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Bürgermeister Blaskapelle

„Wir sind wie eine Selbsthilfegruppe mit musikalischen Interessen“

Man kennt es vom Fußball, nun aber zeigt auch die Kultur ihre verbindende Wirkung: In Baden-Württemberg gibt es ein Bürgermeister-Blasorchester, mitgegründet von Ferdinand Truffner, Bürgermeister von Empfingen. Der Termin für die Konzertpremiere steht übrigens auch schon.
Zwei Männer auf einer Bühne, einer spielt Trompete, großer Zuschauerbereich.

Ferdinand Truffner trat schon mit The BossHoss auf. Nun gründet er ein Bürgermeister-Blasorchester.

Paul Bossenmaier)

Staatsanzeiger: Herr Truffner, warum braucht es ein Bürgermeister-Orchester?

Ferdinand Truffner : Weil es Bayern auch hat. Unser Nachbarbundesland hat seit einigen Jahren eine Bürgermeister-Blaskapelle, die auch bei der Messe Kommunale in Nürnberg gespielt hat. Als wir dort aus Baden-Württemberg am späten Abend noch beisammensaßen, war schnell klar: Unser Bundesland ist ebenso für die Blasmusik bekannt. Und deshalb haben wir gesagt, das kriegen wir auch hin.

Wie viele Mitglieder hat das Orchester?

Der Gemeindetag hat bei den Mitgliedern abgefragt, wer Interesse am Mitspielen hat. Es waren über 40 Interessierte. Das sind aber noch nicht alle, da hat sich der eine oder andere sicher noch ein bisschen gedrückt. Da bekommen wir noch mehr, außerdem fangen wir ja jetzt an. Ich sage es mal so: Ein „Stammkundenkreis“ wird wahrscheinlich so bei 45 bis 50 liegen, mit denen wir alle Register besetzt bekommen – von der Querflöte bis zur Tuba.

Woher kommen die Musiker?

Aus dem ganzen Land, einen richtigen Schwerpunkt gibt es nicht, wir haben Kollegen vom Alb-Donau-Kreis und aus dem Ortenaukreis . Musiker kommen vom Bodenseekreis oder dem Kreis Heilbronn , da ist jede Region vertreten. Übrigens spiegelt sich bei uns auch in etwa das Verhältnis zwischen Bürgermeisterinnen und ihren männlichen Kollegen im Orchester wider, etwa zehn Prozent der Mitglieder sind weiblich.

Dürfen nur direkt gewählte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister mitmachen, oder auch Beigeordnete?

Wir haben keine festen Statuten, bei uns können sogar Landräte mitspielen. Wichtig ist, dass man Freude an der Blasmusik hat und aus der kommunalen Familie kommt.

Bürgermeister sind ja Alphatiere. Wie läuft es denn mit der Verteilung von erster und zweiter Stimme?

Das ergibt sich ganz zwanglos, wer das Stück kennt, übernimmt die erste Stimme, beim nächsten Stück spielt man zweite oder dritte Stimme. Wenn man so viele Alphatiere hat, einigt man sich erstaunlich gut.

Hören denn die Alphatiere auf den Dirigenten?

Da sind wir taktisch vorgegangen. Bei der Gründung des Orchesters im Musikzentrum Baden-Württemberg in Plochingen hat der Landesmusikdirektor Bruno Seitz als begeisterter Geburtshelfer des Orchesters den Taktstock geschwungen – also niemand, der Bürgermeister ist, und das hat sehr gut geklappt. Aber wir haben einige Bürgermeisterkollegen, die ein Instrument spielen und als Dirigenten ausgebildet sind.

Jetzt kommt die wichtige Frage des Repertoires: „Badnerlied“ oder „Auf der schwäbischen Eisenbahn“?

Wir können beides und dazu auch noch das „Hohenzollernlied“. Wir haben uns vorgenommen, verschiedene Stilrichtungen zu spielen, von der Polka bis zum klassischen Stück wie die „Festmusik der Stadt Wien“ oder auch ein modernes Medley. Mal schauen, wohin die Reise musikalisch geht.

Wie klappt das eigentlich mit den Proben? 

Das hängt von den Auftritten ab, unsere Premiere haben wir am 1. August bei der Landesgartenschau in Ellwangen. Im Grunde werden etwa zwei Proben pro Jahr ausreichen, die meisten Kollegen spielen ja das Jahr über in ihren Stammorchestern. Uns geht es auch nicht nur ums Musikmachen. Man trifft Kolleginnen und Kollegen, die man sonst nicht im eigenen Wirkungskreis hat, die aber dieselben Probleme umtreibt. Insofern sind wir wie eine Selbsthilfegruppe mit musikalischen Interessen.

Hintergrund

Der Christdemokrat Ferdinand Truffner spielt die erste Geige im Rathaus von Empfingen (Kreis Freudenstadt) und Trompete sowie Flügelhorn in verschiedenen Blasorchestern. Das Bürgermeister-Blasorchester BW gibt es seit Ende Februar, Schirmherr ist der Gemeindetag und Präsident Steffen Jäger. Auf der Gründungsurkunde steht die Widmung „Für den richtigen Ton in unseren Städten und Gemeinden“.

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