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Ein Kulturbotschafter mit internationaler Strahlkraft

Der Gründer der Internationalen Bachakademie, Helmuth Rilling, war eine herausragende musikalische Persönlichkeit. Foto: Hermann Wöstmann
Hermann Wöstmann)Stuttgart. Am 11. Februar 2026 ist Helmuth Rilling im Alter von 92 Jahren gestorben. Mit ihm verliert Baden-Württemberg eine seiner prägenden musikalischen Persönlichkeiten – einen Dirigenten, Pädagogen und unermüdlichen Kulturvermittler, der das Musikleben des Landes über Jahrzehnte geprägt und weit über seine Grenzen hinausstrahlen ließ.
Geboren 1933 in Stuttgart, blieb Rilling seiner Heimat stets eng verbunden. Von dort trat er seinen Weg in die internationale Musikwelt an und entwickelte seine Vision einer lebendigen, geistig durchdrungenen Aufführungspraxis, besonders für die Werke von Johann Sebastian Bach.
Rilling machte Stuttgart zum Zentrum der Vokalmusik
1954 gründete er die Gächinger Kantorei, 1981 folgte die Gründung der Internationale Bachakademie Stuttgart, die er über drei Jahrzehnte leitete und Stuttgart zu einem Zentrum der geistlichen Vokalmusik machte. Außerdem war er ab 1957 als Kirchenmusiker und später als Hochschul-Professor tätig. Generationen von Sängern und Dirigenten wurden von ihm geprägt.
Legendär waren Rillings Gesprächskonzerte. Er dirigierte nicht nur – er erklärte, ordnete ein, stellte Bezüge her. Zwischen Arie und Choral wandte er sich ans Publikum, sprach über Theologie, Zeitgeschichte oder kompositorische Feinheiten und machte deutlich, warum diese Musik bis heute existenziell berührt.
International wirkte Rilling ebenfalls als Brückenbauer, etwa mit dem von ihm gegründeten Oregon Bach Festival in den USA. Er unterhielt enge Beziehungen zum Israel Philharmonic Orchestra, brachte Werke von Haydn, Mozart und Brahms ebenso zur Aufführung wie zeitgenössische Kompositionen und erhielt zahlreiche Preise. 1990 dirigierte er die Berliner Philharmoniker beim Staatsakt zur deutschen Wiedervereinigung.
Kein Mann großer Gesten, sondern klarer Gedanken
Rillings Autorität speiste sich aus Wissen, Disziplin und innerer Überzeugung. Er war kein Mann großer Gesten, sondern klarer Gedanken. 2018 verabschiedete er sich von der Bühne. Mit ihm verliert das Land einen kulturellen Botschafter. (ems/sta)