begrenzt. Auch private Probleme können Teil der Beratung sein.

„Externe haben einen Vertrauensvorschuss“, erklärt Frank Koller, Bereichsleiter für Behörden bei der Ge.on Betriebliches Gesundheitsmanagement, einem Unternehmen der  IAS-Gruppe, das betriebliche Sozialberatung anbietet. Zum einen bestünde bei Beratern von außerhalb keine Angst, dass Probleme über den Flurfunk verbreitet würden. Auch Rollenkonflikte von Kollegen, die als Ansprechpartner fungieren, könnten ausgeschlossen werden. Zum anderen seien die externen Berater entsprechend fachlich ausgebildet, beispielsweise als Sozialpädagoge oder Psychologe. Sie unterliegen damit auch der gesetzlichen Schweigepflicht.

Staatsanwaltschaft Freiburg lässt Mitarbeiter seit 2018 beraten

Die Staatsanwaltschaft Freiburg lässt ihre Mitarbeiter seit 2018 extern beraten. Die Initiative dafür kam laut Michael Mächtel, Sprecher der Staatsanwaltschaft, von der Behördenleitung. „Hintergrund waren auch – aber nicht nur – Verfahren schwerster Kriminalität, die von Staatsanwältinnen und Staatsanwälten, aber auch Servicekräften zu bearbeiten und persönlich zu verarbeiten waren“, so Mächtel. Dazu zählten demnach Tötungsdelikte und Verfahren sexualisierter Gewalt.

Für die Staatsanwaltschaft ist ein wichtiger Vorteil von externer Beratung, dass sie anonym ist. Interne Konflikte könnten so unbeeinflusst von den Interessen der Vorgesetzten thematisiert werden. Außerdem hofft sie, dass die Hemmschwelle bei externen Angeboten niedriger liegt, sodass die Arbeitnehmer diese frühzeitig in Anspruch nehmen. „Ideal wäre: Die Mitarbeiter kommen bevor das Kind in den Brunnen fällt“, so der Beratungsexperte Koller. Deshalb sei es auch wichtig, für den externen Berater in der Behörde zu werben und das Angebot bekannt zu machen.

Entscheidet sich ein Mitarbeiter für eine Beratung wird zunächst der Termin abgestimmt. Die Sozialberatung kann persönlich, über das Telefon oder über einen Chat erfolgen. Viele Beratungsanbieter sind an sechs bis sieben Tagen in der Woche ganztägig zu erreichen.

Im Gespräch klären die Berater laut Koller zunächst, bei was die Ratsuchenden Hilfe brauchen. Darauf folgt konkrete Unterstützung: Was könnte helfen? Was ist bisher gut gelaufen? Was wurde noch nicht probiert? Häufig folgten auf eine Beratung ein bis zwei Folgetermine.

Umsetzen verschiedener Präventionsstufen

Die Sozialberatung unterstützt auch dann, wenn bereits Krankheiten oder festgefahrene Probleme bestehen. Zum Beispiel vermittelt sie weitere Anlaufstellen, Therapie- und Reha-Plätze. Das Umweltministerium Baden-Württemberg, das seit 2014 externe Beratung anbietet, schätzt an dem Verfahren, dass sowohl primäre, sekundäre als auch tertiäre Prävention umgesetzt werden könne (siehe Kasten). Daher gehören auch Nachsorge und betriebliches Eingliederungsmanagement zu den Aufgaben der externen Berater.

Über Gespräche zur Wiedereingliederung von Mitarbeitern kam auch die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) dazu, externe Sozialberatung zu etablieren. Jährlich wird das Angebot laut LUBW von etwa ein bis zwei Prozent der Mitarbeiter in Anspruch genommen. Welche Auswirkungen das Corona-Jahr 2020 hatte, könne die LUBW jedoch noch nicht abschätzen.

Die Pandemie macht sich laut Koller in den Beratungen bereits bemerkbar. So suchten mehr Führungskräfte und Gremienvertreter Rat für den Umgang mit ihren Mitarbeitern. Sind diese im Homeoffice, bekommen die Personalverantwortlichen kaum etwas von ihnen mit. Für die Ratsuchenden geht es also darum, wie sie auf Distanz führen und ihrer Fürsorgepflicht nachkommen können.

Pandemie wirkt sich auf Beratungsthemen aus

Auch Gewalt sei ein Thema, meist in Zusammenhang mit Überforderung. „Primärprävention ist da natürlich Gold wert“, betont Koller. Denn glücklicherweise könne die Beratung oft helfen, bevor etwas passiert. Zudem nähmen Zukunftsangst und depressive Verstimmungen während der Pandemie zu. In Behörden könnten auch angeordnete Versetzungen im Zusammenhang mit der Pandemie-Bekämpfung für Verunsicherung sorgen.

Dienststellen, die eine externe Mitarbeiterberatung anbieten wollen, empfiehlt die LUBW frühzeitig die Interessenvertretungen zu beteiligen und für die Ausschreibung die zu erfüllenden Leistungen zu definieren. Beispielsweise Kontaktzeiten und -möglichkeiten sowie Beratungsthemen und -kompetenzen der Berater. Die LUBW hat außerdem darauf geachtet, dass das Beratungsunternehmen für alle Standorte der Anstalt persönliche Gespräche in externen Räumlichkeiten anbieten kann.

Die Anstalt erhält auch einen anonymisierten Report über die Beratung, um Handlungsfelder abzuleiten und rechtzeitig Maßnahmen und Angebote, zum Beispiel zur Gesundheitsförderung, zu entwickeln. Besonders wichtig sei, gegenüber den Mitarbeitern transparent zu kommunizieren, dass das Angebot anonym ist.

Drei Präventionsphasen
Die externe Mitarbeiterberatung begleitet in allen drei Präventionsphasen: primär, sekundär und tertiär. Primäre Prävention zielt darauf ab die Entstehung von Krankheiten und Problemen zu verhindern. Früherkennung von Krankheiten und Problemen wird als sekundäre Prävention bezeichnet. Die tertiäre Prävention hat das Ziel, Folgen von Krankheiten und Problemen zu mildern und einen Rückfall zu vermeiden.

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