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Landtagswahl 2026

Manuel Hagel gewinnt im direkten Gespräch an Profil

Manuel Hagel will der jüngste Ministerpräsident Baden-Württembergs werden. Dafür ackert er seit Jahren unermüdlich, setzt auf Dialoge, Konzepte. Medial dringt er oft nicht durch und bleibt wenig greifbar. Doch wer ihm persönlich begegnet, erlebt einen anderen Politiker.
Drei Männer in Anzügen vor blauem Hintergrund.

Manuel Hagel mit den Ministerpräsidenten Boris Rhein (links) und Markus Söder (rechts) in Berlin.

Neele Janssen)

Stuttgart/Berlin. Endlich die große Bühne. Bundespressekonferenz in Berlin am Schiffbauerdamm, unweit von Reichstag, Kanzleramt und ARD-Hauptstadtstudio, Manuel Hagel sitzt auf dem Podium. Neben ihm langweilt sich CSU-Chef Markus Söder, während der hessische Regierungschef Boris Rhein (CDU) ständig verschmitzt zu lächeln scheint. „Willkommen und ein herzliches Grüß Gott“, sagt der 37-jährige Hagel. Weißes Hemd, dunkelblaue Krawatte mit weißen Kringeln darauf, tadellos sitzt der blaue Anzug, wie frisch aus dem Ei gepellt.

Es soll der große Auftritt werden, ein Wahlkampfcoup. Baden-Württemberg, Hessen und Bayern sollen die „Drei-Löwen-Allianz“ gründen. „Wir wollen nicht klagen, wir wollen rein ins Machen kommen“, sagt Hagel. Früher war mal die Südschiene, nun will Hagel in den Kreis der Unions-Ministerpräsidenten aufsteigen und sich mit ihnen bei Initiativen abstimmen.

Lifestyle-Teilzeit zerschießt die Strategie

Doch das mediale Interesse wird überlagert von der Debatte um „Lifestyle-Teilzeit“, die der Wirtschaftsflügel vom Zaun gebrochen hat. Fast tragisch: Während der Konkurrent Cem Özdemir von Talkshow zu Spiegel-Interview tingelt, bleibt Hagel medial oft noch unscheinbar.

Radikaler Szenenwechsel: Europa-Park in Rust, Manuel Hagel erhält von der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte die „Goldene Narrenschelle“, so etwas wie das Bundesverdienstkreuz in der närrischen Szene. Er trägt die Kleidung seiner Heimatzunft Spritzenmuck aus Ehingen mit dem charakteristischen grauen Zylinder.

Manche Sätze wirken wie auswendig gelernt

Ein Heimspiel, Hagel ist seit der Kindheit in der Fasnet zu Hause, seine drei Kinder ebenfalls, wie er bekennt. Der gelernte Bankfachwirt spricht Schwäbisch, das ist hier ein Vorteil. Auf Instagram sagt er dann förmlich: „Die Fasnet steht für Brauchtum, sie steht für Zusammenhalt, für unsere Traditionen.“

Wie Hagel die Goldene Narrenschelle erhält

Obwohl sich Hagel hier zu fühlen scheint, solche Sätze wirken wie auswendig gelernt. Das könnte ein Grund dafür sein, dass der CDU-Multifunktionär für viele Bürger immer noch schwer greifbar ist. Zu perfekt wirkt die Inszenierung oft. Selbst jetzt, wo der Ehinger landesweit in Baustellenmontur von Plakaten schaut, können wenig Baden-Württemberger ihn einordnen.

Der Kandidaten gewinnt im persönlichen Gespräch

Das ändert sich aber, sobald man ihm persönlich begegnet. Im direkten Gespräch verzichtet Hagel, der schon mit 28 Jahren CDU-Generalsekretär einer zerstrittenen Partei wurde und sie geeint hat, auf jedwede Floskelei.

Im Dialog begegnet dem Beobachter ein wissbegieriger junger Politiker, der sich von vielen Experten beraten lässt und unkonventionelle Ideen hat. Der 37-Jährige hat die Fähigkeit, sich ganz auf sein Gegenüber zu konzentrieren, kann sich am Details aus früheren Gesprächen erinnern.

Eine Analyse zur Landtagswahl finden Sie hier.

Hagel ist für einen Politiker noch jung an Jahren, doch er sammelt Ratgeber aus allen Bereichen um sich und diskutiert oft mit Andersdenkenden. Es wirkt so, als sauge er die Erfahrung wie ein Schwamm in sich auf. Wich er vor drei Jahren in Hintergrundgesprächen auf Fragen noch mit Parteislogans aus, gewinnt er an Selbstsicherheit. Hagel ist gut vernetzt in die Bundespartei, nicht zuletzt als Sprecher aller CDU-Landtagsfraktionschefs.

Wirtschaftskompetenz als Schlüsselstrategie

Sein neuster Coup: Ein Wirtschaftsrat unter dem Vorsitz des ehemaligen Wirtschaftsweisen Lars Feld, der ihn beraten soll. Oder der ehemalige Landkreistagpräsident Joachim Walter, der eine Kommission leitet, die eine Verwaltungsreform vorbereiten soll. In diesen Kreisen abseits der medialen Öffentlichkeit entwickelt der CDU-Spitzenkandidat Ideen, die er als Ministerpräsident umsetzen will.

Diese Stärke spielt Hagel zum Beispiel bei einem Firmenbesuch bei Erbe Elektromedizin in Rangendingen im Zollernalbkreis aus. Eine Neuansiedlung, ausgelagert vom Firmensitz in Tübingen. Der parteilose Bürgermeister Manfred Haug strahlt: „Ein Hauptgewinn für unsere Gemeinde.“

Manuel Hagel mit Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut in Rangendingen bei der Firma Erbe.
Binkowski)

Manuel Hagel: Die Hütte brennt bei der Industrie

Der Landrat Günther-Martin Pauli (CDU) schwärmt von den neuen Arbeitsplätzen und der Gewerbesteuer. Hagel geht auf jeden einzelnen Mitarbeiter zu und schüttelt ihm die Hand. Das dauert eine Zeitlang, kommt aber gut an. Wen er kennt, mit dem wechselt er ein persönliches Wort. Als eine Mitarbeiterin ein Selfie für ihren Sohn will, nimmt der 37-Jährige das Handy, hält die Kamera auf sich und die Mutter und spricht eine Videonachricht auf.

Hier ist der Kandidat nahbar und greifbar. Aufmerksam läuft er mit dem Standortleiter durch die modernen Gänge und Labore. In einem Reinraum hinter einer Scheibe werden medizinische Schläuche hergestellt, mit denen man Sauerstoff in Lungen messen kann.

DIe Wirtschaft im Land halten

Doch auch dieses hoch spezialisierte Geschäft ist durch Donald Trumps Zollpolitik gefährdet. „Wir überlegen, die Produktion in die USA zu verlegen“, sagt der Standortleiter. Hagel kennt das nur allzu gut. „Und was ist mit Forschung und Entwicklung?“, fragt er, kennt die Antwort aber bereits: „Die kommen dann direkt hinterher.“ Dennoch produziert die Firma des BWIHK-Präsidenten Christian O. Erbe weiterhin in Baden-Württemberg und Deutschland.

Das ist es, was Manuel Hagel umtreibt. „Die Hütte brennt“, sagt er dann, die Industrie sei in Gefahr wie noch lange nicht. Dafür Gegenstrategien zu entwickeln, das hat er sich abseits allen Wahlkampfgeklingels auf die Fahnen geschrieben. Es ist auch ein Thema, bei dem der CDU-Politiker authentisch wirkt.

Auf Augenhöhe mit dem EnBW-Chef

Als ehemaliger Filialdirektor der Sparkasse Ulm, was in der Hierarchie irgendwo zwischen Filialleiter und Bankdirektor liegt, kennt er sich aus mit Krediten, Finanzierung und den inneren Mechanismen der Wirtschaft. Auf dem Weg zum Firmenbesuch hat ihn der EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos angerufen. Was besprochen wird, ist vertraulich, doch Hagel ist sofort auf Augenhöhe, wenn es um finanztechnische Details geht.

Vielleicht ist das ja die Mission des Mannes, der sich anschickt, nach 15 Jahren die Villa Reitzenstein für die Union zurückzuerobern. Zwar nennt er auch Erwin Teufel sein Vorbild, doch eigentlich will er Lothar Späth nacheifern, dem „Cleverle“, der den Standort Südwesten modernisieren und noch viel besser verkaufen konnte. Nach dem Firmenbesuch verewigt sich Hagel mit einer Unterschrift auf überdimensionierten Firmenbuchstaben im Foyer. Schon geht es weiter zum nächsten Termin, der Wahlkampfkalender ist unerbittlich. Doch Hagel sieht man nie schlecht gelaunt. Mit diesem Optimismus gewinnt er doch langsam Profil.

Der Spitzenkandidat ganz nahbar beim Firmenbesuch im Zollernalbkreis.
Binkowski)

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