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OB-Wahl

OB Rapp stellt sich in Ravensburg einer bunten Riege von Herausforderern

Beim Ravensburger Oberbürgermeisterwahlkampf geht es um Wohnungsbau, Klimawandel und um den Draht zu den Göttern. Ein Kandidat hatte sogar schon das Bundesverfassungsgericht beschäftigt.
Mehrere Personen in einer gepflasterten Straße vor einem Turm, bunte Sonnenschirme.

Der OB-Posten in der pittoresken Oberschwaben-Metropole Ravensburg wird am Sonntag neu vergeben.

IMAGO/Volker Preusser)

Ravensburg. Zur Oberbürgermeisterwahl in Ravensburg treten vier Männer an, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Dass der 53-jährige Amtsinhaber Daniel Rapp am 8. März die dritte Amtszeit in der knapp 51 000-Einwohner-Stadt klarmacht, wollen der 23 Jahre alte Baumpfleger und Klimaaktivist Samuel Bosch, der 29-jährige Gastronom Umut Bulut sowie ein als Journalist firmierender Druide namens Roman Urban verhindern.

Amtsinhaber Rapp sieht Bildung, Wohnen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt als wichtigste Punkte seiner Agenda. Die Schullandschaft in Ravensburg stehe vor einem Umbruch, die Gebäudeumnutzung einzelner Schulen werden die größten Investitionen in den kommenden Jahren nach sich ziehen. Mehr Wohnungen sollen unter ungenutzten Dächern entstehen. Bauen auf städtischem Grund, aber in Erbpacht, soll beim Geschosswohnungsbau die Kosten dämpfen. Damit die Stadt bald über mehr als nur 400 eigene Wohnungen verfügt, soll eine Wohnungsbaugesellschaft her. Schließlich will der promovierte Jurist das Miteinander stärken, indem er Vereinsräume zur Verfügung stellt.

Klimakonsens inspiriert zur OB-Kandidatur

Zu zaghaft, zu mutlos: So bilanziert Samuel Bosch die Arbeit des amtierenden OB. Der Klimaaktivist, den ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jugendarrest geholt hat, lobt den Klimakonsens in Ravensburg. Die Zielvereinbarung zur Klimaneutralität bis 2040 hat der Gemeinderat abgesegnet, nachdem Bürger, Räte und Interessenvertreter ihn vorbereitet hatten – für Bosch ein Modellverfahren. Doch an der Umsetzung hapere es, deshalb will Bosch OB werden.

Mit der Expertise im Rathaus will er seine fehlende Verwaltungserfahrung ausgleichen. Als OB sieht Bosch sich als Scharnier zwischen Stadt und Rathaus. Er würde den ÖPNV ausbauen, Kitas kostenlos machen, das Wärmenetz mit regenerativ erzeugter Wärme betreiben und auf jedem Kommunalgebäude eine Fotovoltaik-Anlage installieren – letzteres fordert auch Rapp.

Bosch ist damit der einzige Herausforderer, der eine politische Agenda verfolgt. Mitbewerber Umut Bulut machte sich bei der Kandidatenvorstellung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt stark. Ein Gespräch dazu mit dem Staatsanzeiger kam nicht zustande. Druide Roman Urban mied die Kandidatenvorstellung, doch verspricht er in einem knapp einstündigen Online-Video ein Goldenes Zeitalter mit Frieden, Sicherheit und Quellwasser für alle. Zur Einschätzung, dass Urban Anleihen an völkischer Ideologie nehme, passen Sprüche wie „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“. Schließlich knüpfe das Goldene Zeitalter einen Draht zu höheren Gottwesen.

Bei CDU-Kundgebung tritt der OB nicht auf

Zumindest die hohe Politik kommt am heutigen Freitag nach Ravensburg, die Landes-CDU beendet dort den Wahlkampf. Bundeskanzler Friedrich Merz und Spitzenkandidat Manuel Hagel treten auf, nicht aber OB Rapp. Er habe nicht um den Termin gebeten, obwohl der OB seinen Appell ans Land hätte richten können: Kinder bräuchten einen besseren Grundschulstart. Das letzte Kindergartenjahr müsse verpflichtend und damit kostenlos werden, bezahlt vom Land. Rapp wird das aber nicht auf einer Parteiveranstaltung fordern. Als OB will er neutral erscheinen.

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