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Die Ganztagsschule ist ein gesellschaftlicher Fortschritt

Mehr Bewegung, mehr Vereinsangebote, mehr soziale Kontakte. Auch die Grundschüler können vom Ganztagsangebot profitieren.
Frank Hoermann/SVEN SIMON)Ganztag. Ein Wort, das nach Schulverwaltung klingt – und doch eine stille Revolution einläutet. Nach den Sommerferien startet das große gesellschaftliche Projekt. Zunächst erhalten alle Erstklässler einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Jahr für Jahr wächst dieser Anspruch mit.
Hinter „Ganztag“ verbergen sich jedoch weit größere Begriffe als Schulkantine und Hausaufgabenbetreuung: demografischer Wandel, Gleichstellung, Fachkräftemangel, steigende Mieten. Denn wer Kinder betreut, arbeitet weniger und hat weniger Geld – und das sind meist Frauen. Ganztagsangebote eröffnen ihnen die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit zu erhöhen, unabhängiger zu sein, finanziell wie persönlich. Und ganz nebenbei erfüllt sich damit auch ein politischer Wunschtraum: Wenn der Bundeskanzler mahnt, wir müssten mehr arbeiten, liefert der Ganztag die infrastrukturelle Voraussetzung. In einer alternden Gesellschaft ist das kein Luxus, sondern Notwendigkeit.
Die gesellschaftliche Wirklichkeit sieht anders aus
Gleichzeitig wird von manchen politischen Kräften die Rückkehr zur traditionellen Familie beschworen: ein Verdiener, eine betreuende Person, alles übersichtlich. Wer sich das leisten kann und möchte – bitte sehr. Die gesellschaftliche Wirklichkeit sieht anders aus. Ohne zwei Einkommen bleiben für viele nicht einmal Auto und Urlaub, geschweige denn Rücklagen.
Und dann sind da noch die Kinder: mehr Bewegung, mehr Vereinsangebote, mehr soziale Kontakte. Dass die Kommunen solche Mammutaufgaben schultern, ist fast schon ein Ritual: Sie kämpfen um Geld, organisieren Räume, Personal und Konzepte. Und garantieren einmal mehr den Fortschritt.