Themen des Artikels

Um Themen abonnieren und Artikel speichern zu können, benötigen Sie ein Staatsanzeiger-Abonnement.Meine Account-Präferenzen

Öffentliche Beschaffung

Mehr Wettbewerb, mehr Aufträge

Die öffentliche Auftragsvergabe bleibt auf Wachstumskurs: 2023 meldeten rund 11.000 Berichtsstellen über 195.000 Vergaben mit einem Gesamtvolumen von 123 Milliarden Euro. Laut Vergabestatistik gibt es dabei nicht nur mehr Wettbewerb, auch der Mittelstand beteiligt sich weiterhin als Bieter.
Balkendiagramm: Anzahl der Angebote nach Auftraggeberart 2023, aufgeteilt in vier Kategorien.

Das Bundeswirtschaftsministerium verzeichnet einen leichten Zuwachs bei der Meldung mehrerer Angebote je Vergabeverfahren.

Bundeswirtschaftsministerium / Gestaltung: Herrgroß)

Berlin . Bereits in den Berichtsjahren 2021 und 2022 habe man aus den Daten der Vergabestatistik wertvolle Erkenntnisse zur öffentlichen Beschaffung in Deutschland gewinnen können, sagt Thomas Steffen, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, das die Daten von rund 11.000 Berichtsstellen auswertet. Daraus lassen sich Trends ablesen. Steffen zufolge habe sich die Zahl der registrierten Berichtsstellen und die Zahl der gemeldeten Vergaben erhöht. Zum anderen verzeichne man im Jahr 2023 einen leichten Zuwachs bei der Meldung mehrerer Angebote je Vergabeverfahren.

Aufträge für kleine und mittlere Unternehmen

„Auch wenn nach wie vor häufig nur ein Angebot einging, ist dieser kleine Trend hin zu mehr Wettbewerb erfreulich“, sagt Steffen. Die Statistiker verzeichnen zudem eine gute Beteiligung des Mittelstands an der öffentlichen Beschaffung. „Auch 2023 haben die Auftraggeber aus Bund, Ländern und Kommunen und sonstige Auftraggeber wieder zu hohen Anteilen kleine und mittlere Unternehmen bezuschlagt. Diese ausgeprägte Mittelstandsfreundlichkeit ist und bleibt uns ein großes Anliegen“, erklärt Steffen.

Die Daten aus der Vergabestatistik haben im Wirtschaftsministerium bereits bei der Erarbeitung von drei aktuellen vergaberechtlichen Gesetzentwürfen der Bundesregierung geholfen: dem Gesetz zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge, dem geplanten Bundestariftreuegesetz und dem Bundeswehr-Planungs- und Beschaffungsbeschleunigungsgesetz, berichtet Steffen. Ziel dieser Vorhaben sei es, die öffentliche Auftragsvergabe in Deutschland zu vereinfachen, zu beschleunigen und weiter zu digitalisieren.

Die Vergabestatistik ist immer noch keine Vollerhebung. Für das Jahr 2023 haben Bund, Länder, Kommunen sowie sonstige Auftraggeber insgesamt 195 493 öffentliche Aufträge und Konzessionen mit einem Auftragsvolumen von 123 Milliarden Euro gemeldet. Davon entfällt mit 35,7 Milliarden Euro der größte Anteil auf Auftraggeber der Bundesebene (ca. 40 Prozent). Die Länder haben für gut 22 Milliarden Euro eingekauft (24 Prozent). Kommunale Auftraggeber sind mit rund 17,9 Milliarden Euro für knapp 20 Prozent verantwortlich.

Bei der Unterscheidung nach Auftrags- und Leistungsart nehmen die Bauaufträge im Berichtszeitraum mit knapp 49 Prozent den größten prozentualen Anteil der Vergaben ein. Dienstleistungs- und Lieferaufträge machen hingegen nur jeweils rund ein Viertel der Gesamtvergaben aus.

Auch gemessen am Auftragsvolumen sind es die Bauaufträge, die 2023 mit gut 37 Prozent den größten Anteil (ca. 46 Milliarden Euro) ausmachen. Darauf folgen Dienstleistungsaufträge mit knapp 42 Milliarden Euro. Diese machen knapp 34 Prozent des Gesamtauftragsvolumens aus. Für Lieferaufträge wurden rund 35 Milliarden Euro ausgegeben, was einem Anteil am Gesamtauftragsvolumen von etwa 28 Prozent entspricht.

Bauvergaben haben auf Ebene der Länder und Kommunen (vor allem im Unterschwellenbereich) großes Gewicht. Auf Bundesebene werden hingegen mehr Liefer- und Dienstleistungsaufträge vergeben. Aufträge mit einem Volumen oberhalb des EU-Schwellenwerts müssen nach europäischem Vergaberecht sowie den entsprechenden deutschen Regelungen europaweit ausgeschrieben werden.

88 Prozent aller Aufträge liegen unterhalb der Schwelle

In der Praxis bleiben Oberschwellenvergaben jedoch die Ausnahme: Rund 88 Prozent aller Aufträge lagen unterhalb der Schwelle und wurden somit nach nationalem Recht vergeben. Dennoch floss der Großteil des Geldes in größere Projekte: Knapp drei Viertel des gesamten Auftragsvolumens – rund 90 Milliarden Euro im Berichtszeitraum – entfielen auf Oberschwellenvergaben.

Im Oberschwellenbereich verzeichnen Bund und Länder mit einem Anteil von jeweils rund einem Viertel knapp mehr als die Hälfte aller Vergaben, während die kommunale Ebene alleine gut 36 Prozent der Aufträge vergibt. Auf sonstige Auftraggeber entfallen knapp 13 Prozent aller oberschwelligen Vergaben.

Nutzen Sie die Vorteile unseres

Premium-Abos. Lesen Sie alle Artikel aus Print und Online für

0 € 4 Wochen / danach 219 € jährlich Nachrichten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in Baden-Württemberg Jetzt abonnieren

Lesen Sie auch