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Ein Konzert mit und für Maria Kalesnikava

Maria Kalesnikava (Mitte) hat über fünf Jahre in Haft in Belarus überstanden, heute tritt sie erstmals wieder in Stuttgart auf.
dpa/REUTERS/Wolfgang Rattay)Stuttgart. Maria Kalesnikava ist eine Berühmtheit. Sie ist Gast in Talkshows, bei Empfängen und öffentlichen Veranstaltungen. Im Januar war sie zum Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier geladen. Meist drehen sich die Gespräche dann um die vergangenen sechs Jahre, in denen sich Kalesnikava in Belarus politisch engagierte und verhaftet wurde.
Im Dezember vergangenen Jahres kam Kalesnikava unter großer internationaler Anteilnahme nach über fünf Jahren frei. Am heutigen Freitag ist die Flötistin und Alumna der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart (HMDK) erstmals wieder in der Landeshauptstadt.
Mit dem Konzert „Klänge der Freiheit – Konzert für und mit Maria Kalesnikava“ wird sie an der HMDK gefeiert – als Musikerin, politische Aktivistin und mutige Frau. „Maria Kalesnikava steht beispielhaft für den Mut einer Künstlerin, die ihre Stimme nicht zum Schweigen bringen ließ. Ihre Freilassung erfüllt uns mit tiefer Dankbarkeit und großer Hoffnung“, erklärte Rektor Axel Köhler im Dezember 2025. „Stuttgart war und ist ein Ort, an den sie gehört – als Alumna, als Kollegin, als Freundin.“
Faust, Victory-Zeichen und das Herz als Markenzeichen
Nichtsdestotrotz lebt Kalesnikava seit ihrer Freilassung in Berlin. Schlagartig über die Grenzen hinaus bekannt wurde sie im Jahr 2020, als sie mit Swjatlana Zichanouskaja und Weranika Zepkala in ihrem Heimatland Belarus zum Präsidentschaftswahlkampf gegen den regierenden Alexander Lukaschenko antrat.
Der Grund war die Verhaftung des Oppositionspolitikers Wiktar Babaryka. Das Trio gewann beim Volk schnell Sympathie. Die in den Himmel gereckte Faust, das Victory-Zeichen und die mit den Händen geformten Herzen waren deren Markenzeichen. Kalesnikava hatte das Herz für sich gewählt und wurde damit bekannt.
Im September 2020 wurde sie gefangen genommen, ein Jahr später zu elf Jahren Lagerhaft verurteilt. Mehr als fünf Jahre verbrachte sie in Gefangenschaft. Während dieser Zeit setzten sich zahlreiche Menschen und Institutionen für ihre Freilassung ein.
Auch in Stuttgart, wo Kalesnikava an der HMDK Alte und Zeitgenössische Musik studierte, gab es massive Proteste und viele solidarische Veranstaltungen, Demonstrationen, Petitionen, Lesungen, Mahnwachen.
Die zentralen Initiatorinnen waren dabei die Saxofonistin Nikola Lutz, die Regisseurin Jasmin Schädler, die Sängerin Viktoriia Vitrenko sowie Christine Fischer, die Intendantin von Musik der Jahrhunderte, die bei dem Konzert, wie auch Kunstministerin Petra Olschowski (Grüne), dabei sein wird.
Eine hartnäckige und kreative Erinnerungsarbeit
„Was die Stuttgarter Kulturszene in diesen fünf Jahren geleistet hat, ist bemerkenswert: keine einmalige Empörungswelle, sondern eine hartnäckige, kreative und institutionell verankerte Erinnerungsarbeit – getragen von Menschen, die Kalesnikava persönlich kannten und nicht aufgehört haben, ihren Namen laut auszusprechen“, so Jörg Schmidt, Sprecher der HMDK.