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Personalarbeit

Bei der Einstellung von Mitarbeitern nicht auf das Bauchgefühl verlassen

Wenn Stellenbesetzungen schiefgehen, weil man sich bei der Kandidatenauswahl vertut, kann es teuer werden. Gerade kleinere Arbeitgeber sollten daher auf ein strukturiertes Vorgehen und objektive Beurteilung achten. Eine gezielte Weiterbildung der zuständigen Mitarbeiter zum Thema Personalauswahl kann sich rasch amortisieren.

Bei der Beurteilung von Bewerbern sollten sich Chefs und Personaler auf objektive Kriterien stützen, die beispielsweise durch Tests ermittelt werden können.

IMAGO/Jose Carlos Ichiro)

MANNHEIM. „Fehler und falsche Entscheidungsprozesse bei der Personalauswahl kosten kurz- und langfristig Zeit und Geld“, sagt Clemens Hoh, Sprecher des Personaldienstleisters Hays in Mannheim. Die direkten und indirekten Kosten, welche ein neues Bewerbungsverfahren ebenso verursachen wie die unvermeidbaren Produktivitätsverluste im Team, könnten mit 90 bis zu 200 Prozent des Jahresgehalts der betreffenden Stelle veranschlagt werden. Eine Fluktuationskosten-Studie des Kompetenz-Centers Mitarbeiterbindung von 2016 hat dies errechnet.

Online-Assessment-Tools ermöglichen objektive Bewertung

Arbeitgebern stehen dabei vor der Herausforderung, eine möglichst gute Bewerberauswahl zu treffen, die zu einer langen, positiven Zusammenarbeit führt. Zeitgemäße Methoden und Werkzeuge bieten hierbei wertvolle Unterstützung. Die Personalauswahl hat sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. Klassische Bewerbungsgespräche und Lebenslaufanalysen werden zunehmend durch innovative Methoden ergänzt.

Dazu gehören insbesondere diverse Online-Assessment-Tools. Diese Formen der Eignungsdiagnostik helfen, die Fähigkeiten und Persönlichkeit von Bewerbern objektiv zu bewerten. Sie beinhalten Tests zu kognitiven Fähigkeiten, Persönlichkeitstests und simulationsbasierte Aufgaben. Solche Assessments können frühzeitig im Bewerbungsprozess eingesetzt werden, um eine erste Auswahl zu treffen.

Video-Interviews zur Vorauswahl sparen Zeit und Ressourcen

„Personalauswahl wird meistens auf Basis des Bauchgefühls getroffen, viele fallen deshalb auf eloquente Blender und leere Versprechen rein“, warnt der Stuttgarter HR-Dienstleister und Experte für Personalauswahl Lorenz Schlotter. Er rät statt dessen zu eignungsdiagnostische Methoden. Auch strukturierte Bewerbungsgespräche mit einem vorgeplantem Fragenkatalog können deutliche Verbesserungen bringen. Mit Video-Interviews zur Vorauswahl ließen sich in erheblichem Umfang Zeit und Ressourcen sparen. Zugleich kann man so besser Kandidaten aus anderen Regionen oder Ländern die Möglichkeit zur Bewerbung geben.

Künstliche Intelligenz (KI) und Software sind ebenfalls bei der Auswahl nützlich. KI-gestützte Systeme analysieren Bewerbungsunterlagen und können bestimmte Muster erkennen, die auf die Eignung eines Kandidaten hinweisen.

Neben einer unbewussten Voreingenommenheit gibt es noch weitere typische Fallstricke. Dazu zählt die Überbewertung formaler Qualifikationen. Oftmals werden Bildungsabschlüsse und Berufserfahrungen überbewertet, während andere Fähigkeiten sowie die Frage, ob der Kandidat zur Unternehmenskultur passt, vernachlässigt.

Schulungen können Bewusstsein für Fehlerquellen schärfen

Ebenso wie die mangelnde Strukturierung des Auswahlprozesses kann auch zu ein Zuviel zum Problem werden. „Jobentscheidungen sind emotionale Lebensentscheidungen unpersönliche und lahme Prozesse ersticken die Vorfreude und das Commitment der Kandidaten im Kern“, warnt Schlotter. Hier gilt es, ein gutes Mittelmaß zu finden.

Um die Personalauswahl zu optimieren, können Betriebe folgende Schritte unternehmen. Wichtig ist zunächst die Implementierung eines strukturierten Auswahlprozesses. Ein klar definierter Prozess mit festen Kriterien und standardisierten Interviews hilft, objektivere Entscheidungen zu treffen. Dies reduziert die Gefahr von Voreingenommenheiten und erhöht die Vergleichbarkeit der Bewerber. Dabei sollten auch Assessment-Center und Probetage mit den künftigen Kollegen erwogen werden.

Ferner ist Fortbildung für Personalverantwortliche immer eine gute Investition. Schulungen und Workshops zu den Themen unbewusste Voreingenommenheit und moderne Auswahlmethoden können das Bewusstsein für potenzielle Fehlerquellen schärfen und die Qualität der Personalauswahl erhöhen. Regelmäßige Weiterbildung hilft dabei, immer auf dem neuesten Stand der Forschung und Technik zu bleiben.

Leitfaden für die Strukturierung eines Vorstellungsgesprächs

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