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Energiewende bietet neue Berufschancen für Frauen

Sie arbeiten im Handwerk, in der Wissenschaft oder in der öffentlichen Verwaltung und sind dort für die Umsetzung der Energiewende verantwortlich. Immer mehr Frauen bietet der Klimaschutz eine berufliche Perspektive, auch wenn manche auf dem Weg dorthin noch einige Stolpersteine überwinden müssen.
Architektin

Die Zahl der Frauen, die Klimaschutzkonzepte umsetzen, nimmt zu. Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Zusammenarbeit sind es aber immer noch zu wenige in Führungspositionen.

: dpa/WEstend61/Elisatim)

STUTTGART/LUDWIGSBURG. Klimaschutzberufe haben Zukunft: Energieeinsparung und erneuerbare Energien wirken sich nicht nur günstig auf das Klima aus, auch ihre wirtschaftliche Bedeutung ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Zunehmend mehr Frauen haben dieses Berufsfeld für sich entdeckt, weil sie gestalten und verändern wollen.

„Sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Anpassung an den Klimawandel können Frauen wichtige Akteurinnen in Veränderungsprozessen sein“, schreibt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf seinen Internetseiten. Frauen hätten als Versorgerinnen auf Haushaltsebene in vielen Bereichen großes Potenzial, aktiv auf den Klimawandel zu reagieren und alternative Strategien zu entwickeln, beispielsweise die Nutzung erneuerbarer Energiequellen voranzutreiben.

In Planungsprozessen immer noch unterrepräsentiert

„In vielen Fällen übernehmen Frauen bereits Führungsrollen. Dennoch bleiben ihr spezifisches Wissen und ihre Erfahrungen, etwa im bewahrenden Umgang mit natürlichen Ressourcen, vielfach ungenutzt. In politischen und unternehmerischen Entscheidungsgremien sowie lokalen und regionalen Planungsprozessen sind sie immer noch unterrepräsentiert“, schreibt das Ministerium.

Bei einer Podiumsdiskussion der Ludwigsburger Energieagentur (LEA) diskutierten fünf Frauen in der vergangenen Woche über ihren beruflichen Werdegang, warum sie dort arbeiten und mit welchen Reaktionen sie konfrontiert werden.

Sarah Haase „wollte etwas machen, wo ich dauerhaft etwas bewegen kann“. Inzwischen arbeitet sie als Gebäude-Energieberaterin bei der LEA in Ludwigsburg. Teresa Krannich hingegen ist Klimaschutzmanagerin bei der Stadt Mühlacker und Mutter zweier kleiner Kinder. Gerade erstellt sie ein Klimaschutzkonzept für die Kommune und ist dort „Schnittstelle zwischen Bürgern und der Verwaltung“, sagt Krannich. „Ich bringe das Thema den Menschen ins Bewusstsein und stoße kleine Schritte an“, sagt Krannich. Als Frau und Mutter einen solchen Job auszuüben, sei bei ihren Kollegen in der Verwaltung normal und kein Thema. „Aber bei manchen konservativen Gemeinderäten habe ich auch schon zu hören bekommen: Und wer passt heute Abend auf die Kinder auf?“. Krannich ist überzeugt, „dass man eine solche Frage einem Mann nie stellen würde“.

Kristina Rang hat ursprünglich Chemie studiert, inzwischen ist sie Projektleiterin Kommunaler Klimaschutz bei der LEA in Ludwigsburg. „Ich konnte mich nicht mit der Industrie identifizieren“, sagt sie und sprang deshalb irgendwann in die Klimaschutzarbeit ab, zunächst bei einer Unternehmensberatung, dann als Klimaschutzmanagerin in Korntal-Münchingen. Sie machte eher die Erfahrung, dass manche Männer klischeehaft dachten, „da kommt jetzt die Ökofrau“.

Da hingehen, wo man etwas verbessern kann

Doch die Frauen meistern ihren Job, nicht nur in der öffentlichen Verwaltung, auch im Handwerk und der Wissenschaft. Judith Stute etwa ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie. Dort erstellt sie Handlungsempfehlungen für Industrie und Politik, etwa zu Wärmepumpen oder Elektrofahrzeugen. „Ich wollte da hingehen, wo man etwas verbessern kann“, sagt sie und hat sich deshalb für Projekte im Bereich Energiewende entschieden. Während des Studiums habe sie aber auch die Erfahrung gemacht, dass man Frauen handwerklich noch immer nicht so viel zutraut. Im dritten Studiensemester sei sie von einem Lehrenden gefragt worden, „ob ich überhaupt mit Werkzeugen umgehen kann“, erzählt Stute.

Als gelernte Anlagenmechanikerin ist Anne Wallner als Heizungsbauerin in den elterlichen Betrieb eingestiegen. „Das ist eigentlich eine schwere Arbeit, man wird dreckig und das ist eigentlich eine Männerdomäne, wo auch der Umgangston rauher ist“, erzählt Wallner. Doch von ihrer Mutter habe sie die Führungsrolle gelernt, „die ist auch immer wieder dazwischen gegrätscht und hat den Betrieb gut geleitet“. Inzwischen berät Wallner die Menschen vor allem dabei, wie man etwa Kohlenstoffdioxid einsparen kann.

Frauen in Klimaschutzberufen

Ob als Referentin für erneuerbare Energien, als Juristin mit dem Schwerpunkt Energierecht oder als Klimaschutzmanagerin bei einer Kommune: Für Frauen gibt es viele Möglichkeiten, ihren Beruf im Bereich der Energiewende zu finden. Der gemeinnützige Verein „Baufachfrau“ in Berlin e.V. hat dazu eine Wanderausstellung konzipiert, die den beruflichen Werdegang von 13 Fachfrauen im Klimaschutzbereich vorstellt.

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