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Wie Feuerwehren Brände trotz Stromausfall löschen

07.02.2020 
Redaktion
 
Bei langen Stromausfällen funktionieren bewährte Abläufe der Feuerwehren oft nicht mehr. Experten raten deshalb zu Notfallkonzepten. Foto: Haussmann

Foto: Haussmann

STUTTGART. Bei einen Blackout kann die Wasserversorgung über das Leitungsnetz zusammenbrechen oder beeinträchtigt sein. Gleichzeitig steigt bei einem längeren, großflächigen Stromausfall die Brandgefahr in Privathaushalten. Experten raten Kommunen daher, vom Rohrnetz unabhängige Möglichkeiten der Löschwasserentnahme zu prüfen.

Die Feuerwehr nutzt in aller Regel das Rohrnetz der Trinkwasserversorgung zum Löschen von Bränden. Doch lange Trockenheit und geringe Grundwasserneubildungsraten können zu einer Verringerung der nutzbaren Wasserressourcen führen. Und auch die Gefahren, die ein stabiles Stromnetz gefährden, sind mit Energiewende, Cyberangriffen und Klimawandel gewachsen. Auch das ist für die Löschwasserversorgung entscheidend, denn ohne Elektrizität fließt kein Wasser.

Wasserversorger haben zwar ein Notfallkonzept, aber auch das stößt irgendwann an seine Grenzen. Im Blackout-Fall kann der Zweckverband Landeswasserversorgung über ein Laufwasserkraftwerk an der Donau, abhängig vom Flusspegel, 20 bis 80 Prozent des durchschnittlichen Trinkwasserbedarfs bereitstellen. Es gibt Notstromgeneratoren, um Pumpwerke zu betreiben, aber der Kraftstoffvorrat für die Geräte ist begrenzt, wie Verbandssprecher Bernhard Röhrle erklärt. Ein Stromausfall, der länger als 48 Stunden dauere, sei tendenziell eher unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen.

Vorsorge erstreckt sich meist auf drei bis vier Tage

Trotzdem endet laut Röhrle die Blackout-Prävention eines Wasserversorgers an einem bestimmten Punkt, weil alles, was darüber hinaus geht, mit enormem Aufwand verbunden ist. Die Vorsorge der meisten Versorger erstrecke sich daher auf drei bis vier Tage. Davon abgesehen kann ein Blackout, so Röhrle, zu Folgeschäden führen, die den Betrieb im Störfall zusätzlich beeinträchtigen.

Es ergibt also Sinn, die Löschwasserversorgung einmal aus diesem Blickwinkel zu betrachten. Das gilt für Bernhard Dittrich, Kreisbrandmeister beim Landratsamt Esslingen, gerade in Kommunen, wo keine vom Leitungsnetz unabhängige Löschwasserentnahmestellen existieren. Zwar sinkt ihm zufolge bei Stromausfall das Brandrisiko in der Industrie, weil ohne Elektrizität Fertigung und Produktion stillstehen. Doch laut dem Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz steigt bei einem Blackout das Brandrisiko in Privathaushalten, weil beispielsweise Kerzen oder gasbetriebene Heiz- und Lichtquellen verwendet werden.

Andreas Rudlof, Leiter der Flughafenfeuerwehr Stuttgart, gibt zu bedenken, dass die Freiwilligen Feuerwehren „bei einem Blackout an ihre Ortschaften gebunden sind, wo sie das örtliche Gefahrenabwehrmanagement abwickeln“. Wegen toter Telefone leiten die Floriansjünger zum Beispiel über Funk Notrufe weiter, unterstützen den Rettungsdienst oder die Versorgung der Bevölkerung, weil die wenigsten Haushalte noch ausreichend Vorräte haben, erklärt Rudlof. „Da die Überlandhilfekapazitäten bei einem längeren, großflächigen Blackout eingeschränkt sind, ist es sinnig, die Brandbekämpfung in den Notfallplan einzubeziehen.“

Landwirte halten gereinigte und befüllte Güllefässer bereit

Kleinere Brände lassen sich laut Michael Reick, Kreisbrandmeister des Landkreises Göppingen, mit dem lokal vorhandenen Tanklöschfahrzeug bewältigen, bei größeren Einsätzen lassen sich weitere solcher Fahrzeuge anfordern. Dort, wo es keine offenen Gewässer oder Hülen gibt, können ihm zufolge Zisternen, Tanks, Löschwasserbrunnen oder -teiche gebaut werden.

Im Zuge des Klimawandels halten in manchen Kommunen Landwirte bei längerer Trockenheit gereinigte und befüllte Güllefässer für Waldbrände und andere Einsätze im Außenbereich bereit, so Reick. Dass solche Absprachen flächendeckend existieren, bezweifelt er.

Auch Dittrich erklärt, dass es Kommunen gibt, in denen Landwirte mit dem Güllefass die Feuerwehr unterstützen. Gebe es vor Ort keine autarken Löschwasserentnahmestellen, müssten im Notfall aufwendig Schlauchleitungen mit Zwischenpumpen zum nächsten Gewässer verlegt werden. In dieser Zeit pendeln Landwirte zwischen Gewässer und Brandherd.

Rudlof hat in den 1970er- und 80er-Jahren erlebt, dass sich Bäche zur Wasserentnahme nicht mehr stauen ließen, weil die Sommer so trocken waren. „Kommunen sollten also prüfen, wie sich längere Trockenphasen auf den Wasserhaushalt von Gewässern auswirken, die als Entnahmestellen vorgesehen sind“. Ansonsten sei es nicht nur im betrieblichen Bereich sinnvoll, über Zisternensysteme nachzudenken. Sie könnten einen Beitrag zur Löschwasserversorgung leisten.

Kommunen sind laut Innenministerium gut aufgestellt
Das Innenministerium weist darauf hin, dass Kommunen verpflichtet sind, eine leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen, auszurüsten und zu unterhalten. Es geht daher davon aus, dass die Kommunen, auch mit Blick auf Klimawandel und Blackout-Gefahr, in puncto Löschwasserversorgung gut aufgestellt sind. Zudem gelten laut Innenministerium Löschwasserförderstrecken mit Schläuchen als probates Mittel bei der Brandbekämpfung in Großschadensfällen. Gleiches gelte für den Löschwassertransport mit mobilen Tanksystemen.
Für „kritische“ Objekte seien stationäre Vorhaltungen in Speichersystemen, Brunnen oder an Fließgewässern zu empfehlen.

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