Bauen im Land

Energetische Sanierung: Klimaschutzziele fordern Hausbesitzer

Energetische Sanierungsmaßnahmen können den CO2-Ausstoß stark verringern. Um die von der grün-schwarzen Landesregierung angepeilte Klimaneutralität im Land zu erreichen, sind deshalb die Eigentümer von Bestandsgebäuden gefordert, betont das Informationsprogramm Zukunft Altbau.

Bevor moderne klimafreundliche Heizungstechnik in Altbauten eingesetzt werden kann, müssen diese energetisch saniert werden. Schmidt)

STUTTGART. Die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor lagen 1990 in Deutschland bei noch 210 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Durch energieeffiziente Neubauten und Sanierungen von Altbauten sanken die Emissionen bis 2014 auf rund 120 Millionen Tonnen. Nach Angaben des vom baden-württembergischen Umweltministerium geförderten Informationsprogramms Zukunft Altbau stagniert der Wert seither. 2030 sollen die CO2-Emissionen nach den Vorgaben des aktuellen Klimaschutzgesetzes nur noch bei 67 Millionen Tonnen und bis 2040 in Baden-Württemberg bei Null liegen.

Sanierung als Voraussetzung für Wärmepumpen-Einsatz

Der Gebäudebestand ist deshalb eine der wichtigsten Stellschrauben, um den Klimaschutz voranzubringen. Eigentümer sollten „daher bei der Strom- und Wärmeversorgung auf zukunftsfähige Technologien setzen“, betont Frank Hettler von Zukunft Altbau. Er verweist auf Energieberater, die wertvolle Entscheidungshilfen bei Sanierungen leisten könnten.

Bei Zukunft Altbau rät man zu einer Doppelstrategie aus energetischer Sanierung und dem Einsatz erneuerbarer Energiequellen für Heizung und Strom.

Zunächst sei es notwendig, den Energiebedarf eines Gebäudes durch Dämmung und den Austausch der Fenster so weit zu senken, dass ein Einsatz von erneuerbaren Energien überhaupt möglich ist. Denn erneuerbare Wärmenetze oder Wärmepumpen haben eine niedrigere Vorlauftemperatur als konventionelle Heizungen, können also nur eingesetzt werden, wenn der Energiebedarf des Gebäudes unter einem bestimmten Wert liegt.

Bei Zukunft Altbau, das von der Klimaschutz- und Energieagentur (KEA) Baden-Württemberg getragen wird, misst man diesen beiden Wärmequellen ab dem nächsten Jahrzehnt die größte Bedeutung zu. Denn diese sind zum einen sehr viel effizienter als Öl- oder Gasheizungen und können zum anderen mit Ökostrom betrieben werden.

Dies könne Wärmenetze oder Wärmepumpen schon heute klimaneutral machen, heißt es bei Zukunft Altbau. Mit einer Photovoltaikanlage lässt sich ein Teil des Bedarfs an umweltfreundlichem Strom für den Betrieb der Wärmepumpe sogar selbst erzeugen. Zudem wird der Anteil von regenerativ erzeugtem Strom in den nächsten Jahren weiter steigen und damit den Einsatz von Wärmepumpen klimafreundlicher machen, sind die Experten überzeugt.

Noch 70 Prozent aller Wohngebäude nicht saniert

Eine energetische Sanierung, die den Einsatz solcher Heizungstechnologien ermöglicht, ist allerdings nicht bei allen Altbauten machbar. Das gilt etwa für denkmalgeschützte Gebäude, bei denen eine Dämmung der Fassade nicht möglich ist. In solchen Fällen eröffne der Einsatz von Holz- oder Holzpellets-Heizungen den Weg zur Klimaneutralität, heißt es bei Zukunft Altbau.

Von Klimaneutralität ist der Gebäudebestand in Baden-Württemberg allerdings noch weit entfernt. Nur acht Prozent aller Wohngebäude im Südwesten sind in den letzten 20 Jahren gebaut worden und erfüllen in der Regel dem Niveau, das das heute geltende Gebäudeenergiegesetz vorgibt. Von den Altbauten sind nach Angaben von Zukunft Altbau nur rund 20 Prozent saniert. Zusammengenommen bedeutet dies, dass noch 70 Prozent aller Wohngebäude nicht den heutigen Standards entsprechen.

Um die Klimaneutralität des Wohngebäudebestandes zu erreichen, müssten in diesem Jahrzehnt drei Mal so viele Gebäude saniert werden wie bisher und in den 2030er-Jahren noch einmal deutlich mehr.

Jürgen Schmidt

Redakteur Bauen im Land und Newsletter

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