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Kandidatenquintett bewirbt sich um Chefposten im Eislinger Rathaus

Im neuen Eislinger Rathaus direkt an der Bahnlinie braucht es einen neuen Chef. Darüber entscheiden am Sonntag die Bürgerinnen und Bürger. OB Klaus Heininger tritt nach zwei Amtsperioden in Eislingen ab.
Stadt Eislingen)Eislingen. Sicher im Zentrum des Interesses der Eislinger Wähler stehen am Sonntag die beiden Verwaltungsprofis Anja Sauer und Oliver Marzian. Sauer hat nach vier Jahren als Bürgermeisterin in Römerstein (Kreis Reutlingen) ihre Fühler nach Eislingen ausgestreckt, was in ihrer Heimatgemeinde auf Verständnis stoße: Ein Wahlerfolg in der gut 22 000 Einwohner großen Stadt im Landkreis Göppingen werde ihr in Römerstein gegönnt. Die Wirtschaft will die 50-Jährige in den Mittelpunkt stellen, gerade in schlechten Zeiten könne die Kommune heimische Unternehmen unterstützen. Bei der anstehenden Stadtentwicklung, Eislingen steht vor einer Umgestaltung des Zentrums, will sie mit Vernunft herangehen, eine Wohnungsbaugesellschaft gründen, die Kita-Gebühren geldbeutelgerecht machen und Schulden im Auge behalten.
Unterschiede zum bisherigen Amtsinhaber
Das macht Oliver Marzian als Kämmerer und Fachbereichsleiter Bürgerdienste der Stadt an der Fils bereits qua Amt, nun will er aber den OB-Einfluss gewinnen. Bildung, Stadtentwicklung und Wirtschaft lautet sein thematischer Dreiklang. Von Geburt an sollen alle kleinen Eislinger in sicheren Strukturen aufwachsen bei Kita, Ganztagesangeboten und weiterführenden Schulen. Marzian möchte die Chancen ausschöpfen, die sich mit dem geplanten Abriss einer Bahnbrücke für die City ergeben. Der 53-Jährige will die Wirtschaft zur Chefsache machen – ein Punkt, in dem er sich von seinem bisherigen Chef unterscheide. Er pflege einen anderen, eher kooperativen Führungsstil und entstamme einer jüngeren Verwaltungsgeneration als sein jetziger Chef – allein Kontinuität hätten die Eislinger mit ihm also nicht zu erwarten.
Marzian hat einen bekennenden Fan unter den Kandidierenden, nämlich Andreas Cerrotta, den Fraktionschef der Freien Wähler. Der 57-jährige Physiotherapeut mit eigener Praxis in Eislingen will seine mangelnde Verwaltungserfahrung durch Experten im Rathaus wie Marzian („Als Kämmerer!“) ausgleichen. Für Cerrotta soll der OB ein Gestalter und kein Verwalter sein. Die Aufgaben des Schulbaus haben für ihn Priorität Nummer eins, gefolgt von der Infrastruktur, Stichworte hier sind Verkehrsbündelung zur Entlastung der Innenstadt und ein besseres Parkraummanagement. Mit der örtlichen Wirtschaft will der 57-Jährige ein Dialogforum etablieren. An der Bekanntheit dürfte Cerrotta nicht scheitern, bei der Kommunalwahl 2024 war er mit 5420 Stimmen Eislinger Stimmenkönig.
Wohnungsbaugesellschaft wird oft gefordert
Etwa die Hälfte der Stimmen hatte damals Uwe Reik gewonnen. Bekannt dürfte der langjährige Rat aber trotzdem sein, denn nach einem Streit mit seiner SPD hat er deren Fraktion verlassen und zog auf seiner eigenen Liste 2024 ins Gremium ein. Dass diese Episode die Arbeit im Rat erschwere, falls er OB wird, glaubt der 52-Jährige nicht. Seine fehlende Verwaltungserfahrung will er mit anderen Kompetenzen wettmachen, zum Beispiel durch seinen Blick auf die Infrastruktur, den er als Elektroinstallateurmeister und Betriebswirt bei Netze BW mitbringe. Seine wichtigsten Themen sind Wohnungsbau – Eislingen brauche eine Wohnungsbaugesellschaft –, die Entwicklung zur klimaresilienten Stadt sowie mehr Gewerbegebiete, um Arbeitsplätze, Einwohner und Wirtschaft vor Ort zu halten.
Die Wirtschaft spricht auch der fünfte Kandidat an, Ralph Kraus will aber die Gewerbesteuer senken, um die Betriebe zu entlasten, und durch Wachstum Kita-Gebühren und kostenlose Schulmittagessen finanzieren. Außerdem fordert der Stadtplaner Mobilität für Jung und Alt. Parteien in der Kommunalpolitik steht Kraus skeptisch gegenüber, deshalb hat der 45-Jährige zweimal auf Bürgerlisten für den Gemeinderat kandidiert, 2019 bei den Freien Wählern und 2024 bei der Liste von Uwe Reik, jeweils erfolglos. Kurzzeitig hat Kraus in der Eislinger Verwaltung gearbeitet, ging aber nach Differenzen mit dem Arbeitgeber wieder in die Wirtschaft. Während der Corona-Zeit hielt er sich bewusst nicht an die Maskenpflicht, was ihm juristischen Ärger eingebracht hat.
Zweiter Wahltermin in zwei Wochen
Wenn man sich in Eislingen umhört, gehen viele von einem zweiten Wahlgang aus. Dieser findet am 22. März statt. Dann wird endgültig geklärt sein, wer auf den aktuellen Rathauschef Klaus Heininger folgen wird. Der parteilose Kommunalpolitiker tritt nach zwei Amtsperioden nicht mehr an; zuvor war der 64-Jährige seit 2001 Bürgermeister in Birenbach (Kreis Göppingen). Oberbürgermeister wurde Heininger am 1. Januar 2012, damals erhielt Eislingen den Titel „Große Kreisstadt“.