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Michael Wehner, der Fachmann für politische Bildung

Michael Wehner
Landeszentrale für politische Bildung)Er leitet „die kleine Schwester“ der Stuttgarter Landeszentrale für politische Bildung (LpB), die Freiburger Außenstelle. Seit Jahrzehnten ist er Fachmann für die Möglichkeiten und die Herausforderungen der politischen Bildung. Die Einführung des derzeit wieder aktuellen Wahl-O-Mat hat Michael Wehner maßgeblich mit vorangetrieben.
Für den Honorarprofessor an der Uni Freiburg ist er „ein gutes Einstiegstor“, um komplexe Politik verständlich zu machen. Den „breiten Siegeszug“ kann er auch in Zahlen ausdrücken: Bei der Landtagswahl 2006 griffen 140.000 User zur Möglichkeit, die eigenen Einstellungen mit jenen der Parteien abzugleichen, 2021 waren es schon beinahe zwei Millionen. Auf Bundesebene waren es 2002 rund 3,6 Millionen und 23 Jahren später bei der Bundestagswahl 26 Millionen.
Der 63-Jährige ist, wie er selber berichtet, über Südbaden nie richtig hinaus gekommen. Während einiger Wochen in den USA vor Jahren hätte er sich eine Umorientierung vorstellen können, die er „jetzt unter Trump aber sicher bereuen würde“. Er kam zurück und blieb. Seit 1991 ist Wehner Chef der Freiburger Außenstelle, seit 2020 leitet er außerdem die damals neu geschaffene Abteilung „Regionale Arbeit“ in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ludwigsburg. Sie kooperieren in Kreisen und Gemeinden mit den Trägern der politischen Bildung und engagieren sich in der Erwachsenenbildung, an Schulen, etwa mit auf die jeweiligen Bildungspläne abgestimmten Angeboten.
„Mein Leben ist unspektakulär, aber ich liebe es“, sagt der Pädagoge. Seine Doktorarbeit widmete er 1995 dem veränderten Medien- und Kommunikationsverhalten und den Folgen für die politische Bildung. Seit dem Erstarken der AfD steht sie auf unterschiedliche Weise unter Druck, zum Beispiel wenn Lehrkräfte im Unterricht konkret herausarbeiten, dass bestimmte Positionen der Rechtsaußen-Opposition nicht zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung passen.
Grundsätzlich vertritt die AfD im Landtag die Auffassung, die Arbeit der LpB müsse beschnitten werden. Dabei sei, so Wehner, gerade deshalb politische Bildung „eine unverzichtbare Voraussetzung und Grundlage für urteilsfähige und kompetente Bürger und Bürgerinnen“.
Wenn er nicht selber einschlägige Schriften, Bücher oder Vorträge verfasst, liest er – zum Beispiel seinen Lieblingsautor Peter Bichsel, den im vergangenen März verstorbenen Schweizer. Der habe sich als „Wenigschreiber“ bezeichnet, aber auch als sozialistischen Christen oder christlichen Sozialisten. Gerade in Zeiten wie diesen, findet er, lohne die Lektüre sehr.