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175 Millionen Euro werden in die Wasserstoff-Produktion in Baden-Württemberg investiert

Das Land will mit Zuschüssen in Millionenhöhe die Prudktion von grünem Wasserstoff in Baden-Württemberg voranbringen.
IMAGO/Joerg Boethling)Stuttgart. Baden-Württembergs Umwelt- und Energieministerin Thekla Walker hatte die Bedeutung, die sie den neuen Elektrolyseprojekten beimisst, bei der Übergabe der Förderbescheide betont. „Das ist ein erster Meilenstein für die regionale Wasserstoffwirtschaft“, betonte die Grünen-Politikerin. Denn durch die acht neuen Anlagen würden die Produktionskapazitäten im Land mehr als verdoppelt.
Den Bedarf an Wasserstoff, vor allem aus der Industrie im Land, decken die nun geförderten Vorhaben aber nur zu einem geringen Anteil. Eine landesweite Bedarfsabfrage hat für das laufende Jahr 2026 einen Bedarf von 4,7 Terawattstunden an Wasserstoff ermittelt, der sich bis 2030 mehr als vervierfachen soll. Die acht geplanten Elektrolyseure kommen zusammen auf 55 Megawatt (MW). Damit könnten pro Jahr knapp 0,5 Terawattstunden Wasserstoff erzeugt werden, also knapp ein Zehntel der Menge, die von Industrie, Energieversorgern und anderen angemeldet wurde.
Anlagen könnten knapp ein Zehntel des aktuellen Bedarfs decken
Allerdings ist nicht vorgesehen, große Teile des Bedarfs durch Produktion im Land zu decken. Der Löwenanteil soll importiert werden. Doch dazu muss zunächst ein Wasserstoff-Pipelinenetz aufgebaut werden, um das Gas in großem Umfang transportieren zu können.
Für die acht Projekte hat das Land jetzt 50,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Dadurch würden Investitionen von fast 175 Millionen Euro ausgelöst, teilte das Umweltministerium auf Anfrage mit.
Folgende Projekte erhalten Zuschüsse des Landes:
Achern
Die Fischer-Group, ein Hersteller von Edelstahlrohren mit Hauptsitz in Achern plant bei der Energieversorgung eine Komplettlösung. Vor dem Werkstor entstehen zwei Windkraftanlagen, dazu ein 1-MW-Elektrolyseur, der den nicht benötigten Windstrom, vor allem am Wochenende in Wasserstoff umwandeln soll.
Aitrach-Ferthofen
Die Sauerstoffwerke Friedrichshafen wollen an ihrem Standort Aitrach-Ferthofen bei Memmingen einen 5-MW-Elektrolyseur bauen. Der Wasserstoff soll über Gasflaschen und Lkw-Anhänger vertrieben und in Tankanlagen gespeichert werden.
Bruchsal
Der LNG-Terminalbetreiber Deutsche ReGas will in Bruchsal die größte der acht Anlagen errichten, mit einer Leistung von 15 MW. Der Wasserstoff soll der Versorgung lokaler Abnehmer dienen. Auch hier soll die Abwärme für Fernwärme in Bruchsal genutzt werden.
Kehl
Im Hafen Kehl soll ein 1-MW-Elektrolyseur errichtet werden. Bauherr ist die RMA Kehl, ein Hersteller von Teilen für den Leitungsbau. Der grüne Wasserstoff wird über eine Direktleitung zu industriellen Abnehmern transportiert.
Ulm
Aus Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft wollen die Stadtwerke Ulm direkt an der A 8 in einem 10-MW-Elektrolyseur Wasserstoff erzeugen. Der regionale Energieversorger will damit auch die Netze entlasten, wenn zu viel Strom aus erneuerbaren Quellen produziert wird. Der Wasserstoff geht vor allem an die Industrie und Verkehrsunternehmen.
Stuttgart
Im Hafen der Landeshauptstadt können die Stadtwerke Stuttgart ihren Green Hydrogen Hub um eine weitere 3-MW-Anlage aufstocken. Damit steigt die Leistung von neun auf zwölf MW. Die Stuttgarter Wasserstofffabrik gilt als derzeit größtes Elektrolyse-Projekt im Land. Die Inbetriebnahme der ersten drei Abschnitte ist für Ende des Jahres vorgesehen.
Wertheim
Die Stadtwerke Wertheim wollen ebenfalls eine 10-MW-Anlage im Gewerbegebiet Almosenberg bauen. Zum Projekt gehören auch eine Wasserstofftankstelle und eine Abfüllstation für Anhänger. Und auch in Wertheim soll die Abwärme für die Fernwärmeversorgung genutzt werden.
Winnenden
In seinem Entsorgungszentrum in Winnenden will die Abfallwirtschaft Rems-Murr einen 10-MW-Elektrolyseur errichten. Die Kreis-Tochter will gemeinsam mit den Stadtwerken Winnenden eine regionale Versorgung mit grünem Wasserstoff aufbauen. Die Abwärme soll in das Fernwärmenetz eingespeist werden.