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Olympia Morata: Klingende Gedanken aus der Renaissance

Die Humanismus-Dichterin Olympia Morata.
worldhistory.org)Heidelberg. Ihr Vorname ist Programm: Olympia – eine Tochter des Olymp. Die Sprache Homers und die Liebe zur antiken Kultur werden Olympia Morata in die Wiege gelegt. Vor 500 Jahren kommt die Dichterin und Gelehrte im oberitalienischen Ferrara zur Welt. Ihr Vater unterrichtet sie in alten Sprachen, Rhetorik und Arithmetik.
Zeitgenossen rühmen ihr Äußeres ebenso wie ihren Intellekt: Sie sei „an Gestalt eine Frau, an Geist größer als ein Mann“.
Vorlesungen am Hof von Ferrara
Bereits als Fünfzehnjährige soll sie Vorlesungen gehalten haben. 1550 heiratet Olympia den deutschen Arzt Andreas Grundler. Doch die junge Familie hat ein Problem: Sie ist protestantisch. Die Gegenreformation und der schärfer werdende Glaubensstreit zwingen das Paar zur Flucht zunächst nach Schweinfurt und später nach Heidelberg . In der weitgehend reformierten Kurpfalz unter Friedrich II. scheinen sie endlich einen sicheren Platz gefunden zu haben.
Grundler erhält einen Lehrstuhl für Medizin. Olympia hingegen bietet private Griechisch-Kurse an. Doch die glücklichen Jahre im deutschen Südwesten währen nicht lange: 1556 stirbt sie mit gerade einmal 29 Jahren, vermutlich an Tuberkulose. Morata hinterlässt ein umfangreiches schriftliches Werk, das großenteils erst posthum gedruckt wird. Dazu zählen neben Übersetzungen antiker Autoren vor allem Gedichte und gelehrte Dialoge.
Heute gilt Olympia Morata als bedeutendste weibliche Stimme in der ansonsten männlich dominierten Renaissanceliteratur. In klingenden Versen lässt die überzeugte Protestantin ihren subjektiven Gedanken und religiösen Gefühlen freien Lauf. „In der kurzen Zeit, die sie auf dieser Erde verbrachte“, urteilt die italienische Historikerin Antonella Cagnolati über Olympia, „reifte ihre Religiosität von einem einfachen evangelischen Humanismus zu einem festen Glauben an die Grundsätze des reformatorischen Glaubensbekenntnisses.“
Sie fühlte sich wie die Königin der Bettler
Nicht zuletzt Olympias Briefe gewähren spannende Einblicke in den oft brutalen Alltag der Reformationszeit. „Ich fühlte mich wie die Königin der Bettler“, schrieb die Dichterin, nachdem sie auf nackten Füßen und mit zerrissenen Kleidern aus dem brennenden Schweinfurt geflohen war.
Für Katholiken blieb all das Jahrhunderte lang tabu. Olympia Morata zählte zu den ersten Frauen, deren Werke auf dem berüchtigten Index librorum prohibitorum landeten, dem Verzeichnis der vom Vatikan verbotenen Bücher.