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Virtuelle Influencer

Königin Katharina wirbt für die Landesbank

Was als Employer Branding begann, ist mittlerweile zu einer LinkedIn-Sensation geworden: Die Landesbank Baden-Württemberg hat Katharina Pawlowna, die von 1816 bis 1819 Königin von Württemberg war und 1818 mit der „Württembergischen Spar-Casse“ den Grundstein für die heutige LBBW legte, in eine virtuelle Influencerin verwandelt.

Auch modisch orientiert sich die virtuelle Influencerin an ihrem historischen Vorbild: Die Rüschenbluse und Hochsteckfrisur wurden aus Gemälden und Büsten übernommen und dann modernisiert. Wer hinter ihrer Stimme und dem Bodydouble steckt, wird von der LBBW auch unternehmensintern unter Verschluss gehalten. Foto: LBBW

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Stuttgart. Als Botschafterin soll sie helfen, neue Bewerber zu gewinnen – mittlerweile tauscht sich Katharina von Württemberg als künstliche Corporate Influencerin bei LinkedIn mit ihren 9000 Followern über Themen wie Leadership und Arbeitswelt aus. Hinter dem einen Profil steckt allerdings eine Vielzahl kreativer Köpfe: Das Projektteam startete mit zehn bis zwölf Personen und zusätzlicher Unterstützung einer Agentur, mittlerweile arbeiten in unterschiedlichen Rollen und Funktionen fünf bis sechs Personen im Hintergrund der virtuellen Katharina.

Hauptverantwortlich ist Alice Hopf, Referentin für Konzernkommunikation und Marketing. „Wir haben jemanden gesucht, der unsere Marke vertritt, und wer kann das besser als unsere Gründerin?“, sagt die Expertin für Employer Branding. Anders als bei komplett neu geschaffenen virtuellen Persönlichkeiten muss bei historischen Personen eine Genehmigung eingeholt werden. Also ging das Team mit der Idee auf das Haus Württemberg zu. Dort sei man begeistert gewesen und seitdem Fan von Katharina, meint Hopf.

Historische Werte in virtueller Verpackung

Die optische Basis für die virtuelle Katharina bildeten mehrere Büsten und Gemälde. „Wir haben uns gefragt, wie sie heute aussehen würde. Typisch ist zum Beispiel ihre Rüschenbluse und die Hochsteckfrisur, deshalb zeigen wir sie auch damit“, erzählt Kristin Herrmann, Leiterin der digitalen Kommunikation. Damit neben dem Look auch der Ton stimmt, gab es Lesestoff vom Haus Württemberg. „Natürlich spricht Katharina heute anders, das ist genauso modern adaptiert wie ihre Kleidung, aber in den Briefen merkt man schon, dass sie eine sehr toughe Frau gewesen ist“, meint Herrmann. Und das soll ihr virtuelles Pendant auch verkörpern.

Während für viele Unternehmen, die weltweit mit KI-Influencern arbeiten, oft die niedrigeren Kosten oder breiteren Einsatzmöglichkeiten im Vergleich zu echten Menschen den Hauptfokus bilden, kann eine virtuelle Person auch Historisches in die heutige Zeit bringen und Unternehmenswerte verkörpern. „Das ist das Besondere, was unsere Kampagne von anderen unterscheidet“, sagt Alice Hopf und ergänzt: „Virtuelle Influencer gibt es inzwischen einige, jedoch vor allem im Bereich Mode und Beauty. In der Finanzbranche stechen wir damit aktuell noch heraus.“

Um Gesicht und Persönlichkeit einen Körper zu leihen, wandern Fotos eines Body-Doubles am Schreibtisch in ein Tool, das mit einem Face-Swap-Modul Katharinas Gesicht auf den Körper setzt. Eine Mitarbeiterin der LBBW mit Sprecherausbildung leiht der virtuellen Persönlichkeit ihre Stimme. Dafür werden Videoaufnahmen angefertigt, aus denen ein anderes Tool im Bewegtbild auch die Mimik erstellt.

„Am Ende ist es nur ein Mausklick, der aus dem Video und dem Bild Katharina macht. Umso mehr Arbeit steckte in der Programmierung, damit es jetzt im Arbeitsalltag einfacher funktioniert“, sagt Alice Hopf. Die Tools seien eigens für die LBBW entwickelt worden und technisch ziemlich fortschrittlich.

Wenn die KI-Katharina in einem Podcast zu Besuch ist, wie etwa im März bei Finanzminister Danyal Bayaz, muss trotzdem noch ein echter Mensch dem Gesprächspartner gegenübersitzen. „Das hat es schon einfacher gemacht, eine natürliche Gesprächsatmosphäre zu entwickeln“, sagt der Grünen-Politiker dazu. Er sei sehr gespannt auf dieses Experiment gewesen und positiv überrascht worden: „Das Projekt ist für mich beispielgebend für den Einsatz von KI-Influencern.“

Sprecherin nimmt Podcast mit Finanzminister auf

Normalerweise sei der Podcast nicht gescriptet, ergänzt sein Pressesprecher. „In dem Fall hatten wir die Gesprächsstruktur relativ detailliert ausgearbeitet, weil Katharinas Sprecherin ja nicht Katharina ist und einfach situativ reagieren kann. Das Gespräch war dann trotzdem sehr lebendig und natürlich.“

Künstliche Intelligenz personalisiert im Social Media

Bereits in den 1980er-Jahren entstanden in Japan erste künstlich erstellte Medienpersönlichkeiten. Heute wird als virtueller Influencer eine Social-Media-Persona bezeichnet, deren Fotos und Videos computergeneriert oder mit Unterstützung von KI entstanden sind. Die Bilder reichen von zeichentrickartigen Figuren bis täuschend echt wirkenden Menschen. Weltweit erreichen einige KI-Influencer Millionen von Menschen und generieren entsprechend hohe Umsätze.

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