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Unternehmensgründung

Wie ein Heidelberger Start-up Handwerkern das Suchen erspart

Ein junges Unternehmen aus Heidelberg hilft Bau- und Handwerksbetrieben stets den Überblick zu behalten, wo sich Werkzeuge und Geräte befinden. Für sein digitales Erfassungssystem hat es seit der Gründung mehr als 100 Kunden gewonnen. Und 2025 hat das Start-up Wattro erstmals schwarze Zahlengeschrieben.
Mann bedient Touchscreen-Terminal in Werkstattumgebung.

Werkzeuge und Geräte werden vom Terminal am Werkstattausgang erkannt und in einer Datenbank registriert. Handwerksbetriebe wissen so stets, wo sich ihr Arbeitsmaterial befindet.

Wattro)

Heidelberg. Eigentlich wollten Pius Warken und Anton Trojosky ein leichtes, wendiges Elektrofahrzeug entwickeln, dass Handwerker, Caterer oder Lieferdienste als Transporter in Innenstädten einsetzen können. Erfahrungen als Firmengründer hatten der Elektro- und Informationstechnik-Ingenieur und der Physiker bereits zuvor gemeinsam bei dem Heidelberger E-Fahrrad-Hersteller Coboc gesammelt.

Digitale Geräteverwaltung statt Elektrofahrzeug

Doch das neue Projekt erwies sich als komplizierter als erwartet, vor allem wegen der Zulassungen und Genehmigungen, die es für ein solches Fahrzeug braucht. Gemeinsam mit ihren Mitgründern Julius Henn und Bastian Bogner schwenkten Trojosky und Warken deshalb um. Statt eines Fahrzeugs entwickelten sie nun ein System, um die Geräteverwaltung in Unternehmen zu digitalisieren. „Wir haben schon bei Coboc erlebt, dass es ein großes Problem ist, immer zu wissen, wo sich welches Gerät oder Werkzeug befindet“, erzählt Anton Trojosky. Dieses Problem zu lösen sei für viele Unternehmen wichtiger als die Frage, wie sie Dinge zur Baustelle bringen. „Die Handwerker suchen oft die Sachen, die sie transportieren wollen“, fasst er die Herausforderung zusammen.

Digitale Systeme zur Erfassung von Werkzeugen oder anderen Arbeitsmitteln gibt es allerdings schon länger. Diese basieren meist auf QR-Codes an den Geräten und einer Smartphone-App. Doch das setzt voraus, dass die Mitarbeiter, das Gerät bei der Entnahme aus dem Lager selbstständig scannen. „Die Leute machen das allerdings häufig nicht“, beschreib t Wattro -Gründer Trojosky die Schwachstelle.

Gründer setzen auf die Funktechnologie RFID

Das umgeht ihr System mit einer automatisierten Erfassung. Am Ausgang der Werkstatt oder der Lagerhalle steht ein Terminal, das Geräte automatisch erfasst, wenn diese daran vorbeigebracht werden. Eine Software registriert dies und speichert die Entnahme in einer Datenbank des jeweiligen Unternehmens. Schäden, Reparaturbedarf oder Wartungstermine lassen sich im System für jedes Gerät hinterlegen. Und es erlaubt sogar, die Inventur weitgehend zu digitalisieren, weil die Geräte und deren Zustand ja bereits erfasst sind.

Die Wattro-Gründer setzen dabei auf die Funktechnologie RFID, die bisher vor allem in der Logistik eingesetzt wurde. Doch inzwischen sei RFID viel günstiger geworden und lasse sich auch für solche Anwendungen in kleineren Unternehmen gut einsetzen, erklärt Trojosky.

System wird schon in über 100 Betrieben eingesetzt

Klein heißt für das Start-up ab etwa 20 Mitarbeitern, damit sich die Investition für das Unternehmen rechnet. Zum ersten Mal ausgeliefert wurde das System im Herbst 2020. Inzwischen hat Wattro nach Aussage von Trojosky mehr als 100 Kunden, darunter viele Mittelständler aus Handwerk und Bauwirtschaft. Aber auch große Firmen setzen die Geräteverwaltung inzwischen ein. So hat der Maler- und Ausbau-Multi Heinrich Schmid aus Reutlingen einen Rahmenvertrag mit Wattro abgeschlossen und auch der Motorsägen-Spezialist Stihl nutzt das System bereits.

Wirtschaftlich hat sich das neue Geschäftsmodell für die beiden Gründer inzwischen ausgezahlt. Im vergangenen Jahr schrieb das junge Unternehmen erstmals schwarze Zahlen. Entwickelt und produziert wird das System ausschließlich in Deutschland. Inzwischen haben die Tüftler um Trojosky und Warken dafür auch ein Patent erhalten.

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