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Wie die Steine- und Erdenindustrie bei Youtube gegen die Bürokratie kämpft

Mit dem Film "Was nützen Steine ohne Scheine?" versucht die Baustoffindustrie auf ihre Probleme mit langwierigen Genehmigungsverfahren aufmerksam zu machen.
Industrieverband Steine Erden Baden-Württemberg)Stuttgart. Die Steine- und Erden-Industrie gehört nicht zu den Branchen, die in der Öffentlichkeit und auch der Politik ständig im Fokus stehen. Dabei hat der Wirtschaftszweig gerade in Zeiten maroder Infrastruktur und massenhaft fehlender Wohnungen eine enorme Bedeutung. Denn 85 Prozent der in Baden-Württemberg gewonnenen Steine, Sande und anderer mineralischer Rohstoffe gehen in den Hoch- und Tiefbau im Land. Wenn dieser durch das Infrastrukturpaket des Bundes nun deutlich ausgeweitet wird, könnte es in absehbarer Zeit zu Engpässen kommen, warnen der Bundesverband Mineralische Rohstoffe (MIRO) und der Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg (Ist). Denn die Genehmigungsverfahren für die Erweiterung oder Neuerschließung von Abbaustätten dauern in Baden-Württemberg im Durchschnitt acht Jahre, im Einzelfall auch noch deutlich länger.
Filmtitel: Was nützen Steine ohne Scheine?
Die beiden Spitzenverbände haben deshalb einen Film in Auftrag gegeben, der die Belastungen der Branche durch die Bürokratie in leicht verständlicher Form vermitteln soll. Der Titel mit Blick auf das Investitionspaket des Bundes: Was nützen Scheine ohne Steine?
Produziert hat den Film der Kölner Regisseur und Moderator Søren Eiko Mielke. Der hatte schon 2019 den Streifen „1 Kilo Steine pro Stunde“ für die Baustoffproduzenten gedreht und dafür in der Kategorie „Wirtschaft gut erklärt“ den Deutschen Wirtschaftsfilmpreis gewonnen. In dem neuen, gut dreißig Minuten langen Film ist Mielke auch sein eigener Hauptdarsteller, der Unternehmer, Verbandsvertreter aber auch Politiker und Normalbürger zum Thema interviewt und dabei manchmal ganz entfernt an Hape Kerkerlings Horst Schlämmer erinnert.
OB Boris Palmer: Wir brauchen ein gewisses Maß an Bürokratie
Bei der Premiere am Mittwoch in Stuttgart gab es Lob aber auch Kritik. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer , der für die anschließende Podiumsdiskussion eingeladen war, meinte: “ Der Film ist brillant, weil er die eigentlichen Themen der Bürokratie in diesem Land toll herausarbeitet.“ Gleichzeitig schimpfte der Ex-Grüne aber über den Schluss des Films, in dem Mielke mit einem Bulldozer alle Akten einer fiktiven Genehmigungsbehörde zermalmt. Das sei das falsche Signal, denn es brauche Regeln und auch ein gewisses Maß an Bürokratie. Diese Meinung vertrat auch das Iste-Präsidiumsmitglied Christa Szenkler. „ Wir brauchen Bürokratie, sonst gibt es Willkür. Aber diese Bürokratie muss seriös sein und darf sich nicht in Schattenregelungen und Goldplating aufhängen“, sagte sie.
Ideal wäre, wenn Genehmigungsverfahren für neue Steinbrüche künftig in spätestens drei Jahren abgeschlossen würden, sagte Iste-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger. Er hofft, dass sich unter der neuen grün-schwarzen Koalition im Land etwas bewegt. „Die Signale aus der sich neu formenden Landesregierung machen uns vorsichtig optimistisch“, betont der Iste-Chef und setzt hinzu: „Doch wir müssen deutlich schneller werden. Wir können uns diese Bürokratie angesichts der Zukunftsaufgaben Klimaschutz und Infrastrukturmodernisierung weder zeitlich noch personell noch finanziell leisten.“