Kritik an Bürgermeister

Bürgerinitiative fordert Neuwahl in Wutach

Der Bürgermeister der Schwarzwaldgemeinde steht seit Monaten wegen seiner Amtsführung in der Kritik. Die stellvertretende Bürgermeisterin spricht sich für Abwahlmöglichkeit in drastischen Fällen aus.
Zweistöckiges Gebäude mit rotem Dach und blauen Fensterläden, Blumenkästen.

Im Wutacher Rathaus hängt der Haussegen schief. Eine Initiative fordert eine erneute Bürgermeisterwahl.

IMAGO/imageBROKER/Gerald Abele)

Wutach. Im Streit um Wutachs Bürgermeister Alexander Pfliegensdörfer gibt es einen Vorstoß aus der Bürgerschaft. Eine Initiative sammelte nach eigenen Angaben innerhalb von vier Wochen 640 Unterschriften für eine Neuwahl. Das entspreche zwei Dritteln der Wahlberechtigten, sagte ein Sprecher der Initiative. Das Vertrauen zwischen Bürgermeister und Gemeinderat sowie einem Großteil der Bürger sei zerstört.

Pfliegensdörfer ist seit Dezember 2025 in Elternzeit

Der Wutacher Gemeinderat sei an der Aktion nicht beteiligt gewesen, sagt Franziska Stritt. Die stellvertretende Bürgermeisterin und Gemeinderätin wertet dies jedoch als klares Signal der Bürger für Neuwahlen. „Ich sehe ein Zusammenkommen mit dem jetzigen Bürgermeister als sehr schwierig an und würde auch Neuwahlen befürworten“, erklärt Stritt.

Pfliegensdörfer ist seit dem 23. Dezember 2025 in Elternzeit. Zuvor war er krankgeschrieben und hatte seinen restlichen Urlaub genommen. Kritik gab es unter anderem daran, dass er einen Übergabetermin vor seiner Auszeit nicht wahrgenommen hatte. Der Kommunalpolitiker hatte dies mit seiner Krankschreibung begründet. Seine Elternzeit endet im Sommer.

Gemeinde wird übergangsweise von Thomas Kaiser geführt

Schwierig sei „die Art und Weise“ gewesen, wie Pfliegensdörfer mit Überstundenabbau und Urlaub in die Elternzeit gegangen sei. Das habe den Fortgang der Geschäfte sehr stark eingeschränkt, erklärt Stritt. Mit dem Bürgermeister gebe es derzeit keinen Kontakt. Die Gemeinderätin berichtet von einer hohen Fluktuation in der Verwaltung seit dem Amtsantritt des Bürgermeisters im Mai 2023. Wichtige Positionen seien unbesetzt, was die Arbeit in der Verwaltung erschwere. „Vieles bleibt liegen, vieles konnte nur schleppend erledigt werden“.

Seit Beginn des Jahres wird die Gemeinde übergangsweise von Thomas Kaiser geführt , dem früheren Bürgermeister von Häusern. Die Zusammenarbeit mit dem Beauftragten des Landratsamts in Waldshut-Tiengen bewertet Stritt als sehr gut und angenehm. Die Verwaltungsgeschäfte laufen in der 1200-Einwohner-Gemeinde weiter.

Stritt würde Möglichkeit zur Abwahl begrüßen

Pfliegensdörfer äußerte sich auf Anfrage nicht. Seine Amtszeit endet 2031. Gemeinderätin Stritt würde es begrüßen, wenn Bürgermeister – in drastischen Fällen – mit einer Zweidrittelmehrheit abgewählt werden könnten.

„Wenn zwei Drittel der Wahlberechtigten, wie aktuell in Wutach, einen Wunsch nach einer Neuwahl hegen, ergibt das Sinn“. Eine Abwahlmöglichkeit gibt es in Baden-Württemberg aber nicht – als einziges Bundesland neben Bayern.

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