Wirtschaftsforscher untersuchen Spritpreise

Mineralölkonzerne verdienen an der 12-Uhr-Tankregel

Die 12-Uhr-Tankregel erhöht die Gewinnmargen der Mineralölkonzerne. Das zeigt eine neue Studie. In Süddeutschland sind die Margen besonders stark gestiegen.

Die Situation für Verbraucher an der Zapfsäule scheint sich nicht zu entspannten. Auch die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte 12-Uhr-Regelung sorgt nicht für die erhoffte Abhilfe.

Rene Traut)

Mannheim. Die Spritpreise sind über das Wochenende wieder deutlich gestiegen. Nach einer längeren Talfahrt zeichnet sich offenbar wieder eine Trendwende ab, wie aus Daten des ADAC hervorgeht. Demnach kostete ein Liter Super E10 am Sonntag im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,099 Euro. Das war der fünfte Tagesanstieg in Folge.

Auch die neue 12-Uhr-Regelung an den Tankstellen trägt dazu bei. Sie sorgt offenbar für ein höheres Niveau bei den Kraftstoffpreisen. Seit die Bundesregierung am 1. April 2026 ihr Kraftstoffmaßnahmenpaket scharf gestellt hat, sind die Gewinnmargen der Mineralölkonzerne sowohl für E5- als auch für E10-Benzin in Deutschland um rund sechs Cent pro Liter gestiegen. Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung habe bisher nicht dazu geführt, das Preisniveau zu senken. Insbesondere bei Benzin stiegen die Gewinnmargen erheblich“, sagt Leona Jung. Zusammen mit Kollegen des ZEW Mannheim hat die Forscherin des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) Daten von rund 15.000 Tankstellen im Zeitraum von jeweils zwei Wochen vor und nach Inkrafttreten der neuen Tankpreisregelung untersucht. Danach haben vor allem kleinere Ketten und unabhängige Anbieter ihre Gewinnmargen stärker angehoben als große Tankstellenketten, so ihre Erkenntnis. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere größere Unternehmen ihre Margen weniger stark erhöhen, da sie als marktbeherrschende Akteure eher kartellrechtliche Prüfungen fürchten müssen“, erklärt Justus Haucap, Ko-Autor der Studie und Direktor des DICE.

In Süddeutschland sind die Margen besonders stark gestiegen – zusätzlich um bis zu 1,2 Cent pro Liter Benzin und 2,4 Cent pro Liter für Diesel. „Das höhere durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen im Süden könnte eine höhere Zahlungsbereitschaft und damit größere Margenanpassungen begünstigen“, nehmen die Forscher an.

„Während die Gewinnmargen von Benzin seit Inkrafttreten der Tankpreisregelung im Durchschnitt etwa sechs Cent pro Liter gestiegen sind, schwankten die Margen für Diesel im Beobachtungszeitraum deutlich. Die Auswirkungen auf Dieselpreise bleiben damit kurzfristig uneindeutig. Die Preise für Diesel zogen bereits vor Inkrafttreten der Regelung im Verlauf des Iran-Konflikts stark an, während Benzin verzögert reagierte.

Gerade zwischen Mittag und frühem Abend müssen Verbraucher seither höhere Preise in Kauf nehmen, sagt ZEW-Forscher Leonard Gregor, Ko-Autor der Studie. Die Preise in den Morgenstunden würden tendenziell eher unter den Tagesdurchschnitt fallen. Zuvor hatten Verbraucher über den Tag zahlreiche Gelegenheiten, günstiger zu tanken.

Eine aktuelle Auswertung des ADAC kommt zu ähnlichen Ergebnissen: „Die Mineralölkonzerne preisen mit der einmaligen Erhöhung um 12 Uhr einen hohen Risikoaufschlag ein, der im Tagesverlauf nur langsam abgebaut wird. Auch die Zeiträume, in denen man unterhalb des Tagesdurchschnitts tanken kann, sind im Vergleich zum freien Preismodell kürzer geworden. Autofahrer konnten somit im alten Modell ebenfalls gut planen, aber im Durchschnitt vor allem günstiger tanken.“

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