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Soziale Medien

Eine Influencerin stärkt das Bewusstsein für die schwäbische Kultur

Influencer tragen Verantwortung: Mit ihren Beiträgen erreichen sie tausende Menschen. Eine Nürtingerin nutzt diese Reichweite, um ihren Stolz auf ihre schwäbischen Wurzeln zu teilen und andere Schwaben dazu zu ermutigen, ihre Kultur ebenfalls bewusst zu leben.
Frau blickt über die Schulter auf einer grünen Wiese mit bewölktem Himmel.

Joy Beck ist selbsternannte „Schwabfluencerin“ und in den Sozialen Medien unter dem Nutzernamen „Spatzemitsoos“ bekannt.

Joy Beck)

Nürtingen. Mit ihren Followern teilt sie online Rezepte für Bärlauchspätzle oder bringt sie mit Videos über den typisch schwäbischen Alltag zum Lachen: Joy Beck ist in einem Dorf nahe Nürtingen aufgewachsen und bezeichnet sich selbst als „Schwabfluencerin“. Denn im Mittelpunkt ihrer Inhalte, sagt sie, steht vor allem eines: die Leidenschaft für das Landleben und die Lebensfreude, die es ihr schenkt: „Ich versuche jeden Tag die Dankbarkeit für dieses Privileg einzufangen“, sagt die 31-Jährige. Vor fast acht Jahren begann ihre digitale Karriere. Zuvor war sie ein paar Jahre Mitglied im Nürtinger Stadtrat, wie auch im Ortschaftsrat und bis vor etwa einem Jahr arbeitete sie als Erzieherin: „Nebenher habe ich noch den Heilpraktiker und den Maltherapeuten für Psychotherapie gemacht“, sagt sie. Außerdem war sie als „Nanny“ für eine Familie tätig. Dann wurde sie durch eine Krankheit ausgebremst. Beck leidet an Endometriose und musste deshalb ihren Beruf als Erzieherin aufgeben, obwohl er ihr sehr am Herzen lag: „Kinder sind unsere Zukunft, Kinder sind das Wichtigste“, sagt sie.

Ihr schwäbischer Alltag ist ihr Content in den Medien

In den sozialen Medien hat sie einen Weg gefunden, junge Menschen zu inspirieren: „Womit man groß wird, das prägt einen.“ Weil viele im Erwachsenenalter den Bezug zu ihren schwäbischen Wurzeln verlieren und überwiegend Hochdeutsch sprechen, möchte sie dem entgegenwirken: „Das macht was mit einem, wenn man zu seiner Identität stehen darf und der andere gleich schwätzt wie man selbst.“

Beck will dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Sie hat sich den schwäbischen Dialekt selbst wieder antrainiert und zeigt heute anderen, wie schön es ist, die eigene Kultur bewusst zu leben. Dabei fand sie die Inspiration dazu fast auf der anderen Seite der Welt: In Südafrika, genauer gesagt in Kapstadt. Dort kommen viele unterschiedliche Länder aus Afrika zusammen – Nigeria, Ghana, Kenia, Simbabwe: „Die sind stolz auf ihre Herkunft und haben mehrere Landessprachen.“ Dasselbe wünschte sie sich für das Schwabenland.

Sie legt Wert auf Authentizität statt Algorithmus

Beck sagt, sie stamme aus einer bodenständigen Familie, in der Landjäger und Apfelessig noch selbst gemacht werden. Aufgewachsen ist sie auf dem schwäbischen Land und hat eine klare Haltung zu den Schwaben: „Oberflächlich bruddeln sie sehr viel, aber sie geben am Ende ihr letztes Hemd, wenn sie jemanden ganz arg gern haben.“ Ihr Vater sei genau so ein Schwabe – und hat regelmäßig Gastauftritte in ihren Videos. Das kommt in den sozialen Medien gut an: „Viele sind einfach dankbar, dass ich das tue – dass ich den Dialekt am Leben erhalte, aber auf eine moderne, natürliche Art.“

Dabei war sie anfangs von der medialen Aufmerksamkeit überfordert. Zu Beginn wuchs ihre Followerzahl teils wöchentlich um 10 000. Sie löschte Videos und dachte darüber nach, ihren Kanal ganz aufzugeben: „Es war, als wäre ich auf einem Silbertablett mit Scheinwerfern auf mich.“ Als Dorfmensch habe sie zunächst nicht gewusst, wie sie damit umgehen soll.

Dennoch entschied sich Beck weiterzumachen – auch wegen der vielen positiven Rückmeldungen, etwa vom Bäckermeister im Ort oder von der 90-jährigen Nachbarin. Sie habe sie nur ein einziges Mal gerügt: Bitte keine gotteslästerlichen Ausdrücke wie „Herrgott“ oder „Heiligs Blechle“. Beck habe versprochen, das „nimmer“ zu sagen.

Heute ist es ihr besonders wichtig, authentisch zu bleiben. Die Einblicke in ihren Alltag seien bewusst unverstellt: „Wir sollten uns nicht von Systemen und KI das Leben diktieren lassen oder uns von Algorithmen beherrschen lassen“, sagt Beck. Deshalb poste sie nur Inhalte, die ihr wirklich am Herzen liegen und hinter denen sie steht.

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Kommunale Influencer: Rechtssicher auftreten

Authentische Einblicke aus dem Alltag – wie sie etwa Influencerin Joy Beck vermittelt – sind auch für Kommunen ein spannendes Kommunikationsinstrument. Doch gerade hier gelten besondere rechtliche Spielregeln: Werden Influencer im Auftrag einer Behörde tätig, greifen strengere Vorgaben etwa aus Wettbewerbs-, Urheber- und Verwaltungsrecht, und auch die Kommune kann haftbar gemacht werden.

Welche Fallstricke es gibt und worauf Kommunen achten sollten, zeigt unser Blogbeitrag mit fünf praxisnahen Regeln für kommunale Influencer:

https://kurzlinks.de/kommunale-influencerinnen

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