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Raunächte im Remstal

Kolumnistin Jule Rona Eccard macht beim Raunächte-Rummel im Remstal mit.
gettyimages via Canva.com, Porträt: Privat)Über den Jahreswechsel wehte ein besonderer Wind durchs Ländle, besonders im Remstal. Als ich in Waiblingen an einer Ampel stand, las ich mit skeptisch hochgezogener Augenbraue auf einem Plakat von einer Veranstaltung mit dem wirklich sehr grün klingenden Titel „Kräuterwissen, Brauchtum und Volksglaube im Winter“ der Landtagsabgeordneten Swantje Sperling. Um die Ecke in Winnenden wird ein Kartenkalender gefertigt, der einen „kurzweiligen Einblick in die Zeit der Raunächte und der magischen Tage um die Wintersonnenwende zwischen Andreastag und Dreikönig“ bieten soll.
Als dann aber meine Familie im besagten Remstal aus heiterem Himmel damit anfing, das genaue Datum der Raunächte zu diskutieren, Wohnungen auszuräuchern und Wünsche auf abends zu verbrennende Zettel zu notieren, fiel mir fast die Astro-App in den Yogi-Tee. Jedenfalls können Neujahrswünsche ans Universum nicht schaden, in einem Gsälzgläsle rumzündeln macht Spaß, und so machte ich beim Raunächte-Rummel mit.
Woher die Nächte ihren Namen haben, weiß übrigens keiner so ganz genau. Vielleicht gehen sie als „Rauchnächte“ auf Weihrauch-Traditionen aus dem 16. Jahrhundert zurück, vielleicht liegt die etymologische Wurzel im mittelhochdeutschen Wort für ‚haarig‘ – das sind die pelzbekleideten Dämonen, die in dieser Zeit ihr Unwesen treiben sollen. Die Rau(h)nächte heißen nicht etwa des rauen Winterwetters wegen so, auch wenn ich auf dem Balkon einen (Kunst-)Pelz gut hätte gebrauchen können, als ich brav meine Zettele verbrannt habe – was immerhin auch ein bisschen Rauch produziert hat.