Themen des Artikels
Um Themen abonnieren und Artikel speichern zu können, benötigen Sie ein Staatsanzeiger-Abonnement.Meine Account-Präferenzen
Verbände fordern Änderungen bei Windkraftausschreibungen

In Baden-Württemberg wurden 2025 rund 100 Windkraftanlagen genehmigt. Gebaut sind sie allerdings noch nicht. Denn dazu ist ein Zuschlag bei den Ausschreibungen notwendig.
dpa/BW-Foto/Eibner-Pressefoto)Stuttgart. In Baden-Württemberg wurden 100 Anlagen im vergangenen Jahr genehmigt. Doch sie sind noch nicht gebaut. Denn: Bei den stark überzeichneten Ausschreibungen des Bundes erhalten Windräder in Süddeutschland kaum noch Zuschläge. Ein Fehler, ist man bei der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg und dem Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) Bayern überzeugt.
„Die heutigen Ausschreibungsregeln führen nicht zu einem ausgewogenen Ausbau – süddeutsche Potenziale bleiben weitgehend ungenutzt, obwohl sie energiewirtschaftlich dringend gebraucht würden“, sagt Jürgen Scheurer, Geschäftsführer der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg. Hintergrund ist, dass die Ausschreibungen für Windkraft seit dem letzten Quartal 2024 ständig überzeichnet sind. Hinzu kommt, dass die Zuschlagspreise sinken. Derzeit sind sie so niedrig, dass Anlagen in Süddeutschland quasi keine Zuschläge mehr bekommen.
Neue Studie vorgelegt
Die beiden Verbände haben am Donnerstag eine neue Studie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft vorgelegt. Danach würde ein stärkerer Ausbau der Windkraft in Süddeutschland Kosten sparen, sowohl beim teuren Netzausbau, um den Windstrom vom Norden in den Süden zu transportieren, als auch bei den Redispatchkosten. Diese Kosten fallen an, wenn Windkraftanlagen im Norden abgestellt werden und gleichzeitig Kraftwerke im Süden hochgefahren werden müssen, um Engpässe zu beseitigen und das Stromnetz stabil zu halten. Allein hier geht es aktuell um 1,9 Milliarden Euro jährlich, die eingespart werden könnten, so die Ergebnisse der Studie.
Die Studie macht deutlich, dass der heute marktgetriebene starke Ausbau der Windkraft im Norden energetisch weniger bringt, als es die installierte Leistung vermuten lässt. Denn durch Abregelung geht im Norden ein Großteil der zusätzlichen Energiemengen verloren. Ein regional ausgewogenerer Ausbau führe zwar zu etwas weniger erzeugtem Windstrom, bringe aber insgesamt deutliche wirtschaftliche und systemische Vorteile: weniger Abregelung, weniger Engpässe und geringerer Bedarf an zusätzlichem Nord-Süd-Netzausbau und damit verbunden auch geringere Kosten bei der Energiewende.
Verbände: Realistische Chancen für Windparks im Süden notwendig
Die Verbände fordern deshalb realistische Chancen für Windparks im Süden bei den Ausschreibungen. Eigentlich soll das Referenzertragsmodell, das bei den Ausschreibungen angewandt wird, auch schwächeren Windstandorten eine Chance geben gegenüber sehr windstarken Regionen. „In der Praxis aber werden Standorte mit einer Standortgüte unter 60 Prozent nicht gleichmäßig kompensiert, sondern überproportional benachteiligt“, erklärt Ariane Lubberger, Geschäftsstellenleiterin des LEE Bayern. Und Jürgen Scheurer ergänzt: „Wir brauchen eine andere Regelung für Windparks im Süden Deutschlands, damit sie in den Ausschreibungen wieder realistische Chancen auf einen Zuschlag haben.“ Moderat höhere Förderkosten für Anlagen an weniger windstarken Standorten würden durch sinkende Systemkosten mehr als aufgewogen.
Bis 2040 werden nach Angaben von Jörg Dürr-Pucher, Vorsitzender der Plattform Erneuerbare Energien, in Baden-Württemberg 30 Terawattstunden Windstrom benötigt. In Anlagen umgerechnet seien 2500 bis 3000 Windkraftanlagen dafür notwendig. Derzeit gebe es im Land unter 1000. Denn ein steigender Strombedarf könne nicht allein durch große HGÜ-Leitungen wie Südlink, die Windstrom vom Norden in den Süden transportieren sollen, oder Strom aus der Schweiz oder Österreich ausgeglichen werden.