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Emotionstraining für die Verwaltung?

Florian Zejewski schreibt in seiner Kolumne über Verwaltung, Emotionen und weitere Diskussionsbedarfe.
inhauscreative via Canva.com, Porträt: Privat)Der Januar. Grau, kalt, finster. Die Zeit der guten Vorsätze und der noch besseren Ausreden, die Zeit der Anfänge und des Neubeginns. Vielleicht etwas emotionaler als sonst? Ich sitze in einem Seminarraum, umgeben von Menschen, die aussehen, als hätten sie sich verlaufen. Ein Emotionstraining ist eine gute Idee, habe ich mir gedacht. Eine Bedienungsanleitung für die Seele.
„Emotionen sind keine Störfaktoren“, sagt die Trainerin, „sondern präzise Handlungsanweisungen des Körpers.“ Ich denke: In der Verwaltung sind Emotionen aber genau das – Störfaktoren. Wir sind trainiert, sie wegzulächeln, in Sachlichkeit zu übersetzen. Der Bürger ist nicht wütend, er hat „Klärungsbedarf“. Die Kollegin ist nicht frustriert, sie hat „Abstimmungswünsche“. Und ich bin nicht genervt, ich „sehe weiteren Diskussionsbedarf“.
Die Trainerin lässt uns eine langsame Übung machen. Es fühlt sich lächerlich an. Und dann, plötzlich, merkwürdig richtig. Als ob der Körper sich an etwas erinnert, das er lange nicht mehr durfte. Kann es sein, dass viele Probleme an unterdrückten Emotionen liegen, die darauf warten, gelebt zu werden? Wir müssen an Verfahren festhalten, die längst nicht mehr funktionieren. Wir ziehen uns aus Konflikten zurück, statt diese auszutragen. Wie wäre es denn, wenn wir uns unseren Emotionen und damit uns selbst widmen?
Die Emotionen sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir verlernt haben, sie als Hinweise darauf lesen, was unser Körper uns sagen will. Vielleicht, denke ich, brauchen wir in der Verwaltung genau das. Ein Emotionstraining. Um besser zu verstehen, was uns antreibt, was uns bremst und was uns im Kern ausmacht.