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Verwaltungshochschulen bieten mehr Wege zum Doktortitel als früher

Mitunter wollen Absolventen der Hochschulen für öffentliche Verwaltung in Kehl und Ludwigsburg auch noch promovieren. Dafür gibt es mehrere Verfahren – und inzwischen ein Promotionszentrum mit anderen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften.

Im Dezember verteidigte Alexandre Martinez als erster von Kehler Professoren betreuter Doktorand an der Universität Pau in Frankreich seine Doktorarbeit.

HS Kehl)

Kehl/Ludwigsburg. Die Promotion gilt vielen noch heute als krönender Abschluss eines Studiums. Für eine Karriere an der Universität ist der Doktortitel ohnehin unabdingbar. Den Absolventen der Hochschulen für öffentliche Verwaltung in Kehl und Ludwigsburg blieb, wie allen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW), das Promotionsrecht lange verwehrt. Doch mittlerweile gibt es mehrere Wege, wie auch Absolventen  der Verwaltungshochschulen einen Doktortitel erlangen können, ohne dafür an die Universität wechseln zu müssen.

Ludwigsburg hat Promotionskolleg mit Hohenheim und Tübingen

Professoren aus Kehl und Ludwigsburg können zusammen mit Kollegen an Universitäten die Forschungsarbeiten ambitionierter Absolventen betreuen und sie zum Doktortitel führen. Das gilt etwa für Anna Steidle, Professorin für Verwaltungsmanagement  an der Hochschule Ludwigsburg, die der Wirtschafs- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Hohenheim in Stuttgart assoziiert ist. Sie hat etwa eine Arbeit zur Verwaltungsdigitalisierung betreut, mit der Julia Kaesmayr (siehe Foto unten) im Oktober promoviert wurde.

Ferner gibt es seit 2022 Promotionskollegs von Hochschulen mit Universitäten, in denen  jeweils mehrere Doktoranden von Hochschule wie Universitäten Stipendien bekommen – für Vorhaben zu einem bestimmten Themenbereich.  Zehn solcher Promotionskollegs gibt es derzeit in Baden-Württemberg. Dasjenige zur „Good Administration“ – Gute Verwaltung – der Hochschule Ludwigsburg sowie den Universitäten Hohenheim und Tübingen ist Steidle zufolge das einzige mit Beteiligung einer Verwaltungshochschule. Sie selbst ist dort Mitglied im Sprecherteam.

Seit Herbst 2022 gibt es Promotionsverband der HAWen

„Als Verbund können die Hochschulen sich so mit einem interdisziplinären Ansatz international im derzeit neu entstehenden Forschungsfeld der Behavioral Public Administration etablieren, Maßstäbe der Spitzenforschung setzen und einen Beitrag leisten zu hochaktuellen Themen wie Verwaltungsdigitalisierung, Verteilungsgerechtigkeit, Partizipation und Rechtsstaatlichkeit“, heißt es dazu im Hochschulmagazin Dialog.

Schließlich gibt es seit Herbst 2022 einen gemeinsamen Promotionsverband der HAWen. Als Mitglied in diesem Verband besitzen Kehl wie Ludwigsburg das Promotionsrecht. Künftig wird dieser Verband den Doktortitel verleihen können. Dem angeschlossenen Promotionszentrum gehören laut Angaben der Hochschule Kehl aktuell 223 Professoren an, darunter sind sechs Professoren aus Kehl und sechs aus Ludwigsburg.  Er befindet sich noch in der formativen Phase.

Hochschule Kehl hat Kooperationen mit Universitäten abgeschlossen

„Derzeit ist die Nachfrage nach Promotionen im Bereich Verwaltungsmanagement besonders stark. Perspektivisch müssen hier jedoch erst noch weitere Professoren in den Promotionsverband aufgenommen werden, um auch in diesem Bereich Promotionsvorhaben auf den Weg bringen zu können“, sagte die Sprecherin der Hochschule. Die Hochschule hat schon länger mit der Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer, den Universitäten in Freiburg und Bochum sowie dem benachbarten Straßburg und dem südfranzösischen Pau Kooperationsverträge abgeschlossen.

Der Kehler Rektor Joachim Beck betreut selbst zusammen mit dem renommierten Verwaltungswissenschaftler Jörg Bogumil von der Universität Bochum aktuell ein Dissertationsprojekt zum Thema Open Government. Die schon länger bestehenden Wege zur Promotion werden also weiterhin genutzt.

Zur mitunter beklagten Doktortitel-Schwemme tragen die Verwaltungshochschulen und HAWen bisher nicht bei: Laut Statistischem Bundesamt promovierten zum Stichtag 1. Dezember 2022 nur 329 von 205 302 Doktoranden an einer HAW, also etwas über eineinhalb Promille. Ob durch das eigenständige Promotionsrecht von HAW-Promotionszentren  diese Zahl signifikant steigen wird, bleibt abzuwarten.

Doktormutter 
Anna Steidle mit Doktorandin Julia 
Kaesmayr

HAW-Promotionsrecht

Baden-Württemberg war 2014 Vorreiter: Als erstes Bundesland hat es damals das Hochschulgesetz so geändert, dass es möglich wurde, auch Zusammenschlüssen von Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) das Promotionsrecht zu verleihen. Praktisch vollzogen wurde dieser Schritt dann erst 2022. Da hatten Bundesländer wie Sachsen-Anhalt und Hessen bereits einigen HAW ein eigenständiges Promotionsrecht eingeräumt. Mittlerweile sind Baden-Württemberg und NRW gefolgt.

Christoph Müller

Redakteur Bildung & Wissenschaft und Zukunft der Verwaltung

0711 66601-182

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