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Werte spielen beim SEK eine große Rolle

Wenn das Spezialeinsatzkommando (SEK) angefordert wird, ist Gefahr im Verzug, geht es meist um Leben und Tod.
Polizeipräsidium Einsatz)Göppingen. Wenn das Spezialeinsatzkommando (SEK) angefordert wird, ist Gefahr im Verzug, geht es meist um Leben und Tod. Damit solche Einsätze funktionieren, braucht es ein Team, das sich versteht, in dem man sich vertraut, sich zu 100 Prozent aufeinander verlassen kann. Wer zum SEK will, muss daher zahlreiche Anforderungen erfüllen und viele Eignungstests bestehen.
Es braucht einen gefestigten Charakter, Willenskraft, Disziplin, Entschlossenheit, Zielstrebigkeit, Zuverlässigkeit, körperliche Fitness. Außerdem ein „übermäßiges Engagement für die Sache“, nämlich den Schutz der Bürger. „Das steht über allem“, sagt Kommandoführer Benjamin Maier (Namen von der Redaktion geändert). „Das Gesamtpaket muss stimmen.“
Kurz zusammengefasst: Wer zum SEK will, muss „Schneid haben“ und er muss authentisch sein. Für Maier ist das, was gefordert wird, für die spätere Tätigkeit aber unterm Strich „nicht zu viel verlangt“. Denn man gehört nach der Ausbildung zu einer Einheit, nach der keine andere mehr kommt. Die Einsätze sind fordernd und riskant, verlangen Präzision und volle Konzentration. Daher muss ein jeder beim SEK sein Handwerk verstehen und mental fit sein. Das ist nichts für alle. Sportliche Grundfertigkeiten sind für alle Bewerber zwingend, „weil der Unsportliche nicht in kurzer Zeit zum Sportlichen wird“. Der Sporttest ist daher auch einer der ersten Auswahltests, den die Polizisten aus dem mittleren oder gehobenen Dienst, die zum Kommando wollen, absolvieren müssen.
Den Anforderungen werden immer weniger gerecht
Die körperliche Fitness ist nicht nur für den Einsatz wichtig, sondern auch für die Aufrechterhaltung der Gesundheit, sagt Maier. Für Frauen und Männer gelten die gleichen Anforderungen. Ein gutes Alter sei in etwa Mitte 20, es werden aber auch ältere Bewerber zugelassen. Bis 42 Jahre kann man beim SEK aktiv sein.
Danach werden kognitive Fähigkeiten geprüft, die Auffassungsgabe, Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie das Verhalten in Stresssituationen. Das SEK soll personell gestärkt werden. Bewerber gibt es ausreichend. Das Problem ist allerdings, dass immer weniger den hohen Anforderungen gerecht werden, sagt Maier.
Noah Schmid hat die ersten Hürden dagegen bereits gemeistert. Für ihn beginnt im April die Ausbildung. Er hatte sich vor ein paar Jahren schon einmal beworben, damals hat es nicht geklappt. Er weiß, worauf er sich einlässt, sein Vater war über 30 Jahre beim SEK. Er weiß auch noch, wie es war, wenn nachts das Telefon klingelte und der Vater oft nicht da war. Er hat sich daher viele Gedanken gemacht, bevor er die Entscheidung getroffen hat, es noch einmal zu versuchen. Schließlich hat der Anfang 30-Jährige mittlerweile Familie. Seither ist er auch an Berufserfahrung reicher, war etwa in der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit, die wie das SEK beim Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen angesiedelt ist.
Die Ausbildungseinführung dauert 7,5 Monate. Eine Zeit, die ihn fordern wird, die ihn an seine Grenzen bringen wird und darüber hinaus. Eine Zeit, in der er unter Beobachtung stehen wird, in der er aus Fehlern lernen wird. Anders als bei den Auswahltests, weiß er nicht, was auf ihn zukommt. „Das ist eine große Unbekannte.“ Schmid blickt all dem mit Respekt entgegen. „Ich freue mich aber auch, dass ich diese Chance bekomme, das ist etwas Besonderes.“
Der Teamgedanke ist beim SEK essenziell
Aus Fehlern zu lernen, Dinge, die noch nicht gut laufen, besser zu machen, das ist eine Fähigkeit, auf die Maier Wert legt. „Auch wir machen Fehler“, sagt der Kommandoführer. Es brauche eine gesunde Fehlerkultur. Also werden Einsätze nachbesprochen. „Da braucht es eine klare Kommunikation. Man muss sagen, was ist, was nicht gut war, anders funktioniert das nicht.“
Die Mythen, die sich um solche Spezialeinheiten ranken, sind mannigfaltig. Nicht selten wird ihnen ein falscher Korpsgeist vorgehalten. Und doch ist für die Arbeit dieser Einheit der Teamgedanke essenziell. Eine solche Kameradschaft findet man woanders kaum, das Vertrauen ineinander spielt eine wichtige Rolle, genauso die Verbundenheit. Wenn es einen belastenden Einsatz gab, ist es Maier wichtig, dass auch darüber geredet wird.
Das Spezialeinsatzkommando sei eine besondere Einheit, und doch sei es – wie alle anderen Einheiten auch – ein Teil der Polizei Baden-Württemberg. Nicht mehr und nicht weniger. Als Elite will man nicht bezeichnet werden. Jede Einheit in der Polizei habe ihre Aufgaben, am Ende sei man nur stark, weil alle zusammenwirken. Für die Sicherheit der Bürger im Land.
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