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Ein neues 2016?

Kolumnistin Jule Rona Eccard beschäftigt sich mit der Frage, ob früher (um genau zu sein 2016) wirklich alles besser war.
Pashalgnatov via Canva.com, Porträt: Privat)Das Internet hat ein neues Lieblingshobby: „2026 ist das neue 2016!“ Privatpersonen, Celebritys und alle dazwischen teilten im Januar zehn Jahre alte Bilder mit einer irgendwie kurios positiven Nostalgie. Wer wie ich in den Neunzigern geboren wurde, ist verwirrt – waren damals nicht Mode und Popkultur ultra-cringe? In manchen Aluhut-Ecken markiert 2016 eine radikale Wendung: Als der Gorilla Harambe Ende Mai im U.S.-Bundesstaat Ohio erschossen wurde, sei die Welt in eine parallele Timeline abgerutscht. Kurzfassung: Seither gehe es den Bach runter.
Aber war vor zehn Jahren wirklich alles besser? 2016 war definitiv ein super Jahr, um eine alternativ angehauchte Stuttgarter Irgendwas-mit-Medien-Studentin zu sein – die Grünen haben bei der Landtagswahl abgeräumt und nach der Vorlesung hat man seinem Prof Pokémon Go erklärt – aber es gab natürlich Schattenseiten: Man hat entsetzt beobachtet, wie die AfD mit zweistelligem Ergebnis in den Landtag eingezogen ist, Brexit war auf einmal kein abstraktes Diskussionsthema im Englischunterricht mehr und Instagram hat mit dem Wechsel vom chronologischen zum Algorithmus-Feed den Grundstein für unsere Scroll-Sucht zementiert.
2026 zeigt auf den ersten Blick viele Parallelen zu 2016, vor allem politisch – in den USA nochmal Trump, in Baden-Württemberg wieder Landtagswahl – aber auch popkulturell: Mit #SkinnyTok oder gefährlichen Challenges folgt TikTok den ungesunden Fußstapfen der 2010er von tumblr bis Tide Pods. Das zeigt, dass vor zehn Jahren nicht alles besser war und dass wir die träumerische Nostalgie besser auf nette Fotos beschränken.