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Windkraft, Wasserstoff, Gaskraftwerke: Die EnBW richtet sich strategisch neu aus

Die EnBW muss sich von zwei großen Offshore-Windkraftprojekten trennen und 1,2 Milliarden Euro abschreiben.
dpa/Jens Büttner)Karlsruhe. Irgendwann musste die Reißleine gezogen werden bei zwei riesigen Offshore-Windparks in der irischen See. „Mona“ und „Morgan“ wären ihre Namen gewesen, einige Kilometer vor der britischen Küste entfernt, mit einer Leistung von rund drei Gigawatt, genug Strom für mehr als zwei Millionen Haushalte. Die britischen Behörden hatten alles genehmigt, gebaut wurde jedoch noch nichts.
Der Knackpunkt war die staatliche Förderung: Das britische Umweltministerium hat das Projekt der EnBW mit der Firma Jera NexBP nicht bedacht. „Das war primär für den Rückzug der EnBW“, sagt eine Sprecherin. Dazu kommen höhere Kosten in der Lieferkette und ein schwieriges Marktumfeld. Die Jera NexBP will einen der Windparks dennoch bauen, ohne die EnBW.
EnBW zum Halbjahr 2025 auf Kurs
Der Vorstandschef Georg Stamatelopoulos muss damit leben, dass 1,2 Milliarden Euro für Planungen und Vorarbeiten verloren sind. Den Jahresgewinn 2025 von 4,8 bis 5,3 Milliarden Euro betrifft das allerdings nicht, das Geld wurde schon den Vorjahren abgeschrieben.
Im Landtag gibt es Kritik, der AfD-Landeschef Emil Sänze spricht von „politischem Versagen“, die EnBW sei als „politisches Experimentierfeld für die Energiewende“ missbraucht worden. Für die SPD fordert Gaby Rolland mehr Transparenz von der Landesregierung, Frank Bonath (FDP) meint, der Offshore-Deal sei schon 2021 ein „hochriskantes Geschäft“ gewesen.
Wie riskant war das Windkraft-Geschäft in der Irischen See?
Dem widerspricht Markus Rösler (Grüne): „Das ist sachlich und politisch falsch. Die EnBW hat sich aus anderen Windkraftprojekten nicht zurückgezogen.“ Es seien die veränderten Rahmenbedingungen, daher habe die EnBW eine unternehmerische Entscheidung getroffen. Für die CDU weist Albrecht Schütte darauf hin, dass das Unternehmen fünf Milliarden Gewinn pro Jahr mache, die Entscheidung damals für das Windkraftprojekt habe Sinn gemacht.
EnBW erhält eine Kapitalerhöhung um 3,1 Milliarden Euro
Insgesamt plant der Energiekonzern, der indirekt je zur Hälfte dem Land und den oberschwäbischen Landkreisen gehört, 50 Milliarden Euro Investitionen bis 2030. Ein spannendes Projekt hat Stamatelopoulos aktuell in Saudi-Arabien auf den Weg gebracht: Bei einer Reise mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wurde eine Absichtserklärung mit dem saudischen Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman unterzeichnet, ab 2030 grünen Wasserstoff zu produzieren und als Ammoniak über Rostock in das deutsche Wasserstoffnetz einzuleiten.
„Wir treiben den Aufbau eines verlässlichen Importkorridors für grünes Ammoniak von Saudi-Arabien nach Deutschland voran“, erklärt Stamatelopoulos. Dabei sind weitere Firmen im Boot für die Lieferkette. Solche internationalen Partnerschaften seien entscheidend.
EnBW trennt sich vom Contracting-Geschäft
Bekannt wurde diese Woche auch, dass die EnBW sich von dem Contracting-Geschäft trennt, womit die Wärmeplanung für Kunden übernommen wird. Das dürfte für die Kommunen nicht unwichtig sein, ist aber eher ein kleiner Geschäftszweig. In den Startlöchern steht die EnBW für den Bau neuer Gas- und Dampfkraftwerke als Backup für erneuerbare Energien, hier wartet man noch auf Berlin. Was sagen die Eigentümer zur aktuellen Strategie? Die Staatssekretärin Gisela Splett (Grüne) sieht die EnBW auf einem guten Kurs, die 1,2 Milliarden des Offshoreparks würden sich nicht auf die Bonität oder den Haushalt auswirken.
Die Landkreise sind mit dem Kurs der EnBW zufrieden
B ei den Oberschwäbischen Elektrizitätswerken (OEW) antwortet der Geschäftsführer Oliver Simonek auf die Frage, ob man mit der Arbeit des Vorstandschefs zufrieden sei, mit einem klaren Ja. Die EnBW wird das Windkraftprojekt unter der Überschrift „Lessons learned“ noch einmal darstellen, das begrüße man ausdrücklich. Auch sonst gilt: „Wir bewerten die Investitionen in den Netzausbau und in Gaskraftwerke im Hinblick auf die Versorgungssicherheit grundsätzlich positiv.“ Nach der konfliktreichen Zeit des Ex-Vorstandschefs Andreas Schell, der 2024 gehen musste, hat der neue Chef Georg Stamatelopoulos viel Vertrauen, aber auch Krisen zu meistern.