Berufe im öffentlichen Dienst

Das macht ein Bauingenieur in der Denkmalpflege

Spannender als in der Denkmalpflege kann ein Arbeitsplatz kaum sein. Die Experten des Landesdenkmalamts schützen, pflegen, verwalten und erforschen Kulturgüter in Baden-Württemberg. Eine Aufgabe, der sich nicht nur Archäologen und Kunsthistoriker widmen, sondern auch Bauingenieure.

Neue und alte Baumaterialien interessieren die Bauingenieurin Sabine Kuban vom Landesamt für Denkmalpflege.

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STUTTGART. Denkmalpfleger sind Multitalente: Sie kennen sich mit Geschichte, Kunst und Kultur aus, bringen handwerkliches Verständnis mit, arbeiten wissenschaftlich und forschen. Wer sich für einen Job in der Denkmalpflege entscheidet, lernt nie aus. Jedes Projekt bietet neue Herausforderungen und wirft andere Fragen auf – ein Arbeitsplatz, der Abwechslung bietet. Das findet auch Sabine Kuban. Sie arbeitet beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, das beim Regierungspräsidium Stuttgart angesiedelt ist.

Kuban ist Bauingenieurin. Eine der wenigen in der Behörde. Die meisten ihrer Kollegen, die in der praktischen Bau- und Kunstdenkmalpflege beschäftigt sind, haben Architektur oder Kunstgeschichte studiert. Sie ist daher überzeugt, dass mit der Schaffung ihrer Stelle die historische Bautechnik in der Landesdenkmalpflege eine stärkere Rolle spielen wird.

Empfehlungen für das richtige Sanierungskonzept

Die Spezialistin für Tragwerkkonstruktionen, Statik und Baumaterialien versteht sich als Beraterin. Mit ihrem Fachwissen unterstützt sie nicht nur die Gebietsdenkmalpfleger, die das Landesdenkmalamt in den vier Regierungsbezirken beschäftigt. Auch Architekten und Eigentümer berät sie rund um bautechnische Aspekte, die etwa Gewölbe, Decken, Dachwerk, Balken oder Mauerwerk betreffen.

Sabine Kubans Empfehlungen können für die Entwicklung des richtigen Sanierungskonzepts entscheidend sein. Sie betont aber, dass sie keine Gutachten erstellt: „Das tun zum Beispiel freie Statiker oder Bauhistoriker. Ich gebe nur eine Stellungnahme ab.“ Im Fokus stehe dabei, dass Baumaßnahme und Nutzung denkmalverträglich seien. Im Rahmen von Beratungen und aktuellen Baumaßnahmen erfassen Landesdenkmalpfleger den Zustand eines Bauwerks direkt vor Ort. Auch wenn für Schlösser, Kirchen, Klöster, Rathäuser, Industrieanlagen – und mit etwas Glück – auch für Handwerks- und Wohnhäuser teils Bauakten in Archiven liegen, ist nicht gesagt, dass sie vollständig oder korrekt sind.

Wurde das Haus wie im Bauplan beschrieben gebaut? Gab es im Lauf der Jahrhunderte Umbauten, die nirgends verzeichnet sind? Sachverhalte, die sich nur vor Ort erfassen und dokumentieren lassen. „Auf Basis von Außenterminen lässt sich daher etwa auch klären, welche Voruntersuchungen sinnvoll oder welche Materialien tatsächlich verbaut worden sind“, erläutert die Denkmalpflegerin. „Denn jeder Baustoff weist material- und herstellungsbedingt andere Eigenschaften und damit Versagenserscheinungen auf, die bei der Instandhaltung, Reparatur und der Beurteilung des Denkmalwerts eine Rolle spielen.“

Die Denkmalpfleger beraten auch über Fördergelder. Außerdem engagieren sie sich in der Forschung. Interessant sind für Kuban hier vor allem moderne Baustoffe. Denn bereits heute würden Gebäude aus den Achtziger- und Neunzigerjahren unter Denkmalschutz gestellt. „Sie bestehen aus unterschiedlichsten Materialien, bei denen sich die Frage stellt, wie sie einzeln, aber auch miteinander kombiniert in der Baukonstruktion altern und was das für die Denkmalpflege bedeutet“, so die Spezialistin.

Viele Spezialisten arbeiten zusammen

Darüber hinaus vermitteln Denkmalpfleger in Fortbildungen, bei Tagungen, Führungen, Presseterminen und in Publikationen die Bedeutung von kulturellem Erbe und Erhaltungsmaßnahmen. Spannend findet Kuban, dass beim Erfassen und Beschreiben von Denkmälern Kultur- und Geschichtsforscher, Soziologen, Architekten, Physiker und andere Fachleute zusammenarbeiten. Dabei lerne sie neue Sichtweisen und Themenfelder kennen.

Wer in die Denkmalpflege will, kann ein Volontariat machen. Zum Ziel führen aber auch andere Wege. Kuban hat an ihr Bauingenieur-Studium das Ergänzungsstudium „Bauen im Bestand und Denkmalpflege“ angehängt. Dann hat sie praktische Erfahrungen in einem Ingenieurbüro gesammelt und sich sechs Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Bautechnikgeschichte und Tragwerkerhaltung der Technischen Uni Cottbus weiter spezialisiert. Bald hat Kuban ihre Promotion in der Tasche. Der Weg dahin war lang. Aber er hat sich gelohnt, denn kaum ein Arbeitsplatz ist so vielseitig.

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Quelle/Autor: Daniela Haußmann

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