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Mehr Lebensqualität mit einer blau‑grünen Infrastruktur

„Kleiner Garten an der Au“: Einer der acht Schaugärten, die von elf Mitgliedsbetrieben des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg und Bayern in Ellwangen gebaut wurden.
Olaf Kuehl)Stuttgart . „Ellwangen an die Jagst“: Unter dieses Motto hat die historisch geprägte Kleinstadt im Osten Baden‑Württembergs ihre Landesgartenschau gestellt. Die Stadt erhofft sich damit eine tiefgreifende Aufwertung: Der historische Stadtkern wird durch attraktive Grünachsen mit der freien Natur und dem Flussraum verbunden. Seit dem 24. April bis zum 4. Oktober 2026 können Besucher erleben, wie die Gartenschau der Stadt so zu neuer Lebensqualität verhilft.
Ziel ist es, Stadt und Fluss stärker zu verbinden: Unweit des Zentrums darf die Jagst wieder mäandern, weil sie aus ihrem bisher begradigten und mit Ufersteinen fest verbauten Korsett befreit wurde.
„Wir haben in Baden-Württemberg eine einzigartige Tradition von Gartenschauen, da sind wir bundesweit einmalig aufgestellt“, sagt Martin Joos, der Vorstandsvorsitzende des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg (VGL-BW). Noch viele Jahre nach der Gartenschau wird Ellwangen von den vielzähligen Maßnahmen profitieren, durch mehr Biodiversität, naturnahe Naherholungsflächen und attraktive Freizeitmöglichkeiten.
Das Megathema ist: Grün-blaue Infrastruktur
Die grüne Branche verspricht sich durch solche gelungenen Beispiele ein Aufbruchssignal, damit viele weitere Städte und Gemeinden im Land ihre Chancen nutzen. Das Megathema dabei: grün-blaue Infrastruktur. Dahinter steht die Idee, Grünflächen, Bäume und Parks sowie begrünte Dächer und Fassaden intelligent mit blauen Elementen wie Gewässern, Teichen und Versickerungsflächen zu kombinieren.
„Selbst in Zeiten knapper Haushaltskassen ist es wichtig, diese Ansätze voranzubringen“, appelliert Joos an die Kommunen. Für ihn ist blau-grüne Infrastruktur die Lösung, um Städte und Gemeinden klimaresilenter zu machen: „Wir erleben auf der einen Seite extreme Hitzetage und Dürre, auf der anderen Seite Starkregenereignisse wie etwa in Braunsbach oder im Remstal. Eine gut geplante blau-grüne Infrastruktur kann die Folgen solcher Ereignisse abfangen. Daher sollten diese Maßnahmen in den kommunalen Haushalten Priorität haben.“
Bäume und Grünflächen beeinflussen das Mikroklima positiv, indem sie an Hitzetagen Wasser verdunsten und Schatten spenden und so die Umgebung kühlen. Blaue Infrastruktur heißt, dass man die Wasserversorgung von Anfang an mitdenkt. Das beinhaltet offene Wasserflächen und unterirdische Zisternen, die Regenwasser speichern und versickern lassen. So entsteht ein natürlicher Wasserkreislauf, über den das Stadtgrün das gesamte Jahr bewässert werden kann. Zusätzlich lassen sich aus einem Regenrückhaltebecken und aus bewässerten Flächen neue Naherholungsgebiete gewinnen.
Ein gelungenes Beispiel ist Heilbronn. Dort sind 2019 im Rahmen der Bundesgartenschau neue Ufer- und Parklandschaften am Neckar entstanden. Die beiden Seen dienen in Teilen zur Bewässerung der umgebenden Bepflanzung, dem Hochwasserschutz und den Bürgern als Naherholungsgebiet mit Spielplätzen. „Wir müssen solche Konzepte der Schwammstadt in Baden-Württemberg in die Breite bringen“, sagt der langjährige Verbandsvorstand Joos. Das werde Kommunen bei der Anpassung an den Klimawandel helfen.
Land braucht Musterbeispiel für eine Schwammstadt
Joos zufolge müsse Baden-Württemberg seine Vorreiterrolle bei der blau-grünen Infrastruktur weiter ausbauen. „Wir sind immer noch ein finanzstarkes Bundesland und beim Thema Schwammstadt kommen die besten Köpfe aus Baden-Württemberg“, sagt er. Die rund 800 Betriebe im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau appellieren an die Landespolitik, ein Musterbeispiel für eine Schwammstadt im Südwesten zu schaffen. „Wir könnten so anderen Kommunen beispielhaft aufzeigen, welche Mehrwerte eine blau-grüne Infrastruktur schaffen kann“, sagt Joos. Heilbronns Engagement zahlt sich hier aus. Die EU-Kommission hat die Stadt nächstes Jahr zur „Europäischen Grünen Hauptstadt“ erklärt.
„Gartenschauen sind große Impulsgeber. Sie können nicht nur ein Stadtbild verändern – sie verändern Menschen“, sagt Gerhard Hugenschmidt, der Vorsitzende von bwgrün.de. „Viele ehemalige Landesgartenschau-Städte profitieren heute immer noch von der Infrastruktur, die einst dadurch geschaffen wurde.“
Doch es braucht nicht immer eine große Gartenschau, um neue Parklandschaften, Stadtstrände und Freizeitmöglichkeiten zu entwickeln. „Vor allem braucht es Initiative, Mut und den politischen Willen“, sagt Joos. Und eine gute Unterstützung. Zusammen mit dem Städte- und Gemeindetag und der Stiftung Stadtgrün haben die Garten- und Landschaftsbauer daher die „Grüne Stadt“- Initiative ins Leben gerufen. Eine Kampagne, um mehr Grünflächen in die Städte zu bringen. Kommunen werden hierbei durch Informationen und viele Best-Practice-Beispiele unterstützt. Vor allem: Es gibt einen Lotsen, der sie durch den Förderdschungel führt.