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Personalstrategien

Wie sich Unternehmen ihre Fachkräfte sichern

Fachkräfteengpässe führen in der Wirtschaft bereits zu empfindlichen Umsatzeinbußen. Das fordert die Personaler in den Unternehmen heraus. Etwa bei Metabo in Nürtingen, wo man die nächste Generation Fachkräfte aus den eigenen Reihen aufbaut. Unternehmen wie Amann bilden ihre Mitarbeiter dagegen im Verbund mit anderen weiter.

Für die Kampagne „The Chänce“ der Landesregierung wirbt auch Weiterbildungsexperte Bernhard Schanz von Metabo. Hier zusammen mit Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut.

Andreas Kempf)

Nürtingen . „Gut 20 Prozent unserer Mitarbeiter werden in den kommenden Jahren nicht mehr den gleichen Arbeitsplatz haben“, schätzt Oliver Sehorsch. Er ist Personalchef beim Elektrowerkzeughersteller Metabo in Nürtingen. Selbst traditionelle Mittelständler wie Metabo bleiben vom Wandel nicht verschont. Bei dem vor genau 100 Jahren gegründeten Unternehmen spielt die Zusammenarbeit mit der japanischen Konzernmutter Koki eine immer größere Bedeutung.

Entwickelt wird global. Erfahrungen in der Fertigung tauscht man über acht Zeitzonen hinweg aus. Dabei koordiniert Metabo die Vermarktung der Produkte aus Fernost in Europa. Das alles beschert vielen Mitarbeitern neue Zuständigkeiten und erfordert neue Kompetenzen. „Dazu bieten wir unter anderem Kurse für Englisch, interkulturelle Kompetenzen oder Zeitmanagement an“, erklärt Bernhard Schanz, der bei Metabo für die Aus- und Weiterbildung der rund 1700 Beschäftigten zuständig ist.

In Mitarbeitergesprächen werden die Potenziale erörtert

Weiterbildung gehört zum täglichen Brot der Personalpolitik beim Nürtinger Elektrowerkzeughersteller. Auf diese Weise will sich Metabo die nächste Generation von Fach- und Führungskräften aus den eigenen Reihen aufbauen. Um die Potenziale zu heben, werden regelmäßige Mitarbeitergespräche geführt. Die koordiniert Bernadette Pfitzmaier, die selbst von dieser Strategie profitiert hat. Sie hat in Nürtingen als Sachbearbeiterin angefangen und leitet nun ein Team. „Wichtig ist, dass sich die Menschen auch etwas zutrauen“, betont Personalchef Sehorsch. Dabei werden bereits die Auszubildenden in den Fokus genommen. „Die jungen Leute dürfen etwa nach Möglichkeiten suchen, wie Künstliche Intelligenz im Betrieb eingesetzt werden kann“, erklärt Schanz.

David Gross erklärt Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut wie er bei Metabo den Aufstieg vom Industriemechaniker zum Produktentwickler geschafft hat.

All das ist ganz im Sinne von „The Chänce“, der Kampagne der Landesregierung, für die auch Weiterbildungsexperte Schanz auf Plakaten wirbt. „Unsere Unternehmen können nur erfolgreich sein, wenn sie die nötigen Fachleute haben. Wir müssen alles tun, damit sie diese auch bekommen“, betont Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Tatsächlich ist der Mangel an Fachkräften zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Engpass geworden. Nach einer Studie der Forscher vom IW Köln entgehen deutschen Unternehmen 49 Milliarden Euro an Umsatz, weil das Personal knapp ist. Für 2027 wird ein Ausfall von 74 Milliarden Euro befürchtet.

In Bönnigheim bildet der Hersteller von hochwertigen Nähfäden und Stickgarnen Amann zusammen mit den Textilunternehmen Olymp Bezner, Hero Textil und Rich&Royal sowie den Hohensteiner Instituten den Fortbildungsverbund „Next Level Textil“. Hier werden „Young Professionals“ mit Zusatzkursen, Praktika in den anderen Unternehmen und Erfahrungsaustausch mit den Geschäftsleitungen auf ihre Karriereschritte vorbereitet. In Baden-Württemberg bestehen derzeit 20 Verbünde dieser Art, die von der Landesregierung mit 1,8 Millionen Euro gefördert werden. Auch im Elektrohandwerk ist man längst in der Offensive. Insgesamt 25 Millionen Euro haben Bund und Land in den vergangenen zwei Jahrzehnten in den Aufbau des Elektrotechnischen Zentrums in Stuttgart-Bad Cannstatt investiert. Dort sind bislang über 12 000 Frauen und Männern elektrotechnisch weitergebildet worden.

Frauen als neue Fachkräfte im Elektrohandwerk

Große Chancen für Fachkräfte sieht man bei Frauen. „Wenn junge Damen in unseren Beruf einsteigen, dann sind sie meist besonders erfolgreich“, sagt Thomas Bürkle. Der Vizepräsident des Zentralverbands des deutschen Elektrohandwerks hofft deshalb, dass sich noch mehr weibliche Nachwuchskräfte für das Elektrohandwerk begeistern lassen.

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