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Galeria-Karstadt-Kaufhof: Hat das Warenhaus als Besuchermagnet ausgedient?

Die Zeit der großen Warenhäuser ist vorbei, darin sind sich viele Experten einig. Schon lange verlieren Kaufhof und Co. an Strahlkraft und mit ihnen so manche Innenstadt. Mit der Schließung von sechs Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen im Land setzen die betroffenen Kommunen auf eine vielfältige Nutzung. Stuttgart ist ein wichtiger Deal gelungen.
Das Haus Galeria Kaufhof in der Stuttgarter Eberhardstraße

Die Stadt Stuttgart hat die Galeria-Kaufhof-Filiale gekauft. Sie wird Ende Januar 2024 schließen.

dpa/Julian Rettig)

STUTTGART. Große Warenhäuser waren lange der Garant dafür, viele Menschen in die Innenstädte zu ziehen. Dort erhalten sie alles, was sie für den Alltag brauchen, gleichzeitig profitieren auch kleinere Läden und Restaurants von der Laufkundschaft. Nun werden zum 31. Januar 2024 die Geschäfte in Esslingen, Heidelberg (Bismarckplatz), Leonberg, Pforzheim, Reutlingen und in der Stuttgarter Eberhardstraße geschlossen.

Für die Städte stellt sich die Frage, was mit den riesigen Flächen in den Zentren geschehen soll. In den Gemeinderäten wird schon jetzt über neue Konzepte debattiert.

Stuttgart kauft Warenhaus mit 2600 Quadratmetern

Hat das Warenhaus, in dem Kunden alles kaufen können – vom Regenschirm bis zum Briefkuvert – ausgedient? Für Ricarda Pätzold ist die Sache nicht so eindeutig. „Es gibt sehr viele kleinere Warenhäuser auch in kleineren Städten, die funktionieren“, sagt die Stadtplanerin beim Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin. Für sie kommt es auf die Betreiber an. Werde ein Haus nicht innovativ geführt, könne es die Magnetfunktion nicht erfüllen.

Wo jetzt ein Warenhaus geschlossen wird, müssten andere Angebote, auch kleinere Läden, in Summe an Anziehungskraft gewinnen. Denn trotz des boomenden Online-Handels werde immer noch der größte Umsatz in echten Läden gemacht, betont Pätzold. Lange Zeit war die Antwort vieler Kommunen und Investoren auf sinkende Umsätze im Einzelhandel ein Mehr an Ladenflächen, beispielsweise Shoppingmalls. Heute müsse sie Multifunktionalität lauten, so die Stadtplanerin.

In Mannheim ist diese gemischte Nutzung gelungen. Dort hat die Galeria-Filiale 2020 geschlossen. Auf der Fläche ist ein Neubau entstanden mit Einzelhandel, Wohnungen, Büro- und Praxisräumen. Laut dem Städtetag setze eine solche Lösung aber immer einen Kraftakt vor Ort voraus. Ob sie gelingt, hängt allerdings auch von Rahmenbedingungen ab, die die Stadt nicht immer steuern kann.

Denn: Kommunen haben nur bedingt darauf Einfluss, welcher Mieter in ein Gebäude einzieht – es sei denn, sie sind selbst die Eigentümerin. Diese Chance bietet sich der Stadt Stuttgart als einzige der von der aktuellen Schließungswelle betroffenen Kommunen. Die Landeshauptstadt hat 2020 ihr Vorkaufsrecht für das Warenhaus in der Eberhardstraße samt Parkgarage ausgeübt – noch bevor klar war, dass die Filiale geschlossen werden soll. Die Eigentümerin, die Signa-Gruppe des Immobilienunternehmers René Benko, hatte dagegen geklagt, lange Verhandlungen folgten. Ende März hat Signa dann die eigenen Pläne mit dem Gebäude verworfen, nachdem die Bundesbank dort doch nicht Mieter werden wollte und hat den Weg für die Stadt freigemacht. Rund 2600 Quadratmeter stehen nun zur Verfügung, um das Gebäude oder die Fläche in der Nähe des Rathauses zu entwickeln. Die Stadt hat dafür rund 60 Millionen Euro zurückgestellt. Ob die Immobilien abgerissen werden, sei noch unklar, so ein Sprecher. Filiale und Parkhaus sollen noch bis Ende Januar 2024 von Kaufhof genutzt werden.

Heidelberg könnte Räume für Start-ups anbieten

Auch in Stuttgart pochte der Gemeinderat auf eine vielfältige Nutzung. Das Gremium hat beschlossen, dass mindestens 20 Prozent der Bruttogeschossfläche für Wohnungen dienen sollen. Die Räte schlagen auch vor, in der Immobilie das Haus der Kulturen unterzubringen. Heidelberg will an der zentralen Stelle am Bismarckplatz „ein attraktives Einzelhandelsangebot“ erhalten. Ergänzend könne die Stadt als Ankermieter auftreten und Räume etwa für Start-up-Konzepte im Einzelhandel zur Verfügung stellen, teilt ein Sprecher mit. Die Stadtverwaltung sei mit den Eigentümern im Gespräch, der Erwerb der Immobilie sei nicht geplant.

In Leonberg ist die Karstadt-Filiale in das Leo-Center integriert. Um das Einkaufszentrum auch nach der Schließung zu stärken, arbeitet die Kommune schon länger mit dem Eigentümer an neuen Konzepten.
In den anderen Standorten wird es wie in Heidelberg und Stuttgart wohl ebenfalls auf vielfältige Lösungen hinauslaufen. Alle Kommunen sind mit Investoren und Eigentümern im Gespräch.

Esslingen möchte Karstadt-Areal städtebaulich entwickeln

In Reutlingen will die Stadt den exponierten Standort als Magneten für die Innenstadt retten. Auch Pforzheim verhandelt mit dem Investor über die weitere Nutzung: Von den Gesprächen hänge ab, ob das bestehende Gebäude erhalten bleiben könne oder ob ein Rückbau, Abriss und Neubau notwendig werde, so ein Sprecher.

Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) möchte mit einem Investor das Karstadt-Areal städtebaulich entwickeln und strebt ein vielfältiges Angebot an.

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