Bei der energetischen Sanierung setzen etliche Kommunen auf Contracting

Turnhallen, Schulen und die Straßenbeleuchtung energetisch zu sanieren und die Energieversorgung umzurüsten, ist für kleine Gemeinden schwer zu stemmen. Beim Contracting übernimmt dies ein Dienstleister. Das Beispiel zweier Kommunen zeigt, wie das gelingen kann.

 

Die Energieversorgung in öffentlichen Gebäuden umzurüsten, ist für kleine Kommunen finanziell schwer umsetzbar. Beim Contracting übernimmt dies ein Dienstleister.

dpa)

NECKARTENZLINGEN/MEISSENHEIM. Die Ölheizanlage im Schulzentrum Auwiesen in Neckartenzlingen (Landkreis Esslingen) war in die Jahre gekommen. Sie fiel im Winter immer wieder aus. Um sie zu erneuern, hat sich die Gemeinde für ein Energieliefer-Contractingprojekt mit Effizienzmaßnahmen entschieden.

Nach Abschluss eines Quartierskonzepts bot sich laut Bürgermeisterin Melanie Braun (parteilos) 2017 die Chance, endlich für Abhilfe sorgen zu können. Einen Masterplan zur Schulsanierung erstellten ein Architektenbüro und ein Energieplanungsbüro, sodass Daten zum Energieverbrauch und zu Sanierungsoptionen vorlagen.

Gemeinde entscheidet sich für Energieliefer-Contracting-Projekt

Nach einer Beratung durch die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) zeigte sich, dass ein Energieliefer-Contracting-Projekt die beste Lösung sei. Dabei erledigt ein Dienstleister alles aus einer Hand. Er investiert, führt die Bauarbeiten durch und ist zugleich Anlagenbetreiber. „Der Schlüssel für unsere Gemeinde lag jedoch in der Kombination aus Lieferung und Einsparung von Energie“, so Braun.

Geht man bei reinem Energieliefer-Contracting von Gesamtkosten mit dem günstigsten Wärmepreis aus, wird durch weitere Effizienzmaßnahmen Energie eingespart, verdeutlichten die Experten dem Gemeinderat. Auch wenn durch die zusätzlichen Investitionskosten der Wärmepreis dabei etwas höher liege, rechne sich das. Denn die betreffenden Liegenschaften benötigen nach der Sanierung weniger Wärmeenergie und Kesselleistungen können reduziert werden.

Im Herbst des vergangenen Jahres ging dann die neue Heizanlage an der Grund- und Werkrealschule (GWRS) in Betrieb. Drei effiziente Blockheizkraftwerke wurden eingebaut. An die Nahwärmetrasse sind heute sowohl die GWRS, das Gymnasium, die Realschule und der U3-Kindergarten als auch die Feuerwehr mitsamt DRK-Rettungsstation und die Melchior- Festhalle angeschlossen. Um die Gebäude mit Wärme zu versorgen, verlegte der Contractor eine 800 Meter lange Nahwärmetrasse und baute sechs Übergabestationen mit Hocheffizienzpumpen auf.

Der Energieverbrauch des Schulzentrums und der Gemeindefesthalle sei deutlich gesunken, erklärt Braun. Solch ein Projekt stelle gerade kleine Kommunen wie Neckartenzlingen mit 6500 Einwohnern vor große Herausforderungen. „2,8 Millionen Euro Investitionsvolumen wollen schließlich gestemmt sein“, so die Bürgermeisterin. Durch das Contracting-Modell musste die Gemeinde nur eine Million Euro selbst schultern. Die Umsetzung dauerte von der Ausschreibung bis zum Beginn der Wärmelieferung zweieinhalb Jahre.

Die Laufzeit des Vertrags zwischen der Gemeinde Neckartenzlingen und dem Contractor ist auf maximal 20 Jahre veranschlagt. Der Vertrag sieht vor, dass die Blockheizkraftwerk-Anlage für das Schulzentrum im Jahr 450 Megawattstunden Strom zu günstigen Konditionen bereitstellt. Darüber hinaus ist der Anschluss für ein Seniorenheim als weiterer Wärmeabnehmer vorbereitet.

40 Prozent Einspargarantie sind keine Seltenheit

Auch in Meißenheim, einer 4000- Einwohner-Gemeinde im Ortenaukreis, waren drei öffentliche Gebäude und die Straßenbeleuchtung sanierungsbedürftig. Anstatt jede Maßnahme einzeln umzusetzen, entschied sich die Gemendeverwaltung für ein Energiespar-Contracting-Verfahren (siehe Kasten) und damit gleich alle Baustellen in Angriff zu nehmen: Die Förderschule, die Grundschule und die Gemeindehalle wurden technisch und energetisch saniert, die Straßenlaternen auf LED umgerüstet. Finanziert wurden die Maßnahmen durch Fördergelder und die Einsparung beim Stromverbrauch der Straßenbeleuchtung.

Beim Energiespar-Contracting plant, realisiert und finanziert der Contractor technische, bauliche und organisatorische Maßnahmen, die zu einer Einsparung beim Energieverbrauch führen. Er garantiert zudem vertraglich die Energiekosteneinsparung.

Die Praxis zeige, so die KEA-BW, dass mit Energiespar-Contracting hohe Einsparpotenziale erschlossen werden können: 40 Prozent Einspargarantie seien keine Seltenheit, in Einzelfällen seien sogar 70 und mehr Prozent möglich. Die Gemeinde Meißenheim rechnete mit jährlich 93 000 Euro Einsparung.

Im Wesentlichen unterscheidet man zwei Contracting-Formen: das Energielieferer-Contracting und das Energiespar-Contracting. Bei Ersterem übernimmt der Contractor die Planung, Finanzierung, Installation, Energiebeschaffung sowie auch die Betriebsführung der Energieerzeugungsanlage. Energieliefer-Contracting ist die bisher am häufigsten angewandte Form des Contractings.

Beim Energiespar-Contracting betrachtet der Contractor die technischen Anlagen des Gebäudes ganzheitlich, mit dem Ziel, den Energieverbrauch zu senken. Für seine Dienstleistungen und die von ihm getätigten Investitionen erhält er einen Teil der Einsparung.

Philipp Rudolf

Redakteur Kreis und Kommune

0711 66601-184

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