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Die Gemeinde Dettingen sorgt für attraktive Wärmepreise

Vertragsunterzeichnung der Beteiligten mit Bürgermeister Rainer Haußmann (Mitte) und dem Esslinger Landrat Marcel Musolf (Dritter von links).
Gemeinde Dettingen)Dettingen. Dettingen unter Teck baut seine Nahwärmeversorgung deutlich aus und setzt dabei verstärkt auf erneuerbare Energien. Gemeinsam mit der EnBW Contracting modernisiert und erweitert die Gemeinde im Kreis Esslingen das Wärmenetz für knapp fünf Millionen Euro, rund eine Million Euro kommen aus Fördermitteln. Kürzlich haben die Beteiligten die Verträge unterschrieben.
Vorgabe bei Ausschreibung war Klimaneutralität bis 2040
Die 6200-Einwohner-Kommune hat sich beim Klimaschutz früh auf den Weg gemacht (siehe Kasten). Den kommunalen Wärmeplan hat die Gemeinde 2024 fertiggestellt – damals noch freiwillig gemeinsam mit der Stadt Owen und der Gemeinde Bissingen an der Teck. Diese Energie-Inventur brachte eine positive Überraschung: In einem Ortsteil existiert ein privat betriebenes Wärmenetz, das 160 Wohneinheiten versorgt – bislang jedoch mit Gas. „Die bestehenden Kessel müssen etwa zur gleichen Zeit erneuert werden wie unser kommunales Wärmenetz“, erklärt Klimaschutz- und Energiemanager Michael Christ.
Zudem gibt es ein kommunales Wärmenetz, das die Gemeinde 2006 gemeinsam mit den Stadtwerken Pforzheim gebaut hat und das von einer Holzhackschnitzel-Heizanlage versorgt wird. Zentrale Einrichtungen wie die Sporthalle und Teckschule, das Hallenbad, eine Pflegeeinrichtung sowie das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum des Kreises sind bereits angeschlossen.
Dass beide Netze turnusmäßig erneuert werden mussten, war für den Energiemanager ein glücklicher Zufall. Hinzu kam, dass die Gemeinde ein Neubaugebiet plante, das ebenfalls mit Wärme versorgt werden konnte. Nach mehreren Untersuchungen hat die Gemeinde das Projekt als Energieeffizienz-Contracting ausgeschrieben, das Energieliefer- und Energieeinspar-Contracting verbindet. Die Ausschreibung war technologieoffen. Die Gemeinde gab unter anderem das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 sowie einen festgelegten Anteil erneuerbarer Energien vor.
Der CO₂-Ausstoß reduziert sich um etwa 82 Prozent
Den Zuschlag erhielt schließlich die EnBW Contracting. Das Unternehmen erneuert die bestehende Anlage und erweitert zugleich das Netz. Mit rund 1000 Metern neuer Nahwärmeleitung soll künftig auch die Gemeindehalle angeschlossen werden. Zudem verbessert die EnBW die Energieeffizienz in der Sport- und der Gemeindehalle. Durch neue Lüftungsanlagen sinkt der Strom- und Wärmebedarf, sodass die Heizanlage kleiner dimensioniert werden kann. Die Anlagen bleiben während der 20-jährigen Vertragslaufzeit im Eigentum des Unternehmens und gehen anschließend an die Gemeinde über.
Das erweiterte Netz lässt die Zahl der angeschlossenen Haushalte deutlich steigen – um 120 im Neubaugebiet. Damit könnten künftig rund zehn Prozent aller Haushalte in Dettingen klimafreundlich erzeugte Wärme beziehen. Ein Anschlusszwang bestehe allerdings nicht. „Wir setzen hier bewusst auf Wirtschaftlichkeit“, betont der Energiemanager. Denn ein kommunales Wärmenetz müsse im Wettbewerb mit anderen Heizformen wie Wärmepumpen bestehen können, ist Christ überzeugt. Während viele Fernwärmenetze bei rund 25 Cent pro Kilowattstunde oder darüber liegen, liegt mit der neuen Anlage der Arbeitspreis bei 6,5 Cent pro Kilowattstunde – festgeschrieben auf 20 Jahre.
Auch künftig soll die Wärme überwiegend aus Holzhackschnitzeln stammen. Bislang wurde die Anlage in Spitzenzeiten zusätzlich mit einem Ölkessel betrieben. Dieser wird nun durch einen Gaskessel ersetzt. Der CO₂-Ausstoß der versorgten Gebäude sinkt jährlich um etwa 82 Prozent – das entspricht 742 Tonnen.
Beraten und gefördert wird die Gemeinde von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. „Als kleine Kommune könnten wir das nicht alles stemmen“, erklärt Klimaschutzmanager Michael Christ.
Gemeinde investiert 30 Millionen Euro
In Dettingen gibt es seit 2000 Energie- und Klimaschutzmanagement. In den kommunalen Einrichtungen wurden von 2000 bis 2025 82 Prozent der Treibhausgasemissionen eingespart. Mit der neuen Holzhackschnitzel-Heizanlage wären es dann 87 Prozent. In den nächsten drei Jahren möchte die Gemeinde ungefähr 30 Millionen Euro für Klimaschutzmaßnahmen ausgeben. Dazu zählt die Umsetzung der Maßnahmen aus dem Wärmeplan, aber auch Mobilitätsmaßnahmen – insbesondere für Fuß- und Radverkehr – sowie Klimaanpassungsmaßnahmen und Solarparks.