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Nationalsozialismus

Holocaust-Gedenktag erinnert an den Zivilisationsbruch

Am 27. Januar jährt sich der Tag der Befreiung der Überlebenden von Ausschwitz zum 81. Mal. Der Holocaust-Gedenktag ist den Opfern der Nationalsozialisten gewidmet. In der heutigen Zeit ist das Erinnern dringlicher denn je.
Frau mit dunklem Haar und rosa Blazer schaut nach oben. Hintergrund unscharf.

Muhterem Aras (Bündnis 90/Die Grünen), Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg, nimmt am Landesparteitag der Grünen in Baden-Württemberg teil.

dpa/Marijan Murat)

Stuttgart. Der Holocaust steht bis heute als Synonym für den Zivilisationsbruch des 20. Jahrhunderts. Mehr als sechs Millionen Jüdinnen und Juden wurden von den Nationalsozialisten ermordet, Hunderttausende Sinti und Roma, politische Gegner, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle und weitere verfolgte Gruppen. Den Menschen, die in den zahlreichen Konzentrations- und Vernichtungslagern ihre Hoffnung und ihr Leben lassen und dort leiden mussten, wird seit 2005 mit dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

In Baden-Württemberg wird der Gedenktag 2026 von zahlreichen Veranstaltungen begleitet. Kommunen, Gedenkstätten, jüdische und Kirchengemeinden sowie Kultureinrichtungen und Bildungszentren laden zu Ausstellungen, Lesungen, Filmvorführungen, Vorträgen und stillen Gedenkfeiern ein.

Holocaust-Überlebende Inge Auerbacher in Stuttgart

Im Jahr 2026 ist das Erinnern von besonderer Bedeutung. Acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es kaum noch Überlebende, die als Zeitzeuginnen und Zeitzeugen persönlich berichten können. Eine Zeitzeugin indes ist am Gedenktag, den 27. Januar um 17 Uhr 30, im Hotel Silber in Stuttgart zu Gast: Die Holocaust-Überlebende Inge Auerbacher wurde 1934 geboren und wuchs als Kind strenggläubiger Juden im südbadischen Kippenheim und in Jebenhausen auf.

Im Alter von sieben Jahren wurde sie zusammen mit ihren Eltern in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Sie und ihre Familie überlebten und wanderten 1945 in die USA aus. Seitdem lebt und arbeitet die studierte Chemikerin in New York, kommt aber immer wieder nach Deutschland, um als Zeitzeugin aufzuklären. Bei der gemeinsamen Veranstaltung von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber und der Stiftung Geißstraße wird auch das Buch „Erinnerung für heute und morgen“ vorgestellt, das von ihr mit herausgegeben wurde.

In der Landeshauptstadt gibt es indes mehrere Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag: Am 25. Januar wird im Haus des Dokumentarfilms in Kooperation mit dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg der Dokumentarfilm „Holofiction“ des deutsch-polnischen Regisseurs Michal Kosakowski präsentiert.

Kosakowski hat Jahre lang weltweit Archive besucht und Filme gesichtet, die die Shoah thematisieren. Sein Film setzte er aus Ausschnitten zu einem experimentellen Werk zusammen: Eingeschlagene Schaufensterscheiben, Koffer, die zurückbleiben. Untermalt von Musik des italienischen Komponisten Paolo Marzocchi führt der Film die „Anatomie der Massenvernichtung“ vor Augen. Zudem bietet das Haus der Geschichte die Führung „Ausgegrenzt, verfolgt und ermordet – jüdische Deutsche im Nationalsozialismus“ an, die sich mit Antisemitismus in der Zeit des Deutschen Kaiserreiches und der Weimarer Republik auseinandersetzt.

Mannheim nimmt im Marchivum das Thema „Vereine im Nationalsozialismus“ in den Blick. Nach einer Ansprache des Oberbürgermeisters Christian Specht (CDU) präsentieren Jugendliche aus Vereinen und Verbänden Projektarbeiten zum Thema.

Die Gedenkfeier des Landtags ist in Herbolzheim-Tutschfelden. Dort wird allen Opfern gedacht. 2026 wird aber auch besonders an jene erinnert, „deren Leid zu oft im Schatten blieb: an die verfolgten Jenischen. Ihr Schicksal steht für geraubte Freiheit, zerstörte Familien und jahrzehntelanges Schweigen“, so Landtagspräsidentin Muhterem Aras.

Aras; Viele spüren, dass etwas ins Rutschen gerät

„Den Weg des Erinnerns gilt es immer wieder zu beschreiten, sonst wuchert er zu“, sagte Aras 2025 in ihrer Rede anlässlich des 80. Jahrestags der Befreiung der Vernichtungslager. „Viele von uns spüren, dass wieder etwas ins Rutschen gerät.“ Deshalb brauche es Mut. „Bringen wir den Mut auf, unsere offene Gesellschaft zu schützen“, so Aras.

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