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Tag der Bundeswehr 

Panzerballett, Brandbekämpfung und viele Militärfahrzeuge

Rund 30 000 Menschen kamen zum Tag der Bundeswehr in die Albkaserne in Stetten am kalten Markt. Dort sind 23 Dienststellen und Einheiten untergebracht: Von A wie Artilleriebataillon bis Z wie Zentrum Brandschutz der Bundeswehr. Die Truppe zeigte sich offen, nahbar und kommunikativ. Das Interesse an ihrer Arbeit hat zugenommen.

Jennifer Reich)

Stetten. Beim Tag der Bundeswehr in Stetten am kalten Markt (Landkreis Sigmaringen) ist Besuchern einiges geboten: Panzerballett, Brandbekämpfung, Modeschauen, ein Konzert des Heeresmusikkorps, Ponyreiten und eine dynamische Waffenschau der Deutsch-Französischen Brigade: Teils fällt es so manchem schwer, sich zu entscheiden, wo es zuerst hingehen soll.

Das Interesse der Bevölkerung an der Arbeit der Truppe ist offensichtlich groß, die Menschen strömten geradezu in die Albkaserne, bereits vor zehn Uhr bildeten sich lange Autoschlangen auf der Zufahrtsstraße.

Einmal angekommen, durchlaufen Gäste zunächst eine Kontrolle, Taschen werden durchsucht, alle werden abgetastet. Die Sicherheitslage ist ernst, auch an einem Tag, an dem die Bundeswehr sich nahbar geben möchte, steht sie ganz oben auf der Agenda. Doch die Stimmung ist gut, es finden schon da erste Gespräche zwischen Bürger und Bundeswehr statt, es wird viel gelacht.

Deutsch-französische Brigade an Übung Grand Quadriga beteiligt

Eröffnet wird der Tag der Bundeswehr um 10 Uhr, da strahlt noch die Sonne. Brigadegeneral Christian Friedl, Kommandeur der Deutsch-Französischen Brigade, eröffnet die Veranstaltung. Die Wahrnehmung der Bundeswehr in der Bevölkerung habe sich seit Februar 2022 verändert, sagt er dem Staatsanzeiger. Deren Wichtigkeit sei wieder in den Fokus gerückt, ihre Arbeit werde wahrgenommen. Friedl ist viel in Uniform unterwegs, er berichtet, dass er immer öfter angesprochen werden, nach seiner Tätigkeit befragt wird und Menschen sich bei ihm für seinen Dienst bedanken.

Friedl sagt aber auch, dass die Lage ernst ist. „Das spüren meine Soldaten.“ Erst kürzlich beteiligte sich die Brigade mit 550 Soldaten bei der „Grand Quadriga“ in Litauen. Die Übung ist Teil der „Quadriga“. Diese ist ein Übungsverbund aus mehreren, teils ineinandergreifenden, einzelnen Übungen. Insgesamt setzte die Bundeswehr 12 000 Soldatinnen und Soldaten mit 3000 Fahrzeugen und zusätzlich 30 Luftfahrzeuge ein. Die Übungsreihe begann im Frühjahr in Norwegen, verlief weiter über Polen und Litauen, parallel dazu eine weitere Übung in Ungarn und Rumänien. Als Kern und gleichzeitig Höhepunkt schloss die „Grand Quadriga“ in Litauen an. Vier Wochen waren die Soldaten der Deutsch-Französischen Brigade unterwegs, wie ihr Kommandeur Friedl erzählt, sogar Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) habe die Übung besucht.

Vorbereitungen für den Ernstfall, für den Krieg

All dies sind Vorbereitungen für den Ernstfall, sprich für den Krieg. Friedls Brigade bildet auch Soldaten aus der Ukraine aus. Dem General zufolge wird in der Begegnung mit den Ukrainern der Ernst der Lage deutlich. Die Ausbildung ukrainischer Soldaten, aber auch die Ausbildung der Bundeswehrsoldaten, nehme eine wichtige Rolle ein.

150 seiner Soldaten seien derzeit im Kosovo eingesetzt, 120 weitere seien mit Blick auf die Hochwasserlage in Bereitschaft. Fürs erste ist er froh, dass man den Tag der Bundeswehr durchführen kann. Dies sei nur möglich, weil das Wetter mitspielt. In Mittenwald musste der Tag der Bundeswehr dagegen wegen Hochwasser abgesagt werden. Doch wird das Thema Starkregen auch in Stetten am kalten Markt noch ein Thema sein.

Zuvor begibt sich General Friedl zu einer Vorführung der Bundeswehrfeuerwehr, ein Stück weiter oben. Nach einem kurzen, strammen Fußmarsch ist man angekommen. Es stehen bereits viele Zuschauer da und warten auf die Vorführung der Brandbekämpfung.

Ein Nachbau des Airbus A 400 M wird gelöscht

Auf dem Gelände der Brandübungsanlage „Luftfahrzeuge“ steht ein Nachbau des Transportflugzeug Airbus A 400 M. Auch den Eurofighter und Hubschrauber NH 90 gibt es als Modell zum Üben. Originalgröße bedeutet beim Airbus A 400 M eine Länge von 45 Metern, eine Höhe von 15 Metern und 43 Meter Breite. Die Luftfahrzeuge sind mit Brandstellen ausgestattet. So kann an der Attrappe durch eine Spezialtelemetrie unterhalb des Flügels ein bis zu 56 Quadratmeter großer Flächenbrand entzündet und reguliert werden. Auch jetzt wird ein Feuer entzündet. Ein beeindrucktes Raunen geht durch die Zuschauermenge. Per Lautsprecherdurchsage wird dann der Einsatzbefehl erteilt. Daraufhin rücken drei Löschfahrzeuge mit Blaulicht und Signal aus.

Während die Löschfahrzeuge über den Wasserwerfer direkt und zügig Wasser abgegeben, rollen die Feuerwehrleute Schläuche aus. Das Feuer ist an diesem Mittag sehr schnell unter Kontrolle. Die Zuschauer sind begeistert, es gibt Applaus und vor allem die Kleinsten unter den Feuerwehrfans rufen immer wieder jubelnd dazwischen. Einige Meter weiter zeigen danach die Soldatinnen und Soldaten der Deutsch-Französischen Brigade in einem simulierten Gefecht grenzübergreifende Geschlossenheit und militärische Zusammenarbeit. Derweil müssen die Mitfahrten mit den Bundeswehrfahrzeugen eine Pause machen.

An diesem Tag stellt aber nicht nur die Bundeswehr ihre Arbeit vor, auch Polizei, Justizvollzug, Zoll, DRK, Maltester und das THW sind vor Ort. Es gibt Vorführungen zur Kampfmittelbeseitigung, Bustouren über den Truppenübungsplatz, Überflüge vom Transportflugzeug A 400 M. Ausgestellt sind neben Ketten- und Radfahrzeugen auch Hubschrauber.

Der Keiler, der Dachs und der Biber tanzen Panzerballett

Es lohnte auch immer wieder ein Blick nach oben, so auch, als sich mit einem lauten Dröhnen das Transportflugzeug A400 M aus der Ferne ankündigt. Viele Besucher bleiben stehen und heben ihre Köpfe. Und dann kommt es ums Eck geflogen, das Flugzeug, dass gerade eben noch im Modell von der Feuerwehr in der Vorführung gelöscht wurde.

In einer anderen Ecke des weitläufigen Areals findet das Panzerballett statt. Drei Fahrzeuge treten auf, zunächst alle Solo: Der Minenräumpanzer Keiler, der Pionierpanzer Dachs und der Brückenlegepanzer Biber. Sie fahren nacheineinander vor und stellen sich kreiselnd zu Schau. Im Anschluss folgt eine Choreografie zu klassischer Musik.

Gegen Nachmittag wird das bunte Treiben von einem Unwetter gestört. Es gibt kräftigen Regen, der gar nicht mehr aufhören will. Doch die Besucher zeigen sich hartgesotten, ein Großteil lässt sich nicht vertreiben. Ein Glück für die Truppe, die sich für diesen Tag der Bundeswehr ins Zeug gelegt hat.

Die Albkaserne ist der größte Bundeswehrstandort in Süddeutschland. 2016 fand der letzte Tag der Bundeswehr statt, damals mit 16 000 Besuchern. Für dieses Jahr hatte die Bundeswehr mit 20 000 Besuchern in Stetten gerechnet. Die Zahl wird mit 30 000 jedoch weit übertroffen – was die Wahrnehmung von Brigadegeneral Friedl, wonach sich das Interesse an der Bundeswehr positiv entwickelt hat, bestätigt.

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