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"Umgangsformen sind Werkzeuge der sozialen Kompetenz"

09.04.2019 
Von: Redaktion Staatsanzeiger
 
Redaktion
 

Foto: dpa/PantherMedia

Wer sich korrekt verhält und richtig benimmt, kommt beruflich und privat weiter. Welche Regeln man hier beachten sollte, erklärt Agnes Anna Jarosch, die Vorsitzende des Deutschen Knigge Rats und Unternehmensberaterin aus Stuttgart, im Interview.

Frau Jarosch, wieso sind Benimmregeln im Beruf so wichtig?

Ich spreche lieber von Umgangsformen. Wie wir mit Menschen, beruflich und privat, umgehen, hat weitreichende Konsequenzen. Umgangsformen sind Werkzeuge der sozialen Kompetenz. Gute Kommunikation und gute Umgangsformen gehen miteinander einher. Wenn ich gute Umgangsformen pflege, dann kann ich meine Kollegen und auch meinen Chef überzeugen.

Welche Regeln gelten immer?

Das variiert. Heute haben wir viel mehr Möglichkeiten als noch vor einigen Jahren. Wenn man beispielsweise die Mitarbeiter in der Bank nimmt: wo früher die meisten Anzug und Krawatte trugen, ist der Dresscode heute um einiges gelockert. Dies sorgt für Verunsicherung, denn einige Mitarbeiter fragen sich, was noch zum Unternehmen und auch zu ihnen passt. Heute drückt man über die Kleidung auch seine Stimmung und seine Persönlichkeit aus, die Individualität steht mehr im Vordergrund. Das wird auch mit der Kleidung ausgedrückt. Gute Benimmregeln und guten Stil sollte man parallel entwickeln.

Lässt sich so etwas denn lernen? Wie kann ich das meinen Mitarbeitern beibringen?

In dem man eine gute Kultur etabliert und Vorbild ist für die Mitarbeiter. Nach dem neudeutschen Bottom-up-Prinzip sollten solche Regeln und Umgangsformen von oben nach unten transportiert werden. Außerdem empfehle ich, mit den Angestellten über Werte und die Unternehmenskultur zu sprechen. „Wie wollen wir uns nach außen präsentieren?“, sollte eine der Fragen sein, über die man gemeinsam diskutiert. Die Mitarbeiter sollen verstehen, wieso die Führungsebene bestimmte Dinge, wie etwa lange Hosen, vorschreibt. Das Verständnis darfür führt zu Akzeptanz.

Was sind die wichtigsten Regeln, an die ich mich halten sollte?

Die oberste Regel ist, dass gute Kommunikation nur dort entstehen kann, wo alle Gesprächspartner ihr Gesicht wahren können. Der Mensch steht immer über der Regel! Wenn ich etwa jemanden öffentlich tadle, weil er zuerst dem Herrn die Hand gegeben hat und nicht der Dame, dann ist das für meinen Gegenüber peinlich und es entsteht ein Ungleichgewicht. Ein anderes Beispiel ist die Reaktion auf ein Niesen. Heute sagt man nicht mehr „Gesundheit“, sondern derjenige der niest, entschuldigt sich hinterher. Aber nicht jeder ist mit dieser neuen Regelung vertraut. Wenn ich das Niesen nun kommentarlos quittiere, mag sich mein Gegenüber ignoriert fühlen - und das ist für die Kommunikation ebenfalls nicht hilfreich. In dieser Situation warte ich übrigens immer ab, ob sich der andere entschuldigt – wenn nicht, dann wünsche ich ihm Gesundheit.

Das klingt, als sollte man sich ständig auf dem Laufenden halten, was gerade erlaubt ist und was nicht.

Wir haben vor über zehn Jahren den Knigge-Rat gegründet, weil wir festgestellt haben, dass es Beratungsbedarf bei der Weiterentwicklung von Umgangsformen gibt. Fragen rund um das Smartphone oder ob eine Mutter im Restaurant stillen darf, gab es vor einigen Jahren noch nicht.

Welche Regeln gelten immer?

Man sollte sich bewusst sein, dass der Spruch „wie man in den Wald ruft so schallt es hinaus“ auch im beruflichen gilt. Aufmerksam sein, Danke sagen, dem anderen die Tür aufhalten: das sind kleine Gesten, die privat und beruflich zum Ziel führen.

Welche Regeln gelten in Ausnahmesituationen wie etwa auf einer Betriebsfeier oder an Karneval?

Alles was beim Sommerfest, im Karneval oder auf der Weihnachtsfeier unter Alkoholeinfluss gesagt wurde, muss nicht am nächsten Tag gelten, etwa das vom Vorgesetzten angebotene Du. Da empfehle ich, sich am folgenden Arbeitstag zurückhaltend zu verhalten und abzuwarten, wie der Chef reagiert.

Welche besonderen Regeln sollte man in Behörden beachten?

Hier kann ich nur meinen persönlichen Eindruck weitergeben: ich habe das Gefühl, dass in Behörden das Persönliche zu kurz kommt. Es wird auf der Sachebene vorschriftsmäßig, korrekt und professionell abgearbeitet, die menschlichen Bedürfnisse in der Kommunikation werden dabei jedoch vernachlässigt. Das soll kein Vorwurf an einzelne Mitarbeitende sein, den in vielen vorgegebenen Prozessen fehlt der Fokus auf die Menschlichkeit. Ich würde mir wünschen, dass ich als Bürgerin nicht nur zu einer Warte- und Bearbeitungsnummer verkomme. Was mir auffällt: oft werden die Bürger weder angeschaut, noch mit Namen angesprochen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass auf beiden Seiten Menschen sind, die sich über eine persönliche Ansprache, ein Lächeln und Blickkontakt freuen.

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