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Der Ex-Motorsport-Chef, die Formel 1 und das Klima

Der ehemalige Motorsport-Chef von Mercedes, Norbert Haug, wirbt für eine Rückkehr der Formel 1 nach Hockenheim.
Michael Schwarz)Böblingen. Immerhin eine Sache darf nach diesem unterhaltsamen Abend, zu dem die FDP-Landtagsfraktion ins Böblinger Motodrom geladen hat, als gesichert gelten. Norbert Haug lebt nicht in Aidlingen, besitzt dort keine Villa, ja kennt die Gemeinde im Südwesten des Landkreises nicht einmal. Damit ist auch dieses Gerücht, das der Kollege der Sindelfinger Zeitung aufgeschnappt hat, abgeräumt.
Ansonsten fällt es schwer, zum Star des Abends, dem man früher jedes Wochenende im Fernsehen sah, vorzudringen. Wirkt er schon anfangs, als er noch auf dem Podium sitzt, eher grimmig als zugewandt, steigert sich der Eindruck, als er sich mit zwei Motorsportjournalisten – Haug war früher selbst einer – in eine Ecke des Saales verkrochen hat.
Vielleicht liegt es auch daran, dass man von einem Medium kommt, dessen Namen sich, wie Haug findet, auf „Staatsanwalt“ reimt. Oder dass man bereits mit der ersten Frage seine ganze Naivität offenbart. Er arbeite wohl nicht mehr für Mercedes, will ich wissen und verweise darauf, dass er sich eben kritisch über seinen ehemaligen Arbeitgeber geäußert hat. „Da haben Sie gut zugehört“, lobt er – und man möchte im Erdboden versinken.
Zweistelliger Millionenbetrag für Automobil-Dachverband
Zum Glück ist der ehemalige Motorsport-Chef von Mercedes – sein Vertrag endete 2012 – nicht allein gekommen. Neben ihm sitzt Bernd Mayländer auf dem Podium, der seit 2000 offizieller Fahrer der Safety Cars der Formel 1 ist. Mayländer ist erst 54, also 19 Jahre jünger als Haug. Und ebenfalls Kult. Mayländer darf man etwas fragen.
Er erzählt, dass sich alle Welt wundere, warum es in Deutschland keinen Grand Prix mehr gibt. Und dass es dieses Jahr eher unwahrscheinlich sei, nächstes Jahr aber denkbar. Dass aber neben Hockenheim noch viele andere Rennstrecken in der Warteschleife stünden.
Und dass es – das sagt er nicht so deutlich, aber das ist klar – natürlich auch ums Geld geht. Ums Startgeld: Der Automobil-Dachverband FIA verlangt in der Regel einen zweistelligen Millionenbetrag. Und um die Neubauten: Zwar entspricht die Rennstrecke den Ansprüchen der FIA, nicht aber das Umfeld. Die fünf Investoren, die den Hockenheimring vor zwei Jahren der Stadt abgekauft haben, wollen angeblich bis zu 250 Millionen Euro investieren.
FDP will den Grand Prix im Koalitionsvertrag verankern
Doch genügt das? Haug sagt auf dem Podium, dass sich die heimischen Automobilhersteller ein bisschen anstrengen könnten. Und dass erstens alle europäischen Pkw zusammengenommen nur für ein Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich seien und zweitens während eines Formel-1-Rennens 70 Millionen vor den Fernsehern hockten, also wohl nicht zeitgleich Auto führen. „Was weltweit an CO2-Ausstoß gespart wird in der Zeit!“
Das passt zu jener Botschaft, die Hans-Ulrich Rülke nicht erst seit gestern verbreitet. Das Verbrenner-Aus müsse vollständig fallen, und Baden-Württemberg brauche einen anderen Spirit, sagt der FDP-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl am 8. Mai. Dann will Rülke mit der CDU eine bürgerliche Koalition eingehen. Und die Unterstützung des Grand Prix in Hockenheim im Koalitionsvertrag verankern. Das könnte klappen: CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel und der örtliche CDU-Abgeordnete Andreas Sturm werben schon seit Oktober für eine Rückkehr der Formel 1 nach Hockenheim.