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Architekten

Die Baukrise erreicht nun auch die Planungsbüros

Bei mehr als jedem zweiten Architekturbüro in Baden-Württemberg hat sich die wirtschaftliche Lage im vergangenen halben Jahr verschlechtert. Das zeigt eine Umfrage der Bundesarchitektenkammer. Betroffen sind besonders kleine Büros, die sehr stark auf den Wohnungsbau fokussiert sind. Bundesweit ist die Lage der Planer etwas besser.

Architekten in Baden-Württemberg beurteilen ihre Geschäftslage derzeit schlechter als der Bundesdurchschnitt.

IMAGO/Tetra Images)

Stuttgart. Eigentlich, sagt Felix Goldberg, kommen die Architekturbüros in Baden-Württemberg einfacher durch Krisen, sind so wie die Büros in Bayern oder Nordrhein-Westfalen stabiler aufgestellt als in vielen anderen Bundesländern. Goldberg ist in der Architektenkammer Baden-Württemberg für die nationale und internationale Berufspolitik zuständig. Doch die jüngste bundesweite Konjunkturumfrage unter selbstständigen Architekten in Deutschland stellt diese Regel auf den Kopf.

Denn egal ob bei der Einschätzung der aktuellen Lage oder den Zukunftserwartungen die freiberuflich tätigen Architekten im Südwesten sind deutlich pessimistischer als ihre Berufskollegen im bundesweiten Durchschnitt. So beurteilten 35 Prozent der Büroinhaber ihre Geschäftslage zu Jahresbeginn 2024 als befriedigend, 28 Prozent als schlecht.

Vor einem halben Jahr hatten nur 13 Prozent von einer schlechten Lage gesprochen und 32 Prozent von einer befriedigenden. Der Anteil der Architekten, die ihre wirtschaftliche Lage als gut bezeichnen, ging innerhalb von sechs Monaten um ein Drittel zurück.

Vor allem kleinere Büros spüren die Wohnungsbaukrise

Dementsprechend erklärt mehr als die Hälfte aller selbstständigen Architekten, dass sich die Situation ihres Büros in den vergangenen sechs Monaten v erschlechtert oder erheblich verschlechtert hat. In ganz Deutschland war deren Anteil mit 49 Prozent noch ein Stück niedriger als in Baden-Württemberg. Felix Goldberg fasst die momentane Situation der Architekturbüros im Land so zusammen: „Wir sind noch nicht in der Krise, aber auf dem Weg dorthin.“ Denn konjunkturelle Entwicklungen schlügen bei den Planern im Vergleich zur Bauwirtschaft erst mit einigen Monaten Verspätung durch.

Goldberg verweist darauf, dass die Lage sehr unterschiedlich ist. Kleine Büros, die sehr stark auf den Wohnungsbau fokussiert seien, hätten schon heute starke Probleme.

Kammer beklagt zu niedrige Förderung

Größere Architekturbüros, die breiter aufgestellt seien und auch im öffentlichen Bau und im Gewerbebau tätig sind, kämen derzeit meist noch gut über die Runden. In der Krise des Wohnungsbaus vermutet der Kammervertreter auch einen der Gründe dafür, dass sich der Markt für Architektenleistungen in Baden-Württemberg in den vergangenen Monaten schlechter entwickelt hat als in Deutschland insgesamt oder in vergleichbaren Bundesländern.

So sei beispielsweise in Bayern die Wohnbauförderung deutlich höher als hierzulande. Das federe die Probleme durch steigende Zinsen und Baupreise, die zum Einbruch im Wohnungsbau geführt haben, etwas stärker ab als dies in Baden-Württemberg der Fall sei.

Auch die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Andrea Gebhard, sieht den Wohnungsbau als einen der wesentlichen Faktoren für die verschlechterte Lage der Architekturbüros. Sie sieht Bund und Länder in der Pflicht, gegenzusteuern. „Jetzt geht es um Beständigkeit und Klarheit in einer Förderlandschaft, die Nachhaltigkeit und Innovation in die Breite tragen kann“, erklärte Gebhard bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse.

Erste Entlassungen von angestellten Architekten

Sie beklagte zudem, dass der Bürokratieabbau in Deutschland zu langsam vorankomme. Das könne aber ein Hebel sein, um dem Bausektor zu helfen. „Die Reduzierung von Normen und Standards kann gerade bei der Senkung von Baukosten einen Beitrag leisten“, sagt die Münchner Stadtplanerin und Landschaftsarchitektin.

Eine Entspannung der Situation erwarten die freiberuflichen Architekten vorerst nicht. 56 Prozent aller Büros im Südwesten erwarten in diesem Jahr eine Verschlechterung ihrer Lage. Nur 13 Prozent gehen von einer Verbesserung aus. Und fast die Hälfte (45 Prozent) gibt an, schon heute ungenutzte Kapazitäten zu haben.Zu Entlassungen in größerem Umfang kommt es aktuell noch nicht, und diese sind wohl auch nicht geplant. Bundesweit gaben 76 Prozent aller Büroinhaber an, ihren Personalbestand halten zu wollen, selbst wenn sich die Lage verschlechtern sollte.

4000 Architekten befragt

An der aktuellen Umfrage der Bundesarchitektenkammer in Zusammenarbeit mit den Landesarchitektenkammer nahmen in der zweiten Januarhälfte bundesweit fast 4000 selbstständig tätige Kammermitglieder teil. In Baden-Württemberg sind die Ergebnisse nach Angaben der Landesarchitektenkammer aufgrund der Zahl der Teilnehmer repräsentativ. Im vergangenen Jahr hatte es bereits zu Jahresbeginn und zur Jahresmitte Erhebungen mit den gleichen Fragen gegeben.

Jürgen Schmidt

Redakteur Bauen im Land und Wirtschaft

0711 66601-147

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