Große Differenzen in der Schulpolitik

Eine Einigung in der Schulpolitik zwischen den möglichen Koalitionspartnern nach der Landtagswahl am 8. März wird vermutlich nur durch Kompromisse in Strukturfragen möglich sein.
IMAGO/imageBROKER/Unai Huizi)Stuttgart. Von 2011 bis 2016 führte die SPD erstmals in der Landesgeschichte das Kultusministerium. An diese Phase, in der die Gemeinschaftsschule eingeführt wurde, will der frühere Ressortchef und heutige Spitzenkandidat Andreas Stoch wieder anknüpfen. Schnörkellos werden im Wahlprogramm „zwei gleichwertige Wege“ versprochen: das Gymnasium und eine leistungsstarke, integrative zweite Säule auf Basis einer weiterentwickelten Gemeinschaftsschule, gegebenenfalls auch bis zum Abitur. Auf diese Weise entstehe „ein klares, einfaches Schulsystem, unabhängig vom Wohnort oder der Herkunft“.
Maximal weit entfernt vom Konzept der Zweigliedrigkeit ist die CDU, im Gegensatz auch zu den Beschlüssen des Bundesparteitags 2011 in Leipzig, der allen Bundesländern die Zweigliedrigkeit aus Gymnasium und einer zweiten Schulart empfohlen hatte. „Wir stehen für ein gegliedertes und durchlässiges Schulsystem mit drei Abschlüssen – Hauptschulabschluss, Realschulabschluss und Abitur – und klar profilierten Schularten sowie Schulen mit spezifischem Profil“, heißt es 15 Jahre später im Programm zur Landtagswahl. Favorisiert werden darin Gymnasien, Realschulen sowie Haupt‑ und Werkrealschulen, kooperative Modelle und Gemeinschaftsschulen, weil sie Vielfalt sicherten und begabungsgerechte Durchlässigkeit. Und weiter: „Eine Einheitsschule und den Einheitslehrer lehnen wir ab.“
CDU und FDP wollen verbindliche Grundschulempfehlung für alle Schularten
Sachwissen über Geschichte, Politik, Sprache, Mathematik, Naturwissenschaften, Literatur und Kultur wird von der CDU eigens hervorgehoben. Deshalb stellt sie in Aussicht, Bildungspläne und Leistungsanforderungen „nachzuschärfen“. Gesichertes Wissen, Text- und Quellenkompetenz sowie solides Rechnen und naturwissenschaftliches Grundverständnis müssten verlässlich aufgebaut und überprüft werden.
„Kinder sind verschieden, und so sollten es auch ihre Bildungswege sein“, beschreibt wiederum die FDP ihre Position, „wir Freie Demokraten stehen für eine Bildungspolitik, die diese Unterschiede anerkennt und deshalb passgenau fördert“, um nicht „mit der Gießkanne Gleichheit statt Gerechtigkeit zu erzeugen.“ Wer auf das Ziel „Eine Schule für alle“ hinarbeite, nehme bewusst in Kauf, „dass Kinder nicht diejenige Förderung erhalten, die sie brauchen“. CDU und FDP wollen gemeinsam die verbindliche Grundschulempfehlung auf alle Schularten ausdehnen.
Grüne: Gemeinschaftsschulen fördern Leistungsstarke und Schwächere
Wie die SPD beziehen sich auch die Grünen auf die 2012 eingeführte Gemeinschaftsschule, von deren pädagogischem Konzept und dem Miteinanderlernen die Leistungsstarken ebenso profitierten wie die Schwächeren. Damit seien sie „Modellschulen für gemeinsames inklusives Lernen“. In einem integrativen Bildungsgang werde der Weg zu einem erfolgreichen Schulabschluss bis hin zur Hochschulreife lange offengehalten.
Zwei Parteien werden an der Kompromissfindung nicht beteiligt sein. Die „Linke“ will – falls sie sie erstmals in den Landtag einzieht – nicht mitregieren, sondern in der Opposition für die Stärkung der Gemeinschaftsschulen als Alternative zum Gymnasium werben. Und mit der AfD will niemand koalieren. Würde sie regieren, käme es schon in den ersten 100 Tagen zu einer „fundamentalen Überarbeitung der Lehrpläne, mit dem Ziel, wieder einen Schwerpunkt auf die Vermittlung von abprüfbarem Wissen zu setzen“. Eine AfD-geführte Landesregierung, heißt es weiter, werde „mit einer umfassenden Bildungswende“ auf drei Prinzipien setzen: „Leistung, Disziplin und Identität.“