KI und Kommunen

Kommunen setzen KI selten ein, obwohl sie hohen Nutzen sehen

Für den „Zukunftsradar 2023“ haben bundesweit rund 900 Städte und Gemeinden  dem Deutschen Städte- und Gemeindebund Auskunft zum Stand der Digitalisierung im Allgemeinen und dem Einsatz von KI in der Verwaltung im Besonderen erteilt. Die Erwartungen an deren Nutzen sind demnach in beiden Fällen groß – doch beim Umsetzen ist noch viel Luft nach oben.

Der Chatbot Kora ist in Heidenheim schon seit 2018 im Einsatz - vor Beginn des Hypes um KI und ChatGPT.

Rieke Stapelfeldt)

Berlin/Stuttgart. Etwa zwei Drittel der Kommunen in Deutschland meinen, dass der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) eine Hilfe bei ihrer täglichen Arbeit sein kann. Doch nur acht Prozent der rund 900 Kommunen, die sich an einer Umfrage des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB) beteiligt haben, nutzen eigenen Angaben zufolge KI bereits in ihrer Verwaltung. Das sind zwei Ergebnisse des „Zukunftsradar Digitale Kommune 2023“, der Ende November veröffentlicht wurde. Gerade für Baden-Württemberg dürften sie repräsentativ sein; rund 250 der insgesamt 1101 Kommunen haben an der Befragung teilgenommen.

Urteile über Sinn von KI-Einsatz variieren je nach Gemeindegröße

„Künstliche Intelligenz ist in den Kommunen angekommen“, sagte DStGB-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg zur Studie, die erstmals auch nach dem KI-Einsatz fragte. Sie hätten erkannt, „dass diese Technologie immense Chancen bieten kann, gerade im Bereich der Automatisierung und der virtuellen Assistenzsysteme bei Verwaltungstätigkeiten“. Mittel- und langfristig könne das den Verwaltungen Arbeit abnehmen, „ein bedeutender Faktor in Zeiten von Kapazitätsgrenzen“, so Landsberg weiter. Auch die Autoren der Studie listen Einsatzgebiete auf: „Beispielsweise könnte KI in Kommunen bei der Bearbeitung von Anträgen, bei der Verwaltung von Schriftgut oder auch bei der Kommunikation mit den Bürger:innen helfen.“ KI-basierte Antragsvorprüfungen könnten Sachbearbeiter entlasten. „In größeren Kommunen wäre beispielsweise eine intelligente Verkehrssteuerung oder die bildbasierte Erkennung von Schlaglöchern in Straßen denkbar.“

Bei der Frage, wie sinnvoll der KI-Einsatz für ihre Kommune ist, unterscheiden sich die Antworten je nach Gemeindegröße erheblich: „Erwartungsgemäß ist der Anteil der Zustimmung in mittleren sowie in großen und sehr großen Kommunen mit jeweils 76 Prozent größer als in kleineren Kommunen“, heißt es in der Studie. Doch immerhin 55 Prozent – also mehr als die Hälfte – der Befragten auch in Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern pflichtet dem ebenfalls bei. „Für kleine Kommunen ist KI weniger interessant und sinnvoll und die Umsetzung personell nicht leistbar“, meint in einer anonymisierten Antwort ein Umfrageteilnehmer. „Für große Kommunen führt an KI kein Weg vorbei.“

Diese Skepsis teilt man beim Gemeindetag Baden-Württemberg allerdings nicht. „Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz hängt nicht von der Größe der Kommune ab“, sagte Pressesprecher Christopher Heck dem Staatsanzeiger. Gerade in der Verwaltungsarbeit bietet sich der Einsatz von KI-Anwendungen sehr häufig an – und zwar unabhängig von der Größenklasse. Wichtig ist, dass der Einsatz tatsächlich zu einer Erleichterung oder Unterstützung führt, dann wird es auch eingesetzt. Gerade in kleineren und mittleren Kommunen ist der Bedarf nach Handlungsempfehlungen nochmal etwas größer.“ Wenn es Empfehlungen oder Richtlinien zur Nutzung gäbe, könnte dies dazu führen, dass die Unsicherheit bezüglich der Nutzung geringer wird.

Ethische Probleme sieht nur eine Minderheit kommunaler Entscheider

Als wichtigste Hindernisse und Hemmnisse für den KI-Einsatz gelten jeweils rund zwei Dritteln der befragten Entscheidungsträger der Datenschutz und offene rechtliche Fragen; gefolgt mit je rund 60 Prozent von der Akzeptanz bei den eigenen Mitarbeitern und in der Bevölkerung. Ethische Probleme, die in der öffentlichen Debatte oft eine große Rolle spielen, sehen dagegen mit 37 Prozent kaum mehr als ein Drittel.

Überhaupt gibt es mitunter noch große Unsicherheit rund um KI-Anwendungen – auch darüber, was alles unter KI zu verstehen ist. So gaben laut Zukunftsradar sechs Prozent der Befragten an, sie könnten nicht beurteilen, ob in ihrer Verwaltung KI schon zum Einsatz komme. Der Anteil derer, die KI nutzen, könnte also durchaus schon höher liegen als es die Umfrage vermuten lässt. „Allein mit ChatGPT arbeiten inzwischen mehr als nur acht Prozent unserer Mitgliedsstädte“, vermutet Christiane Conzen, Pressesprecherin des Städtetags, gegenüber dem Staatsanzeiger, „wobei das natürlich das niederschwelligste Angebot ist.“

Gleichwohl steht der Einsatz noch ganz am Anfang. „Leider liegen uns derzeit noch keine Daten und Erhebungen vor, in welchen Kommunen KI genutzt wird und zu welchen Zwecken“, heißt es beim Gemeindetag Baden-Württemberg.

Nur jede zweite Kommune hat derzeit eine Digitalstrategie

Fast 90 Prozent der befragten Kommunen stufen den Nutzen der Digitalisierung für die Verwaltung als hoch bis sehr hoch ein; für Zivilgesellschaft sowie Verkehr und Mobilität sind es nur rund 60 Prozent. Dennoch hat fast die Hälfte – 49 Prozent – keine Digitalstrategie. Fehlendes Personal und Finanzierung sind Hauptgründe. Beim Gemeindetag Baden-Württemberg verweist man auf den „enormen Aufwand“ dafür – bei mitunter fraglichem Nutzen.

Christoph Müller

Redakteur Bildung & Wissenschaft und Zukunft der Verwaltung

0711 66601-182

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