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Stuttgart wird Vorreiter bei Seilbahnen im Öffentlichen Nahverkehr

13.01.2021 
Redaktion
 
Foto: Leitner Ropeways

Foto: Leitner Ropeways

STUTTGART. Die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart schickt sich an,  in den kommenden Jahren zum Vorreiter beim Einsatz von Seilbahnen im öffentlichen Nahverkehr zu werden. Noch in diesem Monat will der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik des Gemeinderates die nächste Planungsphase für eine Seilbahnverbindung auf den Weg bringen.

Die Pilot-Linie soll im Südwesten Stuttgarts vom sogenannten Eiermann-Campus, der ehemaligen Deutschland-Zentrale des Computerkonzerns IBM am Autobahnkreuz Stuttgart, zum S-Bahnhof Vaihingen und weiter den Synergie-Park Vaihingen/Möhringen führen, dem größten Gewerbegebiet der Stadt. Ein Teil der Strecke könnte schon 2027 zur Internationalen Bauaustellung (IBA)  in Betrieb gehen, für die der Eiermann-Campus nach Umbau und Erweiterung als VAI Campus zu einem neuen Stadtviertel mit mehr als 3000 Einwohnern werden soll.

Stuttgarter Planer entwickeln Leitfaden für Bundesverkehrsministerium

Nahezu gleichzeitig mit den Weichenstellungen in der Landeshauptstadt  haben das Stuttgarter Planungs-und Beratungsunternehmen Drees & Sommer und das Verkehrswissenschaftliche Institut Stuttgart (VWI) jetzt gemeinsam vom Bundesverkehrsministerium den Auftrag bekommen, eine Studie zur "stadt- und verkehrsplanerischen Integration urbaner Seilbahnprojekte" zu erarbeiten. Ergebnis des auf zwei Jahre angelegten Projektes soll ein Leitfaden sein, der Kommunen und öffentlichen Verkehrsunternehmen, die Möglichkeiten aber auch Hürden von Seilbahnprojekten im ÖPNV erklärt. "Mit dieser Studie und dem Leitfaden wollen wir Anreize setzen, eine nachhaltige Mobilität im urbanen Raum zu fördern und das öffentliche Verkehrssystem sinnvoll zu ergänzen", erklärt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und Ludwigsburger Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger (CDU).

 

Stefan Tritschler, Geschäftsführer des VWI und stellvertretender Projektleiter der Studie bezeichnet Seilbahnen als technisch ausgereift und vor Ort weitgehend emissionsfrei. "Vor allem aber sind sie leise, sicher, leistungsfähig und vergleichsweise kurzfristig realisierbar," betont der Verkehrsplaner.

SEILBAHN-STRECKEN SIND BILLIGER ALS STRASSENBAHN- UND U-BAHNLINIE

Und sie sind deutlich billiger zu bauen als andere, gängige Verkehrsmittel. Unter Berufung auf eine Studie der TU Berlin spricht das Fachmaganzin SI-Urban von 3,5 bis zu 19 Millionen Euro pro Kilometer bei Seilbahnen, während  Straßenbahnen elf bis 22 Millionen Euro und U-Bahnen rund 45 bis 133 Millionen Euro Investitionskosten pro Kilometer verursachen.

Auch im Betrieb gelten die Seilbahnen, die der Durchschnittsbürger vor allem vom Skifahren kennt, als preiswerte und umweltfreundliche Transportmittel. Der Trierer Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim hatte Luftseilbahnen schon vor zehn Jahren als energieeffizientestes motorisiertes Verkehrsmittel bezeichnet. Neben den Energiekosten für den Strom schlagen vor allem die Personalkosten im Betrieb zu Buche. Doch diese fielen wegen des hohen Automatisierungsgrades deutlich niedriger aus als etwa bei Bussen oder Bahnen, in denen bislang immer ein Fahrer an Bord sein muss, sagen Experten.

STUTTGARTER PILOTSTRECKE FÜHRT AUSSCHLIESSLICH ÜBER ÖFFENTLICHE FLÄCHE

Die Studie von Drees & Sommer und dem VWI soll auch mögliche Widerstände gegen solche Projekte analysieren, etwa aus der Bevölkerung. Dass Seilbahnen auch über Wohnhäuser hinwegschweben, stoße vielfach auf Widerstand der Anwohner, meint Tritschler. "Wenn die Seilbahn auch in Deutschland Teil des Nahverkehrs werden soll, ist es zwingend notwendig, die Bevölkerung von Anfang an mitzunehmen" betont Sebastian Beck, Projektleiter der Studie und Infrastruktur-Experte bei Drees & Sommer.

 

In Stuttgart ist die Seilbahntrasse im Süden der Stadt nicht zuletzt wegen dieses Problems von den Planern in einer Machbarkeitsstudie gegenüber drei anderen möglichen Routen favorisiert worden. Denn Sie führt fast ausschließlich über öffentliche Flächen. Private Grundstücke werden nicht überquert.

PARKHAUS MIT SEILBAHNANSCHLUSS SOLL PENDLER ZUM UMSTEIGEN BEWEGEN

Während weltweit Luftseilbahnen in Großstädten weltweit als öffentliche Verkehrsmittel schon seit längerer Zeit im Einsatz sind, gibt es in Deutschland bislang nur drei urbane Anlagen in Köln, Berlin und Koblenz. Die entstanden jeweils im Zusammenhang mit Gartenschauen und haben überwiegend  touristische Bedeutung.

Künftig sollen Seilbahnen aber auch zur Entlastung der Straßen dienen, ein Ziel, dass auch die baden-württembergische Landeshauptstadt mit ihrer rund 3,5 Kilometer langen Pilotstrecke verfolgt. Denn der Synergiepark, in dem in wenigen Jahren rund 40000 Menschen arbeiten,  ist heute schon mit Autos zu den Stoßzeiten überlastet. Mit einem Parkhaus direkt an der A 8, dass an die Seilbahn angebunden werden soll, will die Stadt Pendler zum Umsteigen für die letzten Kilometer zur Arbeit bewegen.

Mehr zum Stuttgarter Pilotprojekt finden Sie unter  https://www.stuttgart.de/leben/mobilitaet/oepnv/seilbahn.php

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